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Drei Geschäftsfrauen arbeiten gemeinsam in einem modernen Büro am Fenster.

Branchen, Berufserfahrung, Voll- und Teilzeit: Die Entwicklung des Gender Pay Gap in Österreich von 2022 bis heute

Gleiche Arbeit, geringerer Lohn – der „Equal Pay Day“ ruft in Erinnerung, dass Frauen in Österreich nach wie vor deutlich weniger verdienen als Männer. Bis zu diesem Stichtag, der heuer auf den 11. Februar fällt, arbeiten Frauen rein rechnerisch ohne Entgelt. Wie sich der sogenannte „Gender Pay Gap“ in den letzten Jahren entwickelt hat, wie sich Berufserfahrung auf ihn auswirkt und in welchen Branchen er besonders hoch beziehungsweise niedrig ausfällt, zeigt eine aktuelle Datenanalyse der Arbeitgeber-Vergleichsplattform kununu.   

Wien, am 9. Februar 2026. Das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung gibt den Gender Pay Gap in Österreich mit 18,3 Prozent an [1]. Das Frauennetzwerk „Business and Professional Women Austria“ beziffert ihn hingegen mit 11,5 Prozent [2], wodurch der erste Equal Pay Day des Jahres [3] – den das BPW Austria traditionell bekanntgibt – auf den 11. Februar fällt [4]. Die Daten für beide dieser Pay-Gap-Berechnungen stammen aus den Jahren 2023 beziehungsweise 2024.

„Auch für kununu ist die geschlechtsbedingte Gehaltskluft in Österreich ein großes und wichtiges Thema. Wir haben dabei den Vorteil, auf topaktuelle Daten zugreifen zu können. Dass im Schnitt mehr als 20.000 Gehaltsangaben pro Woche anonym auf kununu.com abgegeben werden, versetzt uns in die Lage, den Gender Pay Gap nahezu in Echtzeit abbilden und beziffern zu können“, erklärt Nina Zimmermann, CEO von kununu.

Vollzeit vs. Teilzeit und Branchen-Vergleich  

Die gute Nachricht zuerst: Der Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern in Österreich war 2025 niedriger als in jedem der drei Jahre zuvor. Die schlechte Nachricht: Er betrug immer noch 17,12 Prozent. In dieser Berechnung, für die 389.536 Gehaltsangaben auf kununu.com ausgewertet wurden, sind Vollzeit- als auch Teilzeitjobs erfasst. In letzteren fällt die Differenz übrigens deutlich geringer aus – im Zeitraum von 2022 bis 2025 betrug sie 5,49 Prozent. „Das ist allerdings kein Hinweis auf mehr Lohngleichheit in der Teilzeitarbeit, sondern spiegelt vor allem die starke Konzentration von Frauen in insgesamt niedriger entlohnten Arbeitszeitmodellen wider“, so Nina Zimmermann. Zieht man ausschließlich Vollzeitjobs in Betracht, verdienten Frauen laut kununu-Daten zwischen 2022 und 2025 um 16,78 Prozent weniger als ihre männlichen Pendants.

In der gemeinsamen Auswertung von Vollzeit- und Teilzeitjoblöhnen über die letzten vier Jahre erweist sich die Gehaltsschere in der Telekommunikationsbranche (22,29 Prozent) als besonders groß. Auch in den Bereichen Banken (18,96 Prozent), Versicherungen (18,84 Prozent) und Finanzen (18,48 Prozent) liegt der Gender Pay Gap nicht nur über dem Durchschnittswert von 2025 (den oben genannten 17,12 Prozent), sondern auch jenem der letzten vier Jahre (17,94 Prozent). Am besten, sprich mit der geringsten Differenz, schneiden die Branchen Druck/Verpackung (8,60 Prozent), Marketing/Werbung/PR (7,08 Prozent) und Tourismus (4,61 Prozent) ab.

Mit der Berufserfahrung wächst auch die Gehaltskluft

Der Tourismus genießt laut kununu-Auswertung zudem eine weitere Sonderstellung. Es ist der einzige Bereich, in dem Frauen beim Berufseinstieg – konkret mit einer Berufserfahrung von null bis drei Jahren – mehr verdienen als Männer und zwar um 1,10 Prozent. Mit steigender Berufserfahrung kehrt sich dieser Effekt allerdings um. Die Gehälter von Männern, die bereits sechs bis zehn Jahren in der Branche arbeiten, sind durchschnittlich um 1,85 Prozent höher als jene von Frauen mit derselben Dienstzeit. 

