Work hard, party hard: Für mehr Exzess im Arbeitsleben

Wie oft hattest du schon eine gute Idee in einer Bar oder einem Club? Ein kreativer Einfall, der dich sonst mehrere Stunden Anstrengung und viel Gehirnschmalz gekostet hätte, kommt dir dort ganz einfach zwischen Gin Tonic Nummer drei und vier in den Sinn. Wäre unser Arbeitsleben nicht viel leichter, wenn wir uns öfter mit Kollegen betrinken würden, als uns im Büro mühsam Ideen abzuringen?

Gin Tonic statt Spinat-Smoothies

Durch den vorherrschenden Gesundheitstrend ist der Exzess in den Hintergrund gerückt. Fruchtsäfte und Fitness-Shakes haben Cocktails und Longdrinks abgelöst. Die Devise des gesunden Lifestyles lautet: Leb dich aus. Aber bitte schön gesund, auf keinen Fall zu laut und vor allem nicht zu bunt. Da stellt sich doch die Frage: Brauchen wir wieder mehr Party im Arbeitsleben?

Denn was von vielen schon lange vermutet wurde, konnte auch wissenschaftlich nachgewiesen werden: Alkohol hat einen positiven Einfluss auf kreative Prozesse. Kreativität ist nämlich im Grunde nichts anderes als eine neue Verknüpfung von vorhandener Information. Und das erfordert eine furchtlose Grundhaltung, dass heißt wir dürfen keine Angst haben, Fehler zu machen. Alkohol baut Schranken im Kopf ab und animiert uns dazu unkonventionell zu denken. Denn auch Einfälle, die sich dann als nicht so gute Ideen herausgestellt haben, zeigen: Allein der Mut, etwas Neues auszuprobieren, war oft den ganzen Ärger wert.[1]

Brainstorming in der Bar

Entscheidend für die Förderung der Kreativität ist aber nicht unbedingt der Alkohol. Auch die Veränderung der Umgebung kann neue Ideen anregen. Ein ansprechendes Umfeld kann schon genügen, um die Gehirnzellen wieder zu aktivieren und frische Impulse zu bekommen. Also einfach mal raus aus dem kahlen Konferenzraum und rein in die Kneipe!

 

 

Bei Alkohol am Arbeitsplatz entsteht bei vielen die Assoziation zu Mad Man und vergangenen Zeiten. Die Gedanken wandern in das verrauchte Büro von Don Draper, der sich schon zu Beginn des Arbeitstags einen Old Fashioned mixt. Doch bekanntlich gilt: Weniger ist mehr. Die Menge, in der Alkohol konsumiert wird, ist entscheidend. Moderater Alkoholkonsum führt zu einer Steigerung der Kreativität. Zu viel Alkohol bewirkt aber auf Dauer genau das Gegenteil und kann zu einem echten Problem werden.

Vielleicht reicht deswegen fürs Erste auch ein Gurkenwasser in einem Martini-Gläschen zu schlürfen und sich in einem zwangloseren Umfeld mit den Kollegen auszutauschen. Regelmäßige Teamevents außerhalb des Büros sind nicht nur gut fürs Arbeitsklima, sondern helfen auch bei der Ideenfindung.

Können dich deine Drinks den Job kosten?

Auch wenn es selbstverständlich sein sollte: Natürlich wollen wir dir nicht vermitteln, dass es in Ordnung ist, sich am Arbeitsplatz maßlos zu betrinken. Das wäre für dich nicht nur wahnsinnig peinlich, sondern für andere Menschen gefährlich und grob fahrlässig – je nach deiner auszuübenden Tätigkeit.

Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. und der Barmer GEK, sind nämlich bei 20 bis 25 Prozent aller Arbeitsunfälle Personen unter Alkoholeinfluss involviert. Bereits 0,3 Promille vermindern die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit, bei 0,5 Promille ist deine Reaktionsfähigkeit bereits deutlich verlangsamt und steigerst du dich auf 0,8 Promille, wird nicht nur dein Gleichgewichtssinn, sondern auch dein klares Denken und dein selbstkritisches Handeln deutlich eingeschränkt. [2]

Deswegen sind Alkoholverbote und Beschränkungen am Arbeitsplatz häufig in Kollektivverträgen und Betriebsvereinbarungen sowie im Dienstvertrag festgehalten. Außerdem ist es dem Arbeitnehmer verboten, „sich vor Dienstantritt, während der Arbeit sowie in den Pausen durch Alkohol, Arzneimittel oder Suchtgifte in einen Zustand zu versetzen, in dem sie sich oder andere gefährden können. In bestimmten Berufen (z.B. für Bauarbeiter, LKW- und Omnibusfahrer) gilt unabhängig davon ein völliges Alkoholverbot.“ [3]

Allerdings ist ein Glas Wein zum Mittagessen noch kein Grund zur fristlosen Kündigung. Selbst wenn der Arbeitnehmer gegen ein Alkoholverbot verstößt, wäre in diesem Fall – sollte der Arbeitnehmer bis dahin anstandslos gearbeitet haben – eine Abmahnung ausreichend. [4]

Dein Kollege trinkt zu viel?

Wenn sich in letzter Zeit häufiger Fehler bei der Arbeit deines Kollegen einschleichen, seine Leistung nachlässt und er plötzlich gereizt wirkt sowie an Stimmungsschwankungen leidet oder seine Hände zittern, dann könnten das Hinweise eines Alkoholproblems sein. Falls dir dein Bauchgefühl sagt, dass etwas nicht stimmt, dann nimm dieses Gefühl ernst.

Peter Raiser, Projektleiter bei der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen stellt in einem Interview mit stern.de klar: Je früher du deinen Kollegen auf die Anzeichen ansprichst, desto besser für alle Beteiligten. Falls du Fragen hast, wie du mit dem Thema persönlich am besten umgehen kannst, oder dir selbst Informationen einholen möchtest, dann findest du hier Auskünfte zur Suchtberatungen in Deutschland, der Schweiz und Österreich. [5]

 

Quellen:

[1] siencedirect.com
[2] dhs.de
[3] wko.at
[4] süddeutsche.de
[5] stern.de