Vor HQ2-Entscheidung: So arbeitet es sich bei Amazon in den USA

Boston/Wien, 13. August 2018 – Amazon gehört zu den größten Erfolgsgeschichten des Internet-Zeitalters. Der Online-Handelsriese könnte heuer – als zweites Unternehmen nach Apple – einen Firmenwert von einer Billion Dollar erreichen. Aktuell sucht Amazon nach einem Standort für sein zweites US-Hauptquartier („HQ2“) neben Seattle. Für die dortigen Arbeitsbedingungen wurde das Unternehmen von Jeff Bezos häufig kritisiert. Doch die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigt – wie US-Daten der Arbeitgeber-Bewertungsplattform kununu.com zeigen.

 

Das von Amazon geplante zweite Hauptquartier wäre für viele Städte und Gemeinden der Jackpot. Das Projekt verspricht 50.000 neue Arbeitsplätze und geplante Investitionen von 5 Milliarden US-Dollar. 238 Städte in den USA, Kanada und Mexiko haben sich als Standort beworben, 20 davon sind noch in der engeren Auswahl. Darunter finden sich klingende Namen wie Boston, Chicago, Dallas, Los Angeles, Miami, New York oder Washington DC. Aber auch hierzulande weniger bekannte Städte wie Atlanta, Columbus oder Raleigh haben es in die finale Auswahl geschafft. Die Entscheidung ist noch für dieses Jahr geplant.

Doch die Städte wissen: Mit Amazon würde auch ein Arbeitgeber kommen, dessen Unternehmenskultur in der Vergangenheit des Öfteren heftig kritisiert wurde. Ein Bericht der New York Times zeichnete einst ein brutales Bild der Arbeitsbelastung bei Amazon. Mitarbeiter hätten mit katastrophalen Arbeitsbedingungen und extremem Zeitdruck zu kämpfen.  Ein früherer Mitarbeiter wurde mit den Worten zitiert: „Ich habe fast jede Person, mit der ich gearbeitet habe, an seinem Arbeitsplatz weinen sehen.“ Der Artikel zählt bis heute zu den meistgelesenen Geschichten der renommierten Zeitung.

Mitarbeiterzufriedenheit steigt

Was ein möglicher HQ2-Zuschlag für die Städte und neuen Mitarbeiter bedeuten würde, lässt sich an den kununu-Daten zu Amazon in Seattle ablesen. Die Arbeitgeber-Bewertungsplattform hat dazu über 1.000 Datensätze der letzten 24 Monate analysiert. Das Fazit: Die Mitarbeiterzufriedenheit bei Amazon steigt.

„Amazon hatte lange Zeit den Ruf eines schlechten Arbeitgebers. Sieht man sich die neueren Bewertungen an, scheint es, als hätten sich die Arbeitsbedingungen bei Amazon positiv verändert. Die Kommentare zeigen, dass der Konzern Verantwortung übernommen hat und eine Reihe an internen Problemen gelöst hat“, so Johannes Prüller, Director Global Communications bei kununu.

Dieses Umdenken drückt sich auch im kununu Score aus: In den vergangenen zwölf Monaten wurde Amazon von Mitarbeitern mit 3,59 von 5 möglichen Punkten bewertet. Damit liegt der Wert zwar nur marginal über jenem, den US-amerikanische Unternehmen im gleichen Zeitraum durchschnittlich erhielten (3,54). Aber: Im zweiten Quartal lag der Score von Amazon sogar bei 3,87 Punkten, während er im gleichen Zeitraum des Vorjahres lediglich bei 3,04 Punkten lag – ein Anstieg von 27,3 Prozent.

Von den 18 Kategorien, die kununu zur Mitarbeiterzufriedenheit abfragt, erzielt Amazon in dreizehn Kategorien überdurchschnittliche Ergebnisse. Das Unternehmen erreichte unter anderem hohe Werte in den Kategorien Gleichberechtigung, Vielfalt, Image und Sozialbewusstsein. Aber auch die Bewertungen der Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten, Gehalt und Sozialleistungen sowie zur Unternehmenskultur liegen über dem US-Durchschnitt.

