Jobsuche über facebook: Social Recruiting Teil 2

Facebook ist das größte Social Network mit derzeit über 900 Millionen Mitgliedern. Das beliebte Netzwerk wird von vielen Unternehmen bereits für Aufbau und Pflege von Kontakten, der Verbreitung von Neuigkeiten und Werbung genutzt. Auch im Bereich des Social Recruitings spielt Facebook eine nicht zu unterschätzende Rolle – für Unternehmer und Bewerber.

Unternehmenssuche für Bewerber auf Facebook

Facebook ist, im Gegensatz zu XING oder LinkedIn, ein privates Netzwerk. Dennoch bietet das Facebook-Profil den Usern die Möglichkeit, sich selbst zu präsentieren und auf diese Weise eine „Marke Ich“ aufzubauen, die durchaus auf Bewerbung und Jobsuche Einfluss nehmen kann. Eine besonders originelle Art der Selbstvermarktung ist zum Beispiel das Anlegen eines Lebenslaufs im Timeline-Design.

Grundsätzlich gilt für die Gestaltung des persönlichen Profils auf Facebook:

  • Der Einsatz des Like-Buttons gibt Aufschluss über Vorlieben und Persönlichkeit eines Nutzers. Vom Lieblingsfilm bis hin zur politischen Einstellung lässt sich aus vielen Profilen reichlich Information gewinnen.
  • Im „Info“-Bereich mit persönlichen Angaben lassen sich eine Vielzahl von Informationen über vergangene Jobs und den derzeitigen Arbeitsplatz angeben: Nicht nur die Arbeitsstätte (mit passender Verlinkung zur Facebook-Seite des Unternehmens), sondern auch einzelne Projekte können vermerkt werden samt Angabe und Verlinkung der entsprechenden Team-Mitglieder. Damit bietet Facebook sogar einen Vorteil gegenüber dem Business-Netzwerk XING, wo dies nicht möglich ist.

„Was Bewerber oder solche, die es werden wollen, generell beachten sollten, sind die Privatsphäre-Einstellungen des Profils“, betont Henner Knabenreich, Betreiber des Blogs Personalmarketing 2.0. Private Fotos und Statusmeldungen, die auch für Nicht-Freunde sichtbar sind, können einer erfolgreichen Bewerbung hinderlich sein. Wenn eine spannende Unternehmens-Seite auf Facebook gefunden wurde, gilt es, als Jobsuchender auf sich aufmerksam zu machen. „Das kann ich entweder auf der Pinnwand direkt oder aber in dem ich der Seite eine Nachricht zukommen lasse“, erklärt Knabenreich. „Also, Gelegenheit nutzen, Interesse bekunden, Fragen stellen, bewerben und sich dabei auf Facebook beziehen. Das freut das Personalerherz, wenn es sieht, dass sich auch Leute über Facebook bewerben.“

Bewerbersuche für Unternehmen auf Facebook

Facebook Karriereseite der Telekom

Unternehmen ihrerseits können sich mittels Facebook gezielt auf die Suche nach potenziellen Bewerbern machen. Unternehmen wie Bayer, Ernst & Young und die Telekom bespielen eigene Karriere-Seiten, um darauf über Karrierechancen, Bewerbungstipps und offene Stellen zu berichten und sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Hier sollte auf die Art der User-Ansprache und die richtige Tonalität geachtet werden. „Vor allem geht es darum, nicht einfach nur ‚copy & paste’ irgendwelche Inhalte von der Karriere-Website oder aus Pressemitteilungen wiederzugeben, sondern einen echten Mehrwert in der Informationsversorgung zu bieten“, betont Henner Knabenreich. Bei wenig authentischen Inhalten wird die Unternehmenskommunikation auf Facebook nur allzu rasch als bloßes Marketinginstrument wahrgenommen. Die authentische Selbstdarstellung wird für die Unternehmen zur Herausforderung.

