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Diese gut bezahlten Berufe machen dich unglücklich

Hohes Gehalt macht nicht automatisch glücklich! Eine Analyse zeigt, dass gerade in gut bezahlten Jobs oft Unzufriedenheit herrscht. Pilot:innen, BTA's und Baustoffverkäufer:innen führen die Liste an, wo die Schere zwischen Gehalt und Zufriedenheit am größten ist. Faktoren wie hoher Druck, geringe Wertschätzung oder mangelnde Entwicklungsmöglichkeiten spielen eine Rolle. Auch lange Ausbildungswege, die sich finanziell nicht auszahlen, trüben die Stimmung. Wichtig: Nicht nur aufs Gehalt schauen, sondern auch auf die Rahmenbedingungen und ob der Job im Allgemeinen zufriedenstellt.

In unserem kununu Gehaltscheck 2026 haben wir dir unter anderem bereits die Berufe, Regionen und Branchen mit dem höchsten Gehalt vorgestellt. Und ja: Ein hohes Gehalt gilt oft als Maßstab für beruflichen Erfolg und sollte auch zufrieden machen, oder etwa nicht?

Die Daten zeigen ein anderes Bild: Insbesondere in sehr gut bezahlten Berufen ist die Gehaltszufriedenheit häufig überraschend niedrig. Setzt man das Durchschnittsgehalt ins Verhältnis zur Zufriedenheit, wird deutlich, wo Geld allein nicht glücklich macht. In diesem Artikel stellen wir dir gut bezahlte Berufe vor, bei denen die Schere zwischen Gehalt und Zufriedenheit am größten ist.

Die Lücke zwischen Gehalt und Gehaltszufriedenheit – hier ist sie am größten

Für diesen Artikel haben wir das Durchschnittsgehalt mit der Gehaltszufriedenheit ins Verhältnis gesetzt. Damit sind nicht automatisch die obersten Plätze am zufriedensten unter den „Unzufriedenen“, aber sie erhalten relativ zu ihrer Zufriedenheit das höchste Gehalt. Wir erklären dir, welche Faktoren die Platzierungen der einzelnen Berufe beeinflussen.

Berufe mit der größten Lücke zwischen Gehalt und Zufriedenheit

JobDurchschnittsgehaltGehaltszufriedenheit
Pilot:in93.056 €39,1%
Biologisch-technische:r Assistent:in (BTA)39.736 €19,8%
Baustoffverkäufer:in40.566 €20,7%
Physiker:in66.701 €34,3%
Kamerafrau / Kameramann43.580 €22,6%
Lacklaborant:in49.307 €27,3%
Chemie-Assistent:in44.514 €28,1%
Visual Merchandiser38.245 €24,2%
Journalist:in52.408 €33,3%
SAP FI/CO Berater:in70.756 €45,1%
Professor:in88.146 €56,3%
Ärztin / Arzt87.882 €58,1%
Kapitän:in57.375 €38,1%
Fernseh-Journalist:in48.895 €32,8%
Gestalter:in für visuelles Marketing32.146 €22,0%

Kriterien

Für unser Ranking haben wir das jeweilige Gehalt pro Prozentpunkt Gehaltszufriedenheit ausgerechnet und danach absteigend sortiert. In dieser Liste finden sich nur Jobs mit einer Gehaltszufriedenheit von weniger als 60 Prozent. Es wurden nur Jobs mit mindestens 100 Gehaltsangaben für das Ranking berücksichtigt.

Pilot:in – hohes Prestige, Verantwortung und permanenter Druck

Pilot:innen führen das Ranking klar an. Das durchschnittliche Gehalt ist hoch, die Zufriedenheit mit der Bezahlung dagegen vergleichsweise niedrig. Ein zentrales Muster ist das Missverhältnis zwischen Verantwortung und Einfluss. Pilot:innen tragen täglich enorme Verantwortung für Menschenleben, haben aber gleichzeitig wenig Gestaltungsspielraum im Arbeitsalltag. Arbeitszeiten, Einsatzpläne, Ruhezeiten und Strecken werden vorgegeben, nicht verhandelt.

