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Rentendebatte 2026

Bis 67 arbeiten? Nicht jeder Job macht das mit

von Julia P.
Letztes Update:  30. Juni 2026, 10:37
2 min
Bauarbeiter mit Schutzhelm arbeitet mit Werkzeug auf einer Baustelle

In Deutschland soll die Regelaltersgrenze künftig stärker an die Lebenserwartung gekoppelt werden – Kanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas wollen das Reformpaket möglichst geschlossen durchsetzen. Nach Berechnungen der Rentenkommission könnte das Renteneintrittsalter dadurch bis 2041 auf 67,5 Jahre steigen. Für Beschäftigte in körperlich belastenden Berufen zählt am Ende aber nicht die genaue Zahl, sondern ob der Körper so lange mitmacht.

67,5 Jahre, aber nicht ohne Streit in der eigenen Koalition

Aktuell liegt die Regelaltersgrenze für Jahrgänge ab 1964 bei 67 Jahren. Die Rentenkommission der Bundesregierung empfiehlt, sie ab 2032 moderat an die Lebenserwartung zu koppeln, bis 2042 wäre ein Anstieg auf 67,5 Jahre möglich, zudem soll die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren wegfallen.

Kritik kommt vor allem aus der SPD: Manuela Schwesig lehnt die Kopplung ans Rentenalter grundsätzlich ab, weil Lebenserwartung nur ein Durchschnittswert sei. Franziska Giffey wandte sich gegen die Abschaffung der Frührente und verwies auf das Handwerk und körperlich anstrengende Berufe.

Pfleger spricht mit älterer Frau an einem Tisch im Aufenthaltsraum
Für gesundheitlich stark belastete Berufe will die Kommission eine eigene Schutzrente einführen, Details sind noch offen.

Wo es konkret eng wird: Bau, Pflege, Logistik, Reinigung

Nicht jede Belastung ist gleich. Laut einer Auswertung der EU-Stiftung Eurofound steigt das Risiko eines vorzeitigen Erwerbsausstiegs vor allem dort, wo schweres Heben, ungünstige Körperhaltungen, Lärm oder hohes Arbeitstempo zusammenkommen, typisch etwa auf dem Bau, in der Reinigung oder in der Pflege.

Arbeitsmarktforscher Martin Brussig sieht ein hohes Risiko vorzeitiger Berufsunfähigkeit auch in Verkehr und Logistik. Eine DIW-Studie im Auftrag des Sozialverbands VdK zeigt: Wer hoher körperlicher oder psychosozialer Belastung ausgesetzt ist, hat im Schnitt eine um drei Jahre kürzere Lebenserwartung und riskiert damit Abschläge bei vorzeitigem Ausstieg sowie eine kürzere Rentenbezugsdauer. Schichtarbeit, Zeitdruck und psychische Belastung wiegen dabei oft so schwer wie körperliche Schwerarbeit, und wer früh mit einem solchen Job beginnt, sammelt auch früher gesundheitlichen Verschleiß an.

Was Arbeitgeber konkret ändern können

Die von der Kommission geplante Schutzrente greift erst, wenn jemand seinen Beruf gesundheitlich nicht mehr ausüben kann, sie ist ein Auffangnetz für den Schaden, der bereits entstanden ist. Wer diesen Fall gar nicht erst entstehen lässt, braucht das Auffangnetz nicht. Das verschiebt die Frage von der Politik zurück in den Betrieb:

  • Statt pauschal „ausreichend Personal“ zu versprechen: ein verbindlicher Personalschlüssel, der auch bei Krankheitsausfällen hält.
  • Statt körperlich belastender Arbeit bis zur Rente: ein geplanter Wechsel in weniger belastende Tätigkeiten ab einem bestimmten Alter, nicht erst, wenn der Rücken streikt.
  • Statt eines Gesundheitsmanagements auf dem Papier: Belastungsanzeigen, die tatsächlich Konsequenzen im Schichtplan haben.

Was Beschäftigte in der Praxis berichten

Wie groß die Lücke zwischen Anspruch und Alltag sein kann, zeigt eine aktuelle kununu-Bewertung aus dem Bereich Gesundheit, Soziales und Pflege:

„Dauerhaft stark überlastete“ Personalsituation, zeitweise mit zwei Pflegekräften für rund 30 Bewohner. Als Verbesserungsvorschlag fordert die bewertende Person Arbeitsbedingungen, die so gestaltet sind, „dass Mitarbeitende langfristig gesund und motiviert im Beruf bleiben können“

Wie Arbeitgeber mit genau solchen Belastungen umgehen, entscheidet oft früher über die Gesundheit als jede politische Reform, unabhängig davon, wann das Rentenalter am Ende tatsächlich steigt.