Für Unternehmen bietet sich außerdem die Möglichkeit, das eigene kununu-Profil in die Facebook-Unternehmensseite als App zu implementieren und auf diese Weise Details zu Benefits, Stimmung und Arbeitsatmosphäre und den Usern anzuzeigen. Diesen wiederum wird die Suche nach dem geeigneten Arbeitgeber dadurch erleichtert. Außerdem können Unternehmen auch auf dem kununu-Arbeitgeberprofil ihre Facebook-Seite per Like-Box verlinken und auf diese Weise direkt über kununu neue Facebook-Fans generieren, wie dies auf dem Arbeitgeber-Profil von KPMG Schweiz und Trenkwalder Personaldienste der Fall ist.

kununu-Facebook-App

kununu-Facebook-App

Um überhaupt die Reichweite der Facebook-Seite zu steigern und auf sich aufmerksam zu machen, können Facebook Ads das richtige Hilfsmittel sein. Auch hier gilt es, die Inhalte der Ads möglichst ansprechend zu gestalten. Die Zielgruppe von Karriereseiten auf Facebook liegt oftmals auf der Information und der Suche nach Auszubildenden/Lehrlingen sowie Hochschulabsolventen, dementsprechend sollten Tonalität und Bild abgestimmt sein. Für die gezielte Ansprache potenzieller Bewerber hingegen ist Facebook weniger gut geeignet, da sich die Kommunikationsmöglichkeiten auf den Versand einer persönlichen Nachricht beschränken.

Facebook als Karriereplattform

Vorteile

  • Gute Verlinkungsmöglichkeiten
  • Direkter Dialog ist möglich
  • Bewerber können ausgiebig informiert werden
  • Präsentation als attraktiver Arbeitgeber
  • Anzeigen schalten zur Steigerung der Bekanntheit
  • Unkonventionelle Ansprache von Bewerbern und Unternehmen möglich

Nachteile

  • Marketing-nahe, schlecht gewählte Tonalität der Postings
  • Finden von Top-Bewerbern gestaltet sich schwierig
  • Negative Posts auf der Wall sind möglich
  • Ressourcen müssen rechtzeitig eingeplant werden
  • Direkte Ansprache von Bewerbern ist nicht möglich
  • Fehlende Privatsphäre-Einstellungen

Interview mit Henner Knabenreich, personalmarketing 2.0

Wie können Unternehmen Facebook nutzen, um potentielle Bewerber anzusprechen?

Henner Knabenreich: Unternehmen können Facebook dazu nutzen, sich auf einer Karriereseite als authentischer Arbeitgeber zu präsentieren und den Dialog auf Augenhöhe mit potenziellen Kandidaten zu suchen. Die Betonung liegt hier auf „Dialog“, also mit relevanten, interessanten Inhalten zur Interaktion auffordern und auf Kommentare und Fragen zeitnah eingehen. Es geht nicht darum, eine weitere Online-Präsenz zu schaffen, wo die gleichen langweiligen Inhalte in der gleichen langweiligen Tonalität wiedergekäut werden. Eine andere Variante wäre die Nutzung von Facebook-Ads, um potenzielle Kandidaten auf eine Landingpage der Karriere-Website zu lotsen. Allerdings sollte die einen Mehrwert bieten und ansprechend gestaltet sein, sonst klappt das nicht mit dem Bewerber.

Was müssen Unternehmen bei ihrer Präsentation auf Facebook beachten?

Henner Knabenreich: Vor allem geht es darum, nicht einfach nur copy & paste irgendwelche Inhalte von der Karriere-Website oder aus Pressemitteilungen wiederzugeben, sondern einen echten Mehrwert in der Informationsversorgung zu bieten. Auch ist die klassische „PR-Tonalität“ nicht für das Medium Facebook geeignet. Letztendlich ist Facebook immer noch ein privates soziales Netzwerk und sollte auch ein solches verstanden werden. Nach wie vor werden Arbeitgeberpräsenzen in Facebook von den Nutzern kritisch beäugt und als weiterer Marketing-Kanal empfunden. Ein Unternehmen ist nur dann auf Facebook erfolgreich, wenn es sich dem Medium entsprechend anpasst und die Zielgruppe ernst nimmt und wertschätzt.

Auch geht es darum, sich authentisch zu präsentieren. Das heißt: eher nicht Hochglanz, sondern einfach mal ein paar Schnappschüsse. Und das heißt auch nicht mit „Stock-im-Arsch-Mentalität“, sondern locker und ungezwungen (Achtung, das kann man nicht erzwingen, wenn man den Umgangston nicht trifft, sollte man m. E. die Finger davon lassen). Und das heißt auch nicht immer nur karrierethemenbezogen, sondern auch mal „Triviales“, mit dem man Emotionen wecken und die Community begeistern kann. Ein sehr schönes Beispiel ist da in meinen Augen immer wieder die Karriereseite der DFS.

Welche Branchen sollten mit einer Karriereseite auf Facebook vertreten sein?

