Überwachung im Job

Zukunftsmusik: Werden wir am Arbeitsplatz bald alle überwacht?

Schon der britische Schriftsteller George Orwell schrieb in seiner bekannten Dystopie „1984“ über die totale Überwachung und verbreitete damals Angst und Schrecken vor neuen Technologien. Nun, 1984 ist schon 35 Jahre her: Wird es also im Jahr 2019 langsam „zumindest“ Zeit für die Überwachung am Arbeitsplatz? Wir sagen dir, welche Firmen schon längst offen Big Brother spielen und warum Mitarbeiter im Job überhaupt überwacht werden.

Warum wird im Job überhaupt überwacht?

Unternehmen haben hauptsächlich ein Interesse an der Überwachung ihrer Mitarbeiter, weil sie deren Produktivität kontrollieren und steigern wollen. Dem Chef ist wichtig, dass du motiviert deine Aufgaben erledigst und nicht den lieben langen Tag auf Social Media surfst oder deinem Schatz Nachrichten schickst. Warum? Na, du kostest das Unternehmen schließlich Geld. Sollte deine Arbeit liegen bleiben, hat das Unternehmen möglicherweise finanzielle Einbußen. Wenn dein Chef dich überwachen würde, würdest du dich vermutlich aus Angst um deinen Job nicht mehr trauen, Privates in der Arbeitszeit zu erledigen und könntest dich vermeintlich besser auf deine eigentlichen Aufgaben konzentrieren.

Obwohl ein solches Angstmachen wohl nie die richtige Entscheidung ist, könnten wir den Chef – oder Big Brother – rein aus unternehmerischer Sicht vielleicht sogar noch ein wenig verstehen. Für uns als Mitarbeiter ist es aber scheinbar doch viel wichtiger, dass das Unternehmen uns und unserer Arbeit gegenüber Vertrauen entgegenbringt.

Nach einer Studie von Andrew McAfee für das Harvard Business Review1) macht uns dieses Vertrauen aber am Arbeitsplatz unmotivierter und weniger produktiv. Wie McAfee darauf kommt? Er untersuchte Daten aus der Überwachungssoftware Restaurant Guard zur Diebstahlbekämpfung, mit der rund 400 Restaurants in den USA ihre Mitarbeiter kontrollieren wollen. Es wird dabei genau erfasst, welche Transaktionen ein Kellner tätigt und ob er für jedes Getränk und jedes Essen auch Geld kassiert. Die überwachten Angestellten steigerten ihren Wochenumsatz um sieben Prozent und erhielten im Zeitraum der Untersuchung sogar mehr Trinkgeld.

Werden wir zu gläsernen Angestellten?

Auch du könntest heute schon von Überwachung im Job betroffen sein – obwohl du vielleicht gar nicht damit rechnest.

Die Rechtswissenschaftlerin Iris Arnold berichtet in ihrer Studie „Die Zulässigkeit der Überwachung von mobilen Arbeitnehmern“ über Überwachungsmöglichkeiten, die vor ein paar Jahren noch nicht einmal denkbar gewesen wären. Und diese betreffen nicht nur die mobilen Arbeitnehmer, sondern uns alle. Wusstest du zum Beispiel, dass es technisch möglich ist, deinen Dienstwagen per Satellit zu überwachen? Oder, dass dein Chef deine Mails mitlesen oder die Telefonate abhören könnte?

Iris Arnold hat sich die Zulässigkeit von solchen Überwachungsmaßnahmen näher angesehen und die für uns wichtigste Frage beantwortet: Darf uns unser Arbeitgeber überwachen? Die Antwort? Zum Teil. In deinem Arbeitsvertrag steht im Normalfall, dass du deine Aufgaben erfüllen und die vereinbarte Arbeitsleistung erbringen musst. Eigentlich also noch keine Erlaubnis für eine Überwachung. Gleichzeitig gehört zu den arbeitsvertraglichen Nebenpflichten laut Iris Arnold aber auch noch die Informations- und Auskunftspflicht. Was das konkret heißt? Du musst deinem Arbeitgeber über den Stand deiner Arbeit berichten, damit er sehen kann, ob du deine Pflichten als Arbeitnehmer erfüllst. Dafür sind angemessene Kontroll- und Überwachungsmittel aus Rücksicht auf die unternehmerischen Interessen sogar erlaubt. Aber: Jegliche Überwachung, die deine Persönlichkeitsrechte betrifft, ist und bleibt zunächst verboten. Erst durch deine offizielle Zustimmung wäre es deinem Chef also erlaubt, dich beispielsweise bei der Arbeit zu filmen oder den bereits erwähnten Dienstwagen per GPS zu tracken.

