Streit um Urlaub
Ab 2031 neue Sommerferien? Bayern und BW unter Druck
Der Streit um die deutschen Sommerferien-Termine spitzt sich zu. Bis zum Frühjahr 2027 müssen sich die 16 Bundesländer über eine neue Ferienordnung ab 2031 einigen, die derzeitige langfristige Regelung der Kultusministerkonferenz läuft aus. In der Bildungsministerkonferenz stehen sich zwei kaum vereinbare Positionen gegenüber. Auf der einen Seite: 14 Länder, die ihre Sonderrolle beenden wollen. Auf der anderen: Bayern und Baden-Württemberg, die genau daran festhalten.
Zwei Länder tanzen beim Ferienstart aus der Reihe
Eigentlich ist der deutsche Ferienkalender ein ausgeklügeltes Rotationssystem. Die meisten Bundesländer wechseln sich mit frühen und späten Sommerferien ab. Dadurch sollen sich Reisende besser verteilen, Straßen und Flughäfen entlastet und Ferienunterkünfte nicht überall gleichzeitig ausgebucht werden. Nur Bayern und Baden-Württemberg rotieren nicht mit: Dort beginnen die Sommerferien fast immer Ende Juli oder Anfang August und reichen bis in den September.
Die Sonderstellung hat historische Wurzeln. Früher wurde argumentiert, Schülerinnen und Schüler würden in den landwirtschaftlich geprägten südlichen Ländern bei der Ernte gebraucht. Heute spielt dieses Argument praktisch keine Rolle mehr. Stattdessen verweisen Bayern und Baden-Württemberg auf ihre langen Pfingstferien: Nach dieser Pause müsse noch ausreichend Zeit für Unterricht, Klassenarbeiten und Prüfungen bleiben. Würden die Sommerferien bereits im Juni beginnen, wäre dieser letzte Lernabschnitt ausgesprochen kurz.
Rechtliche Grundlage ist bis heute das Hamburger Abkommen aus dem Jahr 1964. Es legt fest, dass alle Bundesländer 75 Werktage Schulferien pro Jahr haben – der frühestmögliche Beginn der Sommerferien hängt vom jeweiligen Jahreskalender mit Ostern und Pfingsten ab.
Warum jetzt Druck auf Bayern und BW wächst
Die aktuelle Ferienordnung der KMK läuft nur noch bis einschließlich 2030. Für die Zeit ab 2031 verhandeln die Länder gerade und diesmal wollen 14 von 16 die Sonderrolle des Südens nicht mehr hinnehmen. Bis zum Frühjahr 2027 muss eine Einigung stehen.
Der Druck kommt vor allem aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland. Nordrhein-Westfalens Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU) hat die Debatte angestoßen und fordert, dass alle 16 Länder rotieren. Es sei wichtig, „dass gerade zwischen Ostern und Sommer ausreichend Zeit für Prüfungen und Korrekturen zur Verfügung steht und nicht durch einen zu frühen Ferientermin unnötiger Zeitdruck aufkommt“. Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) geht noch weiter: Sie setzt sich für einen Ferienbeginn „möglichst nicht vor dem 1. Juli“ ein. Unterstützung für die Kritik kommt auch aus Thüringen und Rheinland-Pfalz.
Auch Elternvertreter in NRW erhöhen den Druck: „Wir erwarten, dass wir auch mal später dran sind.“

Was der Streit für Familien und Reisende heißt
Der Ferienrhythmus ist längst auch ein Wirtschaftsfaktor. Veranstalter und Airlines preisen die Ferienfenster präzise ein, wer also in der Hauptreisezeit unterwegs ist, zahlt deutlich mehr.
Besonders teuer wird es in Wochen, in denen viele Länder gleichzeitig Ferien haben: 2026 haben zum Beispiel vom 3. bis 7. August alle 16 Bundesländer parallel Ferien. Für Beschäftigte mit Schulkindern bedeutet das: Wer aus einem Land mit frühem Ferienbeginn kommt, ist auf die absolute Hauptreisezeit festgelegt. Wer aus dem Süden kommt, kann in der ruhigeren September-Phase reisen, ab dem 2. September sind nur noch Bayern und Baden-Württemberg in den Ferien.
Bayern und Baden-Württemberg blocken ab
Im Süden kommt der Vorstoß trotzdem überhaupt nicht gut an. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder verteidigte den bisherigen Ferienrhythmus besonders deutlich. Auch das bayerische Kultusministerium hält die bestehende Regelung für bewährt. In Baden-Württemberg sprachen sich ebenfalls führende Politiker gegen eine Verschiebung aus. Cem Özdemir und Manuel Hagel erklärten, der späte Ferienbeginn habe sich bewährt und solle beibehalten werden.
Tatsächlich bringt der späte Start nicht nur Vorteile.
- Schülerinnen und Schüler im Süden sitzen oft während der heißesten Wochen des Jahres noch im Klassenzimmer und müssen teilweise bei hochsommerlichen Temperaturen Prüfungen schreiben.
- Außerdem fällt ein großer Teil der Ferien weiterhin in den teuren Reisemonat August.
Aus Sicht der beiden Länder ist der späte Termin daher kein exklusives Urlaubsprivileg, sondern Bestandteil eines gesamten Ferienrhythmus mit einer längeren Pause rund um Pfingsten.
Kommt jetzt wirklich die große Ferien-Revolution?
Kurzfristig müssen Familien keine überraschende Verschiebung fürchten. Die Sommerferientermine sind durch die Kultusministerkonferenz bis einschließlich 2030 festgelegt. Für die Zeit ab 2031 laufen die Verhandlungen jetzt, bis zum Frühjahr 2027 sollen sich die Länder einigen. Auf der offiziellen KMK-Seite ist bislang weiterhin nur die langfristige Regelung bis 2030 veröffentlicht.
Politisch bleibt die Hürde hoch: Eine neue Ferienordnung müsste von den Ländern gemeinsam getragen werden. Solange Bayern und Baden-Württemberg ihre Sonderstellung mit aller Macht verteidigen, ist eine vollständige Rotation eher unwahrscheinlich. Die Debatte dürfte trotzdem wiederkommen – spätestens dann, wenn die nächsten langfristigen Ferientermine ausgehandelt werden. Aus dem alten Nord-Süd-Streit könnte dann erneut eine der emotionalsten Fragen der deutschen Bildungspolitik werden: Wer darf seinen Sommer eigentlich bis in den September verlängern?