Henner Knabenreich: Hm, das ist wirklich eine sehr gute Frage. Letztendlich steht und fällt der Erfolg einer Facebook Karriereseite mit den Machern, mit der oder den Personen, die da hinter stehen. Wenn die mit Herzblut und Leidenschaft agieren und auf die Community eingehen, klappt es meines Erachtens in fast jeder Branche. Frage ist ja letztendlich auch, was will ich mit meiner Facebookseite eigentlich erreichen. Oftmals wird Facebook als weiterer Recruitingkanal missverstanden. In erster Linie ist Facebook aber eher ein Kanal, um potenzielle Kandidaten auf sich aufmerksam zu machen und an sich zu binden. Mit nachhaltigem und ernst gemeintem Engagement kann am Ende natürlich durchaus die Bewerbung stehen. Also, wenn ich eine Facebookseite einrichte mit dem Ziel, Ärzte zu rekrutieren, so wird das wahrscheinlich scheitern. Wenn ich aber Facebook dazu nutze, mich als Arbeitgeber erlebbar zu machen und interessante Einblicke vermitteln kann und das darüber hinaus in einer Ansprache, die die Zielgruppe trifft, so ist das Medium für nahezu jede Branche geeignet. Vorausgesetzt, die Unternehmenskultur stimmt und man ist offen für den Einsatz des Social Web. Wenn die private Nutzung von Facebook per se im Unternehmen verboten ist, sehe ich den Einsatz von sozialen Plattformen eher kritisch und vor allem nicht glaubwürdig.

Meines Erachtens sollten die Branchen, die ohnehin im Fokus der öffentlichen Kritik stehen, die Finger von so einem Facebook-Auftritt lassen. Es sei denn, da sind wirklich empathische Kommunikationsprofis im Einsatz. Also Rüstungskonzerne, Energiekonzerne mit Fokus auf Atomenergie und Unternehmen, die momentan durch öffentliche Skandale gebeutelt sind, sollten die Finger davon lassen. Sie dürften es sehr schwer  haben und Kritikern eine willkommen Plattform für Ihre Argumente bieten.

Was sollten Bewerber beachten, wenn sie via Facebook auf eine Stellenausschreibung aufmerksam werden?

Henner Knabenreich: Was Bewerber oder solche, die es werden wollen, generell beachten sollten, sind die Privatsphäre-Einstellungen des Profils. Immer wieder in Umfragen zur Nutzung von Arbeitgeberpräsenzen auf Facebook die Befürchtung geäußert, der böse Personaler könnte das Profil ausspähen. Ja, das ist richtig. Wenn  er die Zeit dazu aufbringen möchte, kann er das sehr wohl. Aber auch nur dann, wenn ich mein Profil entsprechend freigegeben habe. Wenn ich mich aber komplett vor fremden Zugriffen abschotte, was man in jedem Falle tun sollte, kann gar nichts passieren. Das einzige, was man dann sehen kann, ist das Profilbild. Und das sollte m. E. ohnehin so ausfallen, dass man sich eben nicht halbnackt im Bikini oder in der Badehose ablichtet oder mit einer Pulle Wodka in der Hand. So. Und abgesehen davon, wenn wir also diese Regeln beachtet haben, so sollte ich als Bewerber einfach die Gelegenheit nutzen und über die Facebookseite Fragen stellen. Das kann ich entweder auf der Pinnwand direkt oder aber in dem ich der Seite eine Nachricht zukommen lasse. Bei Variante 1 kann jeder mitlesen, auch der, der gar nicht bei Facebook angemeldet ist, das sollte man sich auch mal vor Augen halten. Grundsätzlich gilt dann, was auch für die Bewerbung selbst gilt: auf die Rechtschreibung achten. Und das schließt auch das Verwenden von Kleinschreibung und Abkürzungen ein. Also, Gelegenheit nutzen, Interesse bekunden, Fragen stellen, bewerben und sich dabei auf Facebook beziehen. Das freut das Personalerherz, wenn es sieht, dass sich auch Leute über Facebook bewerben.

Linktipps:

Social Recruiting Teil 1: Die passenden Bewerber im Netz finden
Personalmarketing 2.0 – Blog von Henner Knabenreich
Arbeitgeberprofil der Deutschen Flugsicherung bei kununu
Arbeitgeberprofil der Deutschen Telekom bei kununu
Arbeitgeberprofil von Ernst & Young Österreich bei kununu
Arbeitgeberprofil von Bayer bei kununu

Lesetipp:

Erfolgreiche Personalsuche im Social Web