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Rente im Wandel

Früher in Rente: Abschläge steigen seit 2020 um 57 Prozent

Veröffentlicht:  8. Oktober 2026, 13:00
2 min
Mann mit Brille sitzt an einem Küchentisch und betrachtet nachdenklich ein Schreiben, daneben liegen Taschenrechner und weitere Unterlagen.

Im Schnitt 162 Euro weniger Rente im Monat – so viel kostete der vorzeitige Ausstieg 2025, fünf Jahre zuvor waren es noch 103 Euro. Trotzdem startet in Deutschland inzwischen fast jede dritte neue Altersrente mit Abschlag. Die Rentenreform würde die Rechnung neu aufmachen.

Zwei Treiber hinter dem Plus

Die Zahlen stammen aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion, über die das RedaktionsNetzwerk Deutschland berichtete. Die Regel bleibt gleich: Für jeden Monat vor der Regelaltersgrenze sinkt die Rente dauerhaft um 0,3 Prozent.

Der Euro-Betrag wächst trotzdem. Erstens stieg der Rentenwert von Juli 2020 bis Juli 2025 um rund ein Fünftel. Zweitens rückt die Regelaltersgrenze nach oben, und die Abschlagsmonate nehmen zu: Wer 2025 mit 63 ging, verlor 13,2 Prozent. Ab Jahrgang 1964 sind es bis zu 14,4 Prozent.

Älterer Mensch hält einen Fünf-Euro-Schein über einer fast leeren Geldbörse, daneben liegen Münzen auf einem Holztisch.
2024 gingen in Ostdeutschland 44 Prozent der Frauen mit Abschlägen in Rente – bei westdeutschen Männern waren es 24,2 Prozent.

Fast jede dritte neue Rente startet gekürzt

Der Anteil gekürzter Renten kletterte von 2020 bis 2025 von 23,4 auf 30,4 Prozent. Betroffen sind vor allem Menschen mit 35 Versicherungsjahren und Schwerbehinderte. Sarah Vollath, rentenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, liest daraus: „Viele Menschen sind dazu bereit, hohe Abschläge in Kauf zu nehmen, weil sie nicht bis zur Regelaltersgrenze durchhalten.“ Die Alterssicherungskommission hält dagegen: Abschläge sollen versicherungsmathematisch berechnet werden, damit ein früher Ausstieg die Versichertengemeinschaft nicht belastet.

Reformpläne: Später raus, kleinerer Abschlag

Für den früheren Ausstieg sieht der Kommissionsbericht mehrere Weichenstellungen vor:

  • Die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren soll entfallen.
  • Der früheste Rentenstart nach 35 Jahren soll von 63 auf 64 Jahre steigen.
  • Der maximale Abschlag sänke damit auf 10,8 statt 14,4 Prozent.
  • Ab 2031 soll die Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung gekoppelt werden.

Beschlossen ist nichts, ein Gesetzentwurf fehlt. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) droht mit einem Nein im Bundesrat, sollte die Rente nach 45 Jahren fallen.

Ob der Abschlag künftig kleiner, der Weg in den Ruhestand aber länger wird, entscheidet erst das Gesetz. Bis dahin gilt die alte Rechnung: Jeder Monat früher kostet 0,3 Prozent – ein Leben lang.