Hinzu kommt der starke Vergleich mit früheren Generationen: Ältere Tarifverträge waren oft deutlich lukrativer. Wer heute einsteigt, misst sich nicht am Durchschnitt, sondern an einem historischen Ideal – und empfindet das aktuelle Gehalt trotz objektiver Höhe als unzureichend.

Biologisch-technische:r Assistent:in – hohe Qualifikation, geringe Wertschätzung

Biologisch-technische:r Assistent:in (BTA) sind ein klassisches Beispiel für Berufe mit einem hohen Ausbildungsgrad, aber enttäuschender finanzieller Anerkennung. Ausbildung und Spezialisierung sind anspruchsvoll, die Verantwortung im Laboralltag hoch – die Bezahlung bleibt dennoch vergleichsweise niedrig. Besonders frustrierend ist dabei der Vergleich mit ähnlich qualifizierten Tätigkeiten in Industrie oder IT-nahen Bereichen, die deutlich besser vergüten. Das Gefühl, fachlich viel zu leisten, aber finanziell nicht ernst genommen zu werden, drückt die Gehaltszufriedenheit massiv.

Baustoffverkäufer:in – Umsatzdruck ohne Status

Baustoffverkäufer:innen bewegen sich in einem Umfeld mit starkem Verkaufsdruck, anspruchsvollen Kund:innen und schwankender Marktlage. Zwar ist das Gehalt nicht schlecht, die Zufriedenheit bleibt jedoch gering. Der Grund liegt häufig in der Kombination aus Leistungsdruck, geringer gesellschaftlicher Anerkennung und begrenzten Entwicklungsmöglichkeiten. Wer viel Verantwortung für Umsätze trägt, sich aber kaum weiterentwickeln oder aufsteigen kann, empfindet das Gehalt schnell als unzureichend – selbst wenn es objektiv solide ist.

Physiker:in – hohe Expertise, begrenzte wirtschaftliche Rendite

Physiker:innen gehören zu den hochqualifiziertesten Berufsgruppen, doch nicht alle profitieren finanziell davon. Besonders außerhalb der Industrie – etwa in Forschung oder Wissenschaft – klafft eine Lücke zwischen Expertise und Einkommen. Viele vergleichen sich mit Ingenieur:innen oder IT-Fachkräften, die mit ähnlicher Ausbildung deutlich mehr verdienen. Dadurch wird selbst ein gutes Gehalt als „zu wenig“ wahrgenommen, wenn der Markt theoretisch mehr hergeben könnte.

Kameraleute – Leidenschaft für einen schlecht bezahlten Beruf?

In kreativen Medienberufen ist das Spannungsfeld besonders groß. Kameraleute arbeiten oft projektbasiert, mit unregelmäßigen Arbeitszeiten, hoher physischer Belastung und unsicheren Einkommen. Die starke Identifikation und die Leidenschaft für den Beruf verstärken die Enttäuschung, wenn Bezahlung und Anerkennung nicht mithalten. Auch andere Medienberufe im Ranking zeigen ähnliche Phänomene: Eine hohe emotionale Bindung zur Tätigkeit und eine daraus resultierende große Unzufriedenheit.

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Hohes Einkommen, niedrige Gehaltszufriedenheit – gibt es ein Muster?

Bei vielen der Berufe in unserem Ranking, die also ein hohes Einkommen mit gleichzeitig niedriger Gehaltszufriedenheit haben, lassen sich gemeinsame Muster erkennen. Zum einen ein strukturelles Ungleichgewicht: Die Verantwortung und die daraus resultierende Belastung sind sehr hoch, der individuelle Einfluss, den Mitarbeitende auf ihre Arbeitsbedingungen und Vergütung haben, ist dagegen begrenzt. Pilot:innen, Ärzt:innen oder Professor:innen tragen täglich weitreichende Verantwortung, arbeiten in stark hierarchischen Systemen und haben oft wenig Gestaltungsspielraum. Zeitdruck, Verantwortung, Schichtarbeit oder gesundheitliche Belastungen werden nicht immer durch das Einkommen kompensiert. Das ständige Gefühl, „viel zu geben, aber wenig gestalten zu können“, ist der größte Faktor für Frust im Job.

