Warum es im Job effektiver ist andere um Rat zu fragen

Regelmäßig Feedback von unseren Vorgesetzten und Kollegen einzuholen, gehört für viele von uns zum Arbeitsalltag. Schließlich erwarten wir uns durch die Rückmeldung, dass wir unsere Arbeit zukünftig noch besser machen können. Eine Studie belegt aber genau das Gegenteil: Feedback hat meist keinen oder sogar negativen Einfluss auf unsere Leistung. Wollen wir uns wirklich verbessern, ist es demnach effektiver unsere Mitmenschen um Rat zu fragen.

Die Frage nach Feedback ist selten zielführend

Bereits 1996 erschien eine Studie im Psychological Bulletin über fehlenden oder sogar negativen Effekt von Feedback auf Leistung.[1] Jaewon Yoon, Hayley Blunden, Ariella Kristal und Ashley Whillans beschreiben darauf aufbauend in der Harvard Business Review einen neuen Ansatz: Statt unsere Vorgesetzten und Kollegen nach Feedback zu fragen, sollten wir sie lieber um ihren Rat bitten. Basierend auf den Ergebnissen von vier Untersuchungen fand sie heraus, dass Menschen durch die Frage nach einem Ratschlag mehr effektiven Input von ihrem Gegenüber erhalten.[2]

In einer Studie sollten 200 Studierende Input für das Bewerbungsschreiben ihrer Kommilitonen geben. Während einige Teilnehmende gebeten wurden Feedback zu geben, wurde eine andere Gruppe nach ihrem Rat gefragt. Im Vergleich gaben Personen, die nach ihrem Rat gefragt wurden, 34 Prozent mehr Bereiche für Verbesserung an und 56 Prozent mehr Vorschläge, um diese umzusetzen. Der Grund: Sollten Personen Feedback geben war ihr Input sehr allgemein formuliert und tendenziell positiv gehalten. Sollten sie hingegen einen Ratschlag geben, war ihr Input meist kritischer, enthielt aber einen Lösungsvorschlag oder konkrete Handlungsempfehlungen.

„Bester Ratschlag: Ja nicht hinterfragen, denn das wird mit Arbeitsverweigerung gleichgesetzt!“ – Arbeitgeberbewertung bei Glock

Warum geben wir bessere Ratschläge?

Ähnliche Ergebnisse erzielte eine weitere Untersuchung mit ebenfalls knapp 200 Vollzeit-Angestellte in den USA. Die Teilnehmenden sollten die Leistung eines Kollegen in Bezug auf ein aktuelles Projekt beschreiben. Die Aufgaben reichten dabei von „Etikettieren von Gegenständen“ bis zur „Entwicklung neuer Marketingstrategien“. Unabhängig von der Komplexität der Tätigkeiten fielen die Rückmeldungen als Feedback wieder weniger kritisch und damit auch weniger hilfreich aus, als Ratschläge.

Doch woran liegt das? Die Erkenntnisse der Studie legen nahe, dass wir Feedback in der Regel mit Evaluation assoziieren. Wenn uns andere also nach Feedback fragen, bewerten wir meist deren gesamte Leistung – auch wenn diese nichts mit einer aktuellen Tätigkeit zu tun hat. Durch diese bestehende Verbindung fällt es uns schwer, uns die Zukunft einer Person und dadurch möglicherweise bessere Leistungen vorzustellen. Werden wir jedoch gefragt, einen Ratschlag zu geben, versteifen wir uns nicht auf eine Gesamtevaluierung der Person, sondern denken an zukünftige Handlungsempfehlungen. Wenn du dich also wirklich verbessern möchtest, solltest du andere nach ihrem Rat fragen.

„Die Vorgesetzten stehen stets mit Rat und Tat zur Seite und haben immer ein offenes Ohr.“ – Arbeitgeberbewertung bei prevent AT work GmbH

Es ist nicht falsch nach Feedback zu fragen

Ist es also immer eine schlechte Idee nach Feedback zu fragen? Nicht unbedingt. Gerade für Berufsanfänger oder Personen, die neu in einem Bereich sind, kann Feedback hilfreicher sein. Vor allem zu Beginn kann kritischer und spezifischer Input eher abschreckend und wenig motivierend wirken. Berufseinsteiger verfügen oftmals noch nicht über die Fähigkeiten, um sich in dieser Form in ihrer neuen Rolle zu verbessern. Feedback bietet aber auch Vorteile für Personen, die schon länger in einer Position sind. Durch eine Evaluierung unserer Gesamtleistung wissen wir nämlich wie Kollegen und Vorgesetzte unsere bisherige Leistung bewerten. Wichtig ist es deshalb zu unterscheiden, wann wir welche Art der Rückmeldung brauchen und entsprechend danach zu fragen.

 

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Quellen:

[1]Studie: The Effects of Feedback Interventions on Performance

[2]Studie: Framing Feedback Giving as Advice Giving Yields More Critical and Actionable Input