Generell zeigt sich, dass mit der Berufserfahrung auch die Gehaltskluft wächst. Am deutlichsten ist das im Versicherungswesen zu bemerken – mit null bis drei Jahren Berufserfahrung verdienen Frauen „nur“ um 5,24 Prozent weniger als Männer. Mit sechs bis zehn Jahren Berufserfahrung sind es bereits 21,35 Prozent. Der Gender Pay Gap nimmt also um 16,11 Prozent zu. Ähnlich sieht es in den Branchen Textil (plus 12,82 Prozent), Recht (plus 12,16 Prozent) Steuerberatung/Wirtschaftsprüfung (plus 12,22 Prozent), Sport/Beauty (plus 11,09 Prozent) und Banken (plus 10,14 Prozent) aus.

Die Branchen, in denen der Gender Pay Gap mit steigender Berufserfahrung schrumpft, lassen sich an einer Hand abzählen: Druck/Verpackung (minus 3,95 Prozent), Handwerk (minus 1,58 Prozent), Maschinenbau (minus 1,40 Prozent), Finanz (minus 1,03 Prozent), Energie (minus 0,53 Prozent) sowie Personalwesen und -beschaffung (minus 0,21 Prozent). „Hier sehen wir leider keinen allgemeinen Trend, sondern das Ergebnis branchenspezifischer Strukturen wie transparenter Entlohnungssysteme, klarer Qualifikationsstufen und einer starken Kopplung von Gehalt an Erfahrung“, ordnet Nina Zimmermann die Zahlen ein.

Generell spiele in der Relation zwischen Berufserfahrung und Gehalt nach wie vor das Thema Familienplanung eine gewichtige Rolle. „Kinderbetreuung und Obsorge werden weiterhin zum größten Teil von Frauen getragen. Das bedeutet oft Lücken in der beruflichen Laufbahn und den längerfristigen Verzicht auf eine Vollzeitstelle. Dadurch wächst der Gender Pay mit fortschreitender Karriere tendenziell an“, so Zimmermann. Fakt bleibe in jedem Fall, dass der Gender Pay Gap in Österreich ausgesprochen hoch und der Weg zur Lohngerechtigkeit der Geschlechter noch ein weiter sei. „Bis es soweit ist, brauchen wir Mahnmale wie den Equal Pay Day, der uns als Gesellschaft dringenden Handlungsbedarf in Erinnerung ruft.“

Über kununu: 

kununu ist die führende Arbeitgeber-Vergleichsplattform im deutschsprachigen Raum. Bislang haben Mitarbeiter:innen und Jobsuchende auf kununu.com mehr als 15 Millionen Workplace Insights in Form von Arbeitgeber-Bewertungen, Gehaltsangaben und Einschätzungen der Unternehmenskultur hinterlassen. Jobinteressierte finden auf der Plattform daher authentische, detaillierte und ungefilterte Einblicke in die Arbeitswelt. Arbeitgeber können sich auf kununu authentisch und transparent präsentieren, um genau die Talente anzusprechen, die am besten zu ihnen passen. Über 360 Mitarbeiter:innen arbeiten in Wien, Hamburg, Porto und München daran, gemeinsam mit Arbeitnehmer:innen und Arbeitgebern eine bessere Arbeitswelt für alle zu erschaffen.  

www.kununu.com 

[1] Einkommen und der Gender Pay Gap – Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung; die Auswertung stammt von „Eurostat“ und basiert auf Brutto-Stundenlöhnen: Einkommen – STATISTIK AUSTRIA – Die Informationsmanager

[2] FAQ – Equal Pay Day, die Berechnung basiert auf den „Median-Bruttojahreseinkommen der ganzjährig Vollzeitbeschäftigten ohne Lehrlinge gemäß Statistik Austria Lohnsteuerdaten § 25 Einkommenssteuergesetz“.

[3] Der zweite erfolgt am Jahresende.

[4] 11,5 Prozent von 365 (Tage des Jahres) sind 41,9. Der 42. Tag im Jahr ist der 11. Februar.