Lange Ausbildung, enttäuschendes Gehalt

Ein weiteres Muster erkennen wir im Zusammenhang mit akademischen und hoch qualifizierten Berufen. Lange Ausbildungswege, hohe Spezialisierung und große fachliche Kompetenz schlagen sich nicht immer proportional im Gehalt nieder. Besonders in wissenschaftlichen, naturwissenschaftlichen oder gestalterischen Berufen entsteht so eine Diskrepanz zwischen investierter Lebenszeit und finanzieller Anerkennung. Und auch wenn das Einkommen objektiv gesehen nicht niedrig ist, führt diese Diskrepanz zu großer Enttäuschung.

Die „Flop 3“: Besseres Verhältnis von Gehalt zu Gehaltszufriedenheit?

Echte „Gewinner“ oder „Verlierer“ gibt es in diesem Ranking nicht. Vielmehr kannst du die unteren Plätze so verstehen, dass hier das subjektive Verhältnis zwischen Gehalt und Zufriedenheit eher.

Kapitän:in – wenig Sozialleben und wenig Gehalt?

Im Vergleich zu Pilot:innen sind Kapitän:innen ähnlich zufrieden mit ihrem Gehalt, auch wenn das Gehaltsniveau deutlich niedriger ist. Auch hier wirken sich die hohe Verantwortung, ein stressiger Alltag und ein eingeschränktes Sozialleben negativ aus. Besonders im Kreuzfahrtbereich ist der Preiskampf groß und der Vergleich mit anderen Reedereien permanent.

Fernseh-Journalist:in – Leidenschat allein reicht nicht

Journalist:innen im TV-Bereich verdienen nicht schlecht, sind aber stark intrinsisch motiviert. Sinn, Einfluss auf öffentliche Meinungsbildung und gesellschaftliche Relevanz spielen eine größere Rolle als das Gehalt allein. Der Druck, in kurzer Zeit die beste Story zu liefern und neben anderen Medienvertreter:innen herauszustechen, drückt die Gehaltszufriedenheit. Auch hier gilt: Wer weiß, warum er oder sie den Job macht, bewertet die Bezahlung etwas milder.

Gestalter:in für visuelles Marketing – die unterbezahlten Marketingprofis?

Gestalter:innen für visuelles Marketing tragen viel Verantwortung für Markenwirkung und Verkaufserfolg, fühlen sich finanziell jedoch häufig unterbewertet. Die Einstiegsgehälter liegen oft deutlich unter denen vergleichbarer Marketingberufe, obwohl Kreativität, Fachwissen und zunehmend auch digitale Kompetenzen gefragt sind. Hinzu kommt, dass viele Positionen nicht tarifgebunden sind und Gehaltssteigerungen nur begrenzt möglich sind. Insbesondere in Agenturen ist das Gehaltsniveau schlecht. Der Vergleich mit besser bezahlten Marketing- und Managementrollen verstärkt dieses Ungleichgewicht – und erklärt, warum viele langfristig eine Selbstständigkeit anstreben, statt in der Anstellung zu bleiben.

Fazit: Geld zählt – aber nie allein

Die Daten zeigen deutlich: Gehalt ist ein wichtiger Faktor, aber kein Garant für Zufriedenheit. Unzufriedenheit entsteht dort, wo Verantwortung, Qualifikation oder Einsatz nicht im Verhältnis zu Einfluss, Anerkennung oder Vergleich stehen.
 Bei deinen Karriereentscheidungen solltest du daher nicht nur auf das Bruttogehalt schauen, sondern darauf, was dir der Job im Allgemeinen zurückgibt – und das kann mehr sein, als bloß ein Gehalt.

Finde die beste Branche mit dem lukrativsten Gehalt für dich, im kununu Gehaltscheck 2026.