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KI und Produktivität

Österreichs Betriebe werden nicht durch KI produktiver

von Dunja R.
Veröffentlicht:  4. August 2026, 18:19
2 min
Person sitzt an einem Schreibtisch und analysiert Diagramme auf einem Ausdruck sowie auf einem Desktop-Monitor und zwei Laptops. Weitere Unterlagen und ein Smartphone liegen auf dem Tisch.

Während Konzerne weltweit Milliarden in KI-Systeme pumpen und sich davon den nächsten großen Produktivitätssprung erwarten, zeichnet eine österreichische Studie ein ganz anderes Bild. Das Strukturwandelbarometer 2026 der Arbeiterkammer Wien liefert einen der repräsentativsten Einblicke in österreichische Betriebe. Das Ergebnis: Produktivität steigt tatsächlich quer durch die heimische Wirtschaft. Nur eben nicht wegen Algorithmen.

73 Prozent der Betriebe kämpfen mit demselben Thema

Kaum ein Wirtschaftsthema beschäftigt Österreichs Betriebe aktuell so sehr wie die eigene Produktivität. 73 Prozent der befragten Betriebsratsvorsitzenden geben an, dass das Thema in ihrem Unternehmen eine große Rolle spielt, mehr als die Hälfte berichtet sogar von einem spürbaren Anstieg in den vergangenen drei Jahren. In einer Zeit, in der praktisch jede Wirtschaftsschlagzeile KI als Produktivitätswunder feiert, liegt der Schluss nahe: Das muss an neuer Technologie liegen. Stimmt das auch?

Der Produktivitätsmotor heißt Mitarbeitende, nicht KI

Über 1.500 Betriebsratsvorsitzende, die gemeinsam 600.000 Beschäftigte vertreten, wurden nach den wichtigsten Treibern für gestiegene Produktivität gefragt. Das Ergebnis: KI landet unter 20 abgefragten Maßnahmen nur auf Platz 11. Ganz vorne liegt etwas völlig anderes:

  • Prozessoptimierung: 61 %
  • Stärkere Einbindung der Mitarbeitenden: 59 %
  • Weiterbildung: 51 %
  • Digitalisierung: 41 %

Künstliche Intelligenz taucht unter den meistgenannten Antworten gar nicht auf. Selbst Digitalisierung als breiterer Begriff landet nur auf Platz vier, deutlich hinter Maßnahmen, die direkt bei den Menschen ansetzen. Der Produktivitätsgewinn in Österreichs Betrieben entsteht also überwiegend durch bessere Organisation und mehr Einsatz der bestehenden Belegschaft, nicht durch neue Technologie.

Nicht nur die Produktivität steigt: Laut dem Report 2026 wachsen auch Arbeitsdruck, Stress und Krankenstände spürbar in Österreichs Arbeitswelt.

4 statt 24 Prozent: Was KI tatsächlich bringt

Diese österreichischen Zahlen fügen sich nahtlos in ein internationales Bild. Eine Untersuchung des Centre for Economic Policy Research mit über 12.000 europäischen Unternehmen misst nur 4 Prozent Produktivitätseffekt durch KI, EU-weit. Ein Befund des National Bureau of Economic Research ist noch deutlicher: Über 80 Prozent von fast 6.000 befragten Top-Managern sahen in drei Jahren keine messbare Steigerung durch KI. Wenn KI die Produktivität also weder in Österreich noch international spürbar antreibt, muss der Anstieg anderswo herkommen.

Die Mitarbeitenden zahlen den wahren Preis

Trotz all dieser ernüchternden KI-Zahlen steigt die österreichische Produktivität spürbar. Wie das zusammenpasst, zeigt der unbequeme Teil der Studie. Die Betriebsratsvorsitzenden berichten, dass der Produktivitätsanstieg häufig mit höherem Arbeitsdruck und einem schlechteren Arbeitsklima einhergeht. AK Direktorin Silvia Hruška-Frank bringt es auf den Punkt: Die Arbeit werde immer intensiver, was in einer steigenden Zahl von Krankenständen resultiere, während gleichzeitig ein höheres Pensionsalter gefordert werde.

Damit zeigt sich der rote Faden durch Österreichs Arbeitswelt 2026: Betriebe werden produktiver, aber nicht, weil Maschinen mehr übernehmen, sondern weil Menschen mehr leisten. Die Rechnung dafür zahlt am Ende die Belegschaft, mit spürbaren Folgen für ihre Gesundheit.