Führungskräfte: Auf Vertrauen, Transparenz und Wertschätzung kommt es an

Wien/Hamburg, 2. September 2021. Mitarbeiter:innen vertrauen, sie offen und transparent informieren, sie loben und ihren Einsatz wertschätzen: Das sind Werte, die für Arbeitnehmer:innen bei ihrer Führungskraft besonders wichtig sind. Hingegen wirken sich das Kritisieren jedes Fehlers, generell unangemessene Kritik, Mitarbeiter:innen klein halten oder sie im Stich lassen besonders negativ auf die Zufriedenheit mit der Führungskraft aus. Das zeigt eine Analyse der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich auf Basis von knapp 74.000 Bewertungen auf der Arbeitgeber-Bewertungsplattform kununu.

In die Analyse gingen alle Angaben von Nutzer:innen ein, die für einen Arbeitgeber sowohl eine Arbeitgeber-Bewertung als auch ein Kultur-Assessment über den kununu Kulturkompass abgegeben haben. Beim Kulturkompass wählen die Bewertenden aus 160 Wertbegriffen diejenigen aus, die sie in ihrem Unternehmen am stärksten wahrnehmen. Auf Basis eines statistischen Modells erstellten die Forscher für jeden der 40 Wertbegriffe aus dem Bereich „Führung“ eine Schätzung, wie sehr die Nennung des jeweiligen Wertbegriffes die Wahrscheinlichkeit erhöht oder verringert, dass die Bewerter:innen mit ihren Führungskräften zufrieden sind. Hierbei wird vorausgesetzt, dass eine Zufriedenheit besteht, wenn der Arbeitgeber in der Bewertungsdimension „Vorgesetztenverhalten“ mit vier oder fünf Sternen (von maximal fünf möglichen) bewertet wurde.

Das Modell zeigt: Werden zwei Arbeitnehmer:innen in identischen Positionen miteinander verglichen, so sind Arbeitnehmer:innen in einem Unternehmen, in dem Vertrauen in die Mitarbeitenden vorherrscht, mit einer Wahrscheinlichkeit von fünf Prozentpunkten zufriedener mit ihren Vorgesetzten. Umgekehrt sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Arbeitnehmer:innen mit ihren Vorgesetzten zufrieden sind, um etwa acht Prozentpunkte, wenn Mitarbeiter:innen sich im Unternehmen im Stich gelassen fühlen.

„Das Verhalten der Führungskraft spielt eine integrale Rolle bei der Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeiter:innen“, sagt Chesran Glidden, Head of B2B bei kununu. „Arbeitnehmer:innen verlassen oftmals nicht ihren Arbeitgeber sondern ihre Vorgesetzten. Wichtig ist es daher, dass die Unternehmensleistung die Bedeutung von Werten wie Vertrauen, Transparenz und Wertschätzung erkennt und sie als maßgebliche Ideale im Unternehmen etabliert und vorlebt. Indem diese Werte ein elementarer Bestandteil der Unternehmens- und Führungskultur werden, können Mitarbeiter:innen besser gebunden und das Unternehmen damit langfristig erfolgreicher werden“, so Glidden weiter.

Die zehn Wertbegriffe, deren Nennung sich am positivsten auf die Zufriedenheit mit der Führungskraft auswirkt, sind:

  1. Mitarbeiter:innen vertrauen (+5,2 Prozentpunkte)
  2. Offen und transparent informieren (+4,7)
  3. Einsatz wertschätzen (+4,5)
  4. Mitarbeiter:innen loben (+4,3)
  5. Mitarbeiter:innen fördern (+4,1)
  6. Konstruktiv mit Fehlern umgehen (+3,7)
  7. Mitarbeiter:innen Freiräume geben (+3,2)
  8. Ziele mit Mitarbeiter:innen festlegen (+2,3)
  9. Mitarbeiter:innen viel selbst entscheiden lassen (+2,0)
  10. Arbeitsqualität von Mitarbeiter:innen sicherstellen (+1,7)

Folgende zehn Wertbegriffe wirken sich wiederum besonders negativ auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter:innen aus:

  1. Mitarbeiter:innen im Stich lassen (-7,9)
  2. Mitarbeiter:innen klein halten (-7,1)
  3. Mitarbeiter:innen unangemessen kritisieren (-6,0)
  4. Mitarbeiter:innen für alles verantwortlich machen (-4,6)
  5. Intransparent sein (-4,5)
  6. Mitarbeiter:innen eng kontrollieren (-4,2)
  7. Mitarbeiter:innen über Richtung im Unklaren lassen (-4,1)
  8. Jeden Fehler kritisieren (-4,1)
  9. Alles nur auf Leistung trimmen (-3,5)
  10. Mitarbeiter:innen überfordern (-3,5)

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Infografik Untersuchung ETH Zürich
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