Forschungsprojekt: Über drei Viertel der Beschäftigten im Homeoffice fühlen sich arbeitsfähig

Wien/Hamburg, 21. April 2021 – Im ersten Corona-Lockdown arbeitete fast jeder dritte Beschäftigte in Deutschland von zuhause aus (38 Prozent). Homeoffice ist nicht neu: Viele Unternehmen leben virtuelles Arbeiten in Teams und setzen Remote Work im Arbeitsalltag um. Allerdings hat der pandemiebedingte Homeoffice-Zwang diese Tendenz beschleunigt.

Ein Forschungsprojekt der Universität Bielefeld in Kooperation mit der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin auf Basis von Daten der Arbeitgeber-Bewertungsplattform kununu zeigt: Rund 78 Prozent der Beschäftigten sind im Homeoffice nicht isoliert, sondern besitzen nach wie vor einen Zugang zum Unternehmen. Insgesamt fühlen sich sogar 61 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice-Setting gut bis sehr gut arbeitsfähig. Diese Beschäftigten können auf die notwendigen unternehmensinternen Ressourcen zugreifen (beispielsweise Technikzugang, Informationen über das Krisengeschehen) und erleben den Zusammenhalt mit Kolleginnen und Kollegen sowie die Unterstützung der Vorgesetzen als Ressourcen, die es ihnen ermöglichen, auch im Homeoffice engagiert zu arbeiten.

Dabei können 27 Prozent vollständig auf alle unternehmensinternen Ressourcen zugreifen, erleben einen starken kollegialen Zusammenhalt und fühlen sich von ihrer Führungskraft unterstützt, wodurch sie im Homeoffice voll arbeitsfähig sind. Weitere 52 Prozent gelten als bedingt arbeitsfähig. Sie können zwar nicht auf alle Ressourcen gleichermaßen zurückgreifen, die Mehrheit fühlt sich aber dennoch gut an die aktuelle Situation angepasst. So gaben manche Beschäftigte an, zwar keinen oder lediglich einen unzureichenden Kontakt zu ihren Vorgesetzten zu haben, nennen aber die durch die Organisation bereit gestellten Ressourcen als zentral für ihre Arbeitsfähigkeit (38 Prozent). Rund drei Viertel (73 Prozent) sprechen dabei von einem positiven Ressourcenzugang. Ferner erleben die Beschäftigten auch den Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen als maßgebend für ein funktionierendes Arbeiten im Homeoffice (39 Prozent), wobei 81 Prozent diesen Zugang als gut bis sehr gut beschreiben.

Vor allem aber haben die Führungskräfte noch Nachholbedarf. Gut 23 Prozent der Arbeitnehmenden gaben an, ihre Arbeitsfähigkeit sei insbesondere von ihren Vorgesetzten abhängig. In dieser Gruppe erleben jedoch nur rund 34 Prozent einen guten bis sehr guten Ressourcenzugang.

Insgesamt sind 22 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice nicht arbeitsfähig, da ihnen keine – oder nur in sehr begrenztem Rahmen – organisationale, kollegiale oder vorgesetztenbezogene Ressourcen zur Verfügung stehen. Diese Beschäftigten fühlen sich nahezu isoliert und geben an, von ihrem Unternehmen und ihren Kolleginnen und Kollegen abgeschnitten zu sein und die Unterstützung durch die Vorgesetzten zu vermissen.

„Das Arbeiten von zuhause ist nicht zwangsläufig mit Isolation und geringerem Arbeitsengagement verbunden“, erklärt Prof. Dr. Christina Hoon von der Universität Bielefeld. „Die Gestaltung einer ressourcenreichen Arbeitsumgebung ist dabei der Schlüssel zur Sicherzustellung des Engagements. Das bedeutet nicht nur einen flächendeckenden Technologieeinsatz, sondern insbesondere auch Nähe zu Kolleginnen und Kollegen. Gleichzeitig muss das Personalmanagement lernen, die unterschiedlichen Anforderungen der Mitarbeiter zu identifizieren, um Mitarbeiter auch im Homeoffice engagiert zu halten“, so die Professorin weiter.

Chesran Glidden, als Head of B2B verantwortlich für das Arbeitgeberangebot von kununu, ergänzt: „Die richtige Führung von Mitarbeitenden aus dem Homeoffice ist ein noch immer unterschätzter Aspekt, wenn es darum geht, die Zufriedenheit und das Engagement der Belegschaft zu fördern. Ob Weitergabe von Informationen, laufendes konstruktives Feedback oder der Ausdruck von Wertschätzung: Grundsätzlich gilt insbesondere im virtuellen Setup, dass gar nicht genug kommuniziert werden kann.“

Für die Studie analysierte das Forscherteam insgesamt 50.159 quantitative Arbeitgeber-Bewertungen, die zwischen März und August 2020 bei kununu abgegeben wurden (Periode des ersten Lockdowns). Von diesen bildeten 1.256 qualitative Bewertungen die Grundlage der Untersuchung. Das Arbeitsengagement der Beschäftigten wurde anhand der drei Ressourcenkategorien Interaktion mit Kollegen (Kollegenzusammenhalt), Unterstützung durch die Vorgesetzten und organisatorische Ressourcen (Technikzugang, Informationen über Krise) bewertet. Die Daten wurden systematisch kodiert und in ihrem im Bewertungstext beschriebenen Zugriff auf die drei Ressourcenkategorien analysiert.

Kontakt:
Dario Wilding
Senior Manager Communications
kununu GmbH
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