Bitte mehr: Was Unterforderung mit Dir anstellt

Die vierte Kaffeetasse dampft vor Dir. Die alten Zeitschriften kennst Du zwar auswendig, aber beim Durchblättern verfliegen ja schließlich viele lästige Minuten. Dann mal wieder der „Aktualisieren“-Klick auf die Nachrichtenseite. Und nicht vergessen: pseudo-beschäftigt im Flur umherlaufen. Um dann die Toilette anzusteuern und dort mit dem Zeigefinger die Augenbrauen nachzustreichen.

Erneut wandert der Blick auf die Uhr. Wieder ein Tag, an dem nichts zu tun ist. Du fragst Dich: Bin ich hier die Zimmerpflanze oder auf welche Stelle hatte ich mich gleich nochmal beworben?

Berufliche Unterforderung ist kein Einzelfall

Jaja, Langeweile im Job kann quälend sein. Denn wenig Arbeit, Dauerroutine und chronische Unterbeschäftigung sind mitunter anstrengender als realer Stress. Empirisch lässt sich das Phänomen Unterforderung allerdings nur schwer greifen.

Eine Studie der Deutschen Universität für Weiterbildung zeigt, dass elf Prozent der Erwerbstätigen sich beruflich unterfordert fühlen[1]. Diese Zahl wird durch eine Umfrage eines Personaldienstleisters bestätigt, in der immerhin zehn Prozent der Befragten angaben, sich bei der Arbeit zu langweilen[2].

Übrigens: Besonders gefährdet sind Arbeitnehmer in Behörden und großen Unternehmen. Denn dort fällt es seltener auf, wenn ein Mitarbeiter wenig zu tun hat.

Unterfordert heißt nicht faul

Faule Arbeitnehmer wollen nicht arbeiten, selbst wenn sie sollten. Der Unterschied zu den Unterforderten: Wer unterfordert ist, möchte arbeiten – aber sein Arbeitgeber lässt ihn nicht. Es scheitert entweder an der Kommunikation oder an der Organisation.

Dass Du zu der gelangweilten Minderheit gehörst, erkennst Du daran, dass Deine aktuelle Arbeitssituation im Widerspruch zu Deinem eigenen Leistungsverständnis steht. Betroffene wissen, dass sie mehr leisten könnten, aber es fehlt an der richtigen Aufgabenstellung. Scham und Selbstzweifel sind die Folge.

Die häufigste Ursache für das Leiden ist ein fehlendes Gefühl für die Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit. Hinzu kommt der Druck, den Schein zu wahren – also krass beschäftigt zu tun. Den Langeweile-Zwang solltest Du keinesfalls hinnehmen. Wir haben 3 gute Gründe zusammengetragen, warum Du unbedingt etwas gegen berufliche Unterforderung unternehmen solltest:

1. Du verlierst Deine Begeisterung.

Zu wenig anspruchsvolle Aufgaben, zu wenig Verantwortung, zu wenig Abwechslung. Klar, dass Dein Herz längst geext hat.

2. Du wirst faul.

Gähn – Dein Sitzfleisch wächst an. Was dagegen schwindet: Deine Hirnmasse. Denn Neues wird Dir nicht geboten.

3. Du wirst zum Lügner.

Wer gibt schon gerne zu, dass er im Job unterfordert ist? Eben. Und so kommt bei Gesprächen im Freundeskreis, was kommen muss: Du gaukelst ihnen Unwahrheiten vor. Solch mühsam konstruierte Kartenhäuser sind vor allem bekannt für eines: Irgendwann wackelt selbst das stabilste Lügengerüst.

Tiefschlaf ist die falsche Strategie

Das siebte Zeitungsrätsel ist gelöst. Irgendwann ist das Internet dann auch ausgelesen. Ein anderer Langeweile-Killer ist leider nicht in jedem Büro selbstverständlich: Home-Office-Tage. Anstatt sich zu langweilen, lieber den Haushalt schmeißen.

Doch was hilft effektiv bei Unterforderung? Ein erster Schritt: das Gespräch mit dem Vorgesetzten. Wer sich mit seinen Aufgaben permanent unterfordert fühlt, sollte darüber reden. Sei es, indem Du um andere Aufgaben bittest oder Deinem Chef konsequenterweise vorschlägst, die Arbeitszeiten zu kürzen, weil es einfach zu wenig zu tun gibt. Oder indem Du um einen Wechsel innerhalb der Firma bittest. Vielleicht gibt es eine andere Stelle im Unternehmen, die eher den eigenen Fähigkeiten entspricht. Im Zweifel hilft nur eins: kündigen und einen neuen Job suchen.

Vorsicht vor Bore-Out

Es gibt ein Gegenteil vom vielzitierten Burnout – das Boreout. Drei Symptome sind hierfür charakteristisch: Unterforderung, Langeweile und Desinteresse. Ist dies ein Dauerzustand, entsteht Stress, der zu den typischen Krankheitssymptomen führt: Schlafstörungen, Depressionen, psychosomatische Erkrankungen, Gereiztheit, Müdigkeit und Lustlosigkeit. Unterforderte Mitarbeiter leisten weniger und fallen häufiger aus.

Quellen:

[1] zeit.de
[2] boreout.com