Giftige Chefs kosten Geld

Gemeinsames Forschungsprojekt von drei Universitäten zeigt: toxische Führung in deutschen Unternehmen belastet gleichermaßen Arbeitsklima und Performance.

 

Wien, 22. September 2020. In 85% der Unternehmen kommt toxisches Führungsverhalten („Abusive Supervision“) vor, 21% der Unternehmen verfügen sogar über ein ausgesprochen toxisches Führungsklima. Das sind Ergebnisse eines gemeinsamen Forschungsprojekts der Universität Bielefeld, der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin sowie der Universität Trier auf Basis von Daten der Arbeitgeber-Bewertungsplattform kununu. Das destruktive Verhalten der Führungskräfte hat Folgen und belastet sowohl das Arbeitsklima als auch die Unternehmensperformance.

 

Analyse von über 37.000 Bewertungen
Chefinnen und Chefs, die ihre Leute öffentlich anschreien, durch Bemerkungen kränken oder ignorieren, richten einen großen Schaden an. Denn ein solches toxisches Führungsverhalten („Abusive Supervision“) führt bei Beschäftigten zu Unzufriedenheit, Stress, verminderter Arbeitsleistung und geringer Bindung ans Unternehmen. Diese Zusammenhänge hat aktuell ein Forschungsteam aus drei Universitäten anhand von kununu Daten näher beleuchtet. Für die Studie wurden 37.308 quantitative Bewertungen und 3.725 Textkommentare ausgewertet, die Mitarbeiter von 148 Unternehmen auf der Arbeitgeber-Bewertungsplattform abgegeben haben. Kommentare wie „Der direkte Vorgesetzte versucht dem Mitarbeiter das Gefühl zu geben, dass er nichts kann“ kommen relativ oft vor. In nur 18 der untersuchten Unternehmen gab es keine Hinweise auf toxisches Verhalten von Führungskräften.

 

Schaden für Arbeitsklima und Performance
Toxische Führung verschlechtert das Klima nachweislich. Unternehmen mit toxischem Führungsverhalten werden als Arbeitgeber negativer bewertet. Wo das toxische Verhalten häufiger vorkommt, wirkt sich das auf die Gesamtbewertung aus: untersuchte Unternehmen mit häufigem toxischem Führungsverhalten wurden mit einem Durschnitt von 3,3 statistisch signifikant schlechter bewertet als Arbeitgeber, bei denen dieses Verhalten selten ist. Sie schnitten mit 3,5 ab. Je höher die Zufriedenheit der Mitarbeiter, desto höher war auch die Performance des Unternehmens (gemessen in ROA-Return on Assets).

 

Toxische Führung im Management vergiftet die gesamte Führungskultur
Die aus Jun. Prof. Dr. Kai Bormann, Dr. Michael Graffius, Prof. Dr. Christina Hoon und Dr. Christopher Hansen bestehende Forschergruppe konnte nachweisen, dass sich toxisches Führungsverhalten von der Management-Ebene aus auf die unteren Hierarchieebenen überträgt. Je höher „Abusive Supervision“ im Management, desto eher zeigten auch Führungskräfte der unteren Ebenen feindseliges Führungsverhalten.

 

Familienunternehmen leiden weniger unter toxischer Führung
Toxische Führung ist den Wissenschaftlern zufolge in Familien- und Nicht-Familienunternehmen ähnlich stark ausgeprägt; doch es richtet in Familienunternehmen weniger Schaden an. Die Forscher führen diesen Effekt auf die Besonderheiten von Familienunternehmen wie bspw. die Weitergabe von Führungskultur innerhalb der Unternehmerfamilie zurück.

 

Handlungsempfehlungen für Unternehmen
„Unternehmen können es sich nicht erlauben, schlechte Führungskräfte auszuhalten oder zu ignorieren. Und das gilt insbesondere auch im finanziellen Sinn“, sagt Jun. Prof. Dr. Kai Bormann von der Universität Bielefeld. Und Prof. Dr. Christina Hoon (Universität Bielefeld) verweist darauf, dass fast jedes mittlere oder größere Unternehmen mittlerweile Führungsleitlinien formuliert habe. „Die klingen zwar super, suggerieren aber auch, dass in der Führungswelt alles in Ordnung ist. Daher sollten Unternehmen vielmehr prüfen, ob und wie dieses „normative Selbstbild“ von Führung tatsächlich auf den Arbeitsalltag einwirkt. Damit einher geht die Frage, ob Unternehmen Sanktions- oder Anreizsysteme für „gute Führung“ etabliert haben und „schlechte Führung“ konsequent geahndet wird“, fügt sie hinzu.

 

„Kaum ein Faktor hat einen so großen Einfluss auf die Zufriedenheit am Arbeitsplatz wie das Verhältnis zur Führungskraft“, ergänzt Yenia Zaba, Director Global Communications & Brand bei kununu. „Eine offene und transparente Feedbackkultur, die von gegenseitigem Vertrauen geprägt ist, gibt Unternehmen die Möglichkeit, auf Missstände im Führungsverhalten aufmerksam gemacht zu werden und diese aktiv anzugehen. Wie die Untersuchung zeigt, kann die Performance des gesamten Unternehmens hiervon profitieren“, so Zaba weiter.

 

Über kununu:

kununu ist eine europaweit führende Arbeitgeber-Bewertungsplattform und der einzige professionelle Anbieter, der ausschließlich auf Arbeitgeberbewertungen und Workplace Insights spezialisiert ist. Bislang haben Mitarbeiter und Jobsuchende auf kununu.com mehr als 4 Millionen authentische Erfahrungsberichte zu verschiedenen Kriterien wie Gehalt, Betriebsklima oder Bewerbungsprozesse hinterlassen. Jobinteressierte finden auf der Plattform daher authentische, detaillierte und ungefilterte Einblicke in die Arbeitswelt. Unternehmen nutzen dieses Feedback, um sich als Arbeitgeber zu entwickeln, ihre Arbeitgebermarke in einem besonders glaubwürdigen Kandidaten-Umfeld zu präsentieren und kontinuierlich den Dialog mit Feedbackgebern und Kandidaten zu führen. kununu ist ein Tochterunternehmen der New Work SE. 140 Mitarbeiter arbeiten in Wien, Boston, Porto sowie Berlin daran, die Arbeitswelt transparenter zu machen.

 

Kontakt:
Dario Wilding
Senior Manager Communications
kununu GmbH
press@kununu.com