PlatzKategorieAmazonUS-Durchschnitt
1Gleichberechtigung3,993,90
2Vielfalt3,963,71
3Sicherheit3,893,88
4Image3,763,63
5Erreichbarkeit3,683,85
6Umwelt-/Sozialbewusstsein3,683,49
7Umgang mit älteren Kollegen3,673,77
8Eigenverantwortliches Arbeiten3,663,62
9Kollegenzusammenhalt3,643,56
10Unternehmenskultur3,643,54
11Interessante Aufgaben3,563,60
12Arbeitsbedingungen3,493,56
13Karriere/Weiterbildung3,463,26
14Gehalt/Sozialleistungen3,443,31
15Arbeitsplatzsicherheit3,423,48
16Work-Life-Balance3,413,41
17Vorgesetztenverhalten3,353,27
18Kommunikation3,343,22

Quelle: https://www.kununu.us; Skala: 1 (sehr schlecht) – 5 (sehr gut); Stand: 15.5.2018.

72 Prozent Weiterempfehlungsrate

Von den 1.045 Bewertungen, die innerhalb der letzten beiden Jahre abgegeben worden sind, gaben 58 Prozent der Mitarbeiter an, dass sie das Unternehmen an Freunde weiterempfehlen würden. In den vergangenen zwölf Monaten stieg diese Zahl auf 66 Prozent an, während der letzten sechs Monate sogar auf 72 Prozent. Ein Amazon-Mitarbeiter gab dazu folgendes Statement ab: „Ich bin hier glücklich und möchte andere dazu bewegen, mitzumachen“. Das überrascht umso mehr, denn Amazon wurde bis dato immer für seine Strategie zur Leistungsoptimierung getadelt, die auf Kosten der Mitarbeiter gehen würde. Gleichzeitig berichten viele der Mitarbeiter in ihren Bewertungen, dass sie den Nervenkitzel ihres anspruchsvollen Arbeitsplatzes gerade deshalb schätzen, weil er sie zu herausragenden Leistungen anspornt.

„Amazon hat sich zum Ziel gesetzt, das kundenzentrierteste Unternehmen der Welt zu sein. Was manche als forderndes Arbeitsumfeld bezeichnen, ist die unverwechselbare Herangehensweise von Jeff Bezos und Amazon-Führungskräften, sich auf klare Zielvorgaben zu konzentrieren und ihre Manager beim Erreichen dieser zu unterstützen. Bemerkenswert ist, dass die absolute Kundenorientierung auf allen Ebenen des Unternehmens zu sehen ist“, so Johannes Prüller. Ein Mitarbeiter berichtet in dem Zusammenhang folgendes: „Unsere Kultur ist durch Kundenorientierung geprägt – deshalb sollte man bereit sein, sämtliche Fristen unter allen Umständen einzuhalten.“ Dies wird auch durch eine andere Bewertung bestätigt: „Die Kunden und deren Zufriedenheit sind unser oberstes Ziel.“

Starke Feedback-Kultur

Amazon stellt aber nicht nur hohe Ansprüche an seine Mitarbeiter, sondern vor allem auch an die Führungskräfte. Das Unternehmen betont auf seiner Website, dass Vorgesetzte ihre Coaching-Rolle ernst nehmen und immer ansprechbar sind. Das bestätigt ein Mitarbeiter, der von seinem Chef gefordert habe, dass „Veränderungen im Arbeitsumfeld passieren müssen und diese in der darauffolgenden Woche sofort umgesetzt worden sind.“

 Ein anderer denkt, dass die „Unterstützung der Führungskräfte weit über den Verhältnissen in anderen Unternehmen liegen.“ Diese Einschätzung deckt sich mit jener eines anderen Mitarbeiters: „Die Führungskräfte sind vor allem darauf bedacht, dir zur bestmöglichen Performance zu verhelfen. Falls man nicht alle Ansprüche sofort erfüllen kann, wird so lange gemeinsam daran gearbeitet, bis man dort ist, wo man sein sollte.“

Die Mitarbeiter betonen außerdem, dass Amazon sehr gute Karrieremöglichkeiten bietet – unabhängig von Ausbildung oder Werdegang. Ein User berichtet, dass Amazon ein Ort sei, „an dem man auch nur mit einem gewöhnlichen Schulabschluss sofort erfolgreich sein kann.“ Ein anderer Mitarbeiter erzählt, er sei „dort sehr schnell aufgestiegen. Wenn das Management sieht, dass man hart arbeitet, wird man auch belohnt.“ Ein anderer User fasst es wie folgt zusammen: „Harte Arbeit ist das, was dich weiterbringt.“

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