Du machst dir eher Sorgen, dass dein Privatleben nach deiner Bewerbung bei einem neuen Unternehmen gestalkt und kontrolliert wird? Keine Sorge! Auch das ist nicht zulässig. Was allerdings in sensiblen Berufsfeldern (Polizei, Bundeswehr, Sicherheitsdienst, usw.) erlaubt ist, ist die Überprüfung deiner Vertrauenswürdigkeit. Das kann zum Beispiel ein Führungszeugnis beinhalten, bei dem gegebenenfalls vergangene Haftstrafen auffliegen würden.

In diesem Artikel sagen wir dir übrigens, welche gespeicherten Daten dir dein Chef nach Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) preisgeben muss.

Welche Firmen überwachen ihre Mitarbeiter bereits?

Wenn wir schon über die Überwachung von Mitarbeitern sprechen, dann wollen wir natürlich auch wissen, in welchen Firmen diese Praxis schon gelebt wird. Wir haben die Antworten!

Die international tätige Anwaltskanzlei Wragge, Lawrence, Graham und Co. gab bereits offen zu, dass sie mit einer Smartphone-App zur Emotionsanalyse arbeitet. Dabei werden Telefonate überwacht und in der App wird getrackt, ob die Angestellten mit einem Lächeln telefonieren oder eher wütend sind. Die App kommt sogar mit ins Bett der Mitarbeiter, da sie auch den Schlafrhythmus und die Aufwachphasen überprüft. Ziemlich heftig, oder? Das Unternehmen behauptet allerdings, dass mit den erhobenen Daten nur Problemfelder identifiziert werden sollen. Hat der Mitarbeiter zu viel Stress? Müssen wir ihm eine bessere Work-Life-Balance ermöglichen?2) Ob das so ganz stimmt? Das können wir dir leider nicht sagen.

Weniger offen lief die Überwachung der Mitarbeiter in der britischen Handelskette Sports Direct ab. Im Jahr 2015 kamen in und nach einem Bericht des österreichischen Magazins Profil schwerwiegende Vorwürfe auf. Ein Mitarbeiter in Österreich befand sich wegen Burn Outs im Krankenstand und sei dann im Auftrag des Arbeitgebers von einem Privatdetektiv beschattet worden. Am Privatauto des Angestellten wurde außerdem ein GPS-Ortungsgerät angebracht. Das Ziel? Sports Direct wollte dem Mitarbeiter nachweisen, dass er ein genesungswidriges Verhalten pflegen würde. Nachdem der Detektiv dafür angebliche Beweise gesammelt hatte, erhielt der Mitarbeiter die fristlose Kündigung.3) Der Mitarbeiter ging gegen die Kündigung vor Gericht, der Ausgang der Verhandlung ist aber leider unbekannt.

Wir könnten hier wahrscheinlich hunderte Beispiele aufzählen. So hat beispielsweise die ehemalige Drogeriekette Ihr Platz ihre Angestellten mit Kameras am Arbeitsplatz überwacht. Der Paketlieferdienst UPS checkt mit der Hilfe von speziellen Sensoren ganz genau, wie sich ihre Fahrer im Lieferwagen verhalten. Vor einigen Jahren kämpfte die Deutsche Telekom mit einem Überwachungsskandal im eigenen Unternehmen, bei dem unter anderem Aufsichtsräte vor einer anstehenden Entlassungswelle bespitzelt worden seien. Du siehst: Es sind gar nicht einmal so wenige Unternehmen, die früher auf die Überwachung von Mitarbeitern gesetzt haben oder heute noch setzen. Um zu überprüfen, wie dein (neuer) Arbeitgeber mit der Überwachung im Job umgeht, kannst du das Unternehmen auf kununu suchen und in den Bewertungen nachlesen, was die Mitarbeiter zu diesem und anderen Themen zu sagen haben.

 

Quellen:

1) Der Standard – Arbeiten überwachte Mitarbeiter schneller? 08.05.2019

2) Das Erste – Panorama: Der überwachte Mitarbeiter macht blau

3) Profil – Sports Direct überwachte Mitarbeiter mit GPS-Gerät. 25. Januar 2015