Handwerk oder Akademiker
Studium bereut: Holt das Handwerk die Akademiker in Sachen Gehalt ein?
18.616 Euro im Jahr: So groß ist der Gehaltsvorsprung von Akademiker:innen gegenüber Beschäftigten im Handwerk in Deutschland 2026 bislang. Trotzdem macht gerade die Erzählung von Studierten die Runde, die ihren Weg bereuen. Die kununu-Daten zeigen, warum sie nicht aufgeht.
Ein Wiedersehen auf LinkedIn
In einem Meinungsbeitrag in der WELT beschreibt der promovierte Philosoph Haziran Zeller, wie er einen alten Freund mit Ausbildung auf LinkedIn wiedertrifft und am eigenen Studium zweifelt. Er kennt Informatiker:innen, die sich fragen, ob sie als Klempner:innen besser verdienen würden. Seine These: Vom Hochmut der Akademiker werde bald nichts mehr übrig sein.

Prozentual holt das Handwerk auf, in Euro nicht
Gehaltsangaben auf kununu (Bruttojahresgehalt, Vollzeit) zeichnen ein anderes Bild. Die Entwicklung seit 2024:
- 2024: 62.726 Euro für Akademiker:innen, 44.353 Euro im Handwerk, Lücke 18.373 Euro
- 2025: 62.877 zu 44.902 Euro, Lücke 17.975 Euro
- 2026 bislang: 64.723 zu 46.107 Euro, Lücke 18.616 Euro
Das Handwerk wächst mit 3,9 Prozent zwar schneller als die Akademikergehälter mit 3,2 Prozent. In Euro legen Akademiker:innen aber 1.997 Euro zu, das Handwerk 1.754 Euro. Der Abstand ist seit 2024 sogar gewachsen.
Wo das Gefühl einen wahren Kern hat
Ganz aus der Luft gegriffen ist die These trotzdem nicht. Das IAB fand 2022 in 10 von 36 Berufsgruppen höhere Lebensentgelte für Meister:innen und Techniker:innen als für Hochschulabsolvent:innen, etwa in Metall- und Ausbauberufen. Im Schnitt bleibt das Studium vorn.
Angleichung im Schneckentempo
Eine verlässliche Prognose erlauben die Daten nicht. Fortgeschrieben bleibt die Lücke etwa gleich groß, das Verhältnis steigt nur von rund 71 auf 71,5 Prozent. Bei unveränderter Dynamik bräuchte eine Angleichung Jahrzehnte. Nicht eingerechnet sind äußere Entwicklungen wie KI oder der Fachkräftemangel: Im Handwerk blieben zuletzt über 16.000 Ausbildungsstellen unbesetzt. Vom Hochmut der Akademiker mag manches bröckeln, vom Gehaltsvorsprung bislang kaum etwas.