Julia Bösch

„Wir brauchen mehr Gründerinnen“ – CEO & Gründerin Outfittery

In unserer Interviewserie „The future is…?“ gehen wir der Frage nach, wie Female Leaders die Arbeitswelt verändern und die Zukunft gestalten. Im Interview erzählt Julia Bösch, CEO und Gründerin von Outfittery, dass sie anfänglich bewusst nicht als Female Founder betitelt werden wollte. Wieso sie ihre Meinung geändert hat und was sie jungen Gründerinnen rät, erfährst du hier.

kununu: Du hast 2012 mit zwei Freunden ein Unternehmen gestartet, heute beschäftigt Outfittery über 300 Mitarbeiter. Gute Führung ist bestimmt auch ein wichtiger Erfolgsfaktor, was zeichnet diese deiner Meinung nach aus?

Julia Bösch: Bei guter Führung müssen einige Eigenschaften zusammenkommen, die dann den richtigen Mix ergeben – von Empathie und Teamgeist bis hin zur Willenskraft. Vor allem aber, die Fähigkeit Kritik annehmen zu können. Ich persönlich sehe kritisches Feedback als ein Geschenk. Weil man nur daraus lernen und sich verbessern kann, auch wenn das im ersten Moment nicht immer einfach ist. Mit ausschließlich positiven Rückmeldungen kann man sich nicht weiterentwickeln. Da darf man auch als Führungskraft kein falsches Ego haben: Feedback von den eignen Mitarbeitern zu bekommen, ist genauso wichtig, wie es zu geben.

Du bist als weibliche Gründerin eher eine Ausnahme in der männerdominierten Start-up-Szene. Was hat dich dazu veranlasst ein Unternehmen zu gründen?

Als meine Mitgründerin Anna Alex und ich uns damals kennengelernt haben, wussten wir schnell, dass wir uns sehr gut vorstellen könnten, gemeinsam etwas zu gründen. Dann waren wir mit einem Freund von uns in New York, der sich vor Ort einen Personal Shopper gegönnt hat, was in Amerika für erfolgreiche Geschäftsmänner durchaus üblich ist. Er war so begeistert von dieser Erfahrung, dass wir überlegt haben, wie wir das auch in Europa umsetzen können und das ganze online übertragen. So war die Idee für OUTFITTERY geboren.

Welchen Karriere-Tipp würdest du deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben?

Wenn ich eines wirklich gelernt habe, dann, dass du immer nach allem fragen musst, was du haben willst. Du solltest nicht darauf warten, dass dir etwas angeboten wird. Das gilt für Frauen übrigens ganz besonders. Wir sollten auch untereinander nicht zögern, uns viel mehr nach Hilfe zu fragen und uns gegenseitig zu unterstützen. Besonders hilfreich ist es, sich frühzeitig Mentoren zu suchen, die dich auf deinem Weg begleiten. Ein weiterer Tipp: Trau dich noch mehr – und hab keine Angst davor, einfach mal ins kalte Wasser zu springen. Nimm alle Möglichkeiten, die sich dir unerwartet auftun, wahr. Und vertrau dabei immer auf deine eigene Leidenschaft und Kraft.

Welche Strategien können gerade jungen Frauen dabei helfen, in ihren Organisationen eine wichtigere Rolle zu spielen oder sogar den Schritt zur Unternehmensgründung zu wagen?

Ich glaube, das Wichtigste ist, nicht zu viel darüber nachdenken, was alles schief gehen könnte – sondern sich lieber darauf zu fokussieren, was alles gut gehen könnte. Das gilt sowohl beim Äußern von Ideen oder Umsetzen von Projekten als Angestellte in einem Unternehmen als auch bei dem Gedanken an die eigene Gründung.

Was leider auch klar ist: Wenn man ein Unternehmen aufbaut, werden einem dabei auf dem Weg immer irgendwo Steine – und manchmal sogar Felsen – in den Weg gelegt. Das war bei uns nicht anders. Manchmal schien es sogar als seien die Probleme, die vor uns liegen, unlösbar. Aber davon darf man sich nicht unterkriegen lassen. Stattdessen sollte man die Probleme priorisieren und dann einen Felsen nach dem anderen aus dem Weg räumen. Erfahrungsgemäß funktioniert das besser, als alles auf einmal lösen zu wollen.

Eine Studie der Boston Consulting Group zeigt, dass Frauen als Gründerinnen im Schnitt erfolgreicher sind als Männer. Trotzdem werden sie bei Firmengründungen mit deutlich weniger Geld gefördert. Brauchen wir zusätzlich zur Frauenquote auch eine Frauenförderquote für Start-ups?

Der erste Schritt sollte doch sein, zunächst mehr Frauen zu ermutigen, eine Firma zu gründen. Da müssen wir ansetzen. Und das sollte am besten schon in der Schule starten, indem bereits früh vermittelt wird „Hey, ihr könnt das!“

Ihr habt euren Unternehmenssitz in Berlin. Der Weltfrauentag ist seit 08. März diesen Jahres erstmals ein Feiertag. Warum brauchen wir ihn überhaupt?

Der Weltfrauentag bietet eine Plattform, auch medial, um dem Thema Gleichberechtigung und Förderung von Frauen Sichtbarkeit zu verschaffen. Und das ist auch gut so!

Auf unserer kununu Skala von 1-5: Wie schätzt du den Gleichberechtigungsscore in deinem Unternehmen ein?

Sehr gut. 50% unseres Managements und 60% unseres Beirats, sind Frauen. Aber damit sind wir – leider – noch eine Ausnahme. Zu Beginn unserer Gründung habe ich den Titel „Female Founder“ oder „weibliche Gründerin“ nicht gemocht. Ich wollte einfach nur „Gründer“ sein, ohne auf das Geschlecht reduziert zu werden. Was ich damals total unterschätzt habe: Starke Frauen ziehen andere starke Frauen an. Und die wieder andere. Es gibt bei uns keine gläserne Decke, sprich: Bei uns hat jede die Möglichkeit aufzusteigen.

Im Durchschnitt aller Bewertungen wurde Gleichberechtigung auf kununu mit 3,67 bewertet, aktuell liegt der Gleichberechtigungsscore von Outfittery bei 3,80. Was machst du, um Gleichberechtigung zu fördern und für mehr Diversität in deinem Unternehmen zu sorgen?

Es wundert mich eher, dass er nicht noch höher ist. Wir sind durch die gesamte Firma hinweg 60% Frauen und haben Angestellte aus 30 verschiedenen Nationen im Team. Ich glaube, das A und O ist die Unternehmenskultur und die wird primär geprägt von den Leuten, die wir einstellen und die Teams führen. Wir haben hier von Beginn an sehr streng rekrutiert und auf bestimmte Werte, die mit unserem Unternehmen im Einklang stehen, geachtet. Einer unserer Werte ist z.B. „Work as one team“. Wir haben ein sehr diverses Team in allen Dimensionen und ich glaube, dass uns das stark macht.

Was denkst du, müsste insgesamt getan werden, um mehr Diversität und Gleichberechtigung in der Arbeitswelt zu schaffen?

Es muss mehr Frauen UND Männer geben, die sich für Frauen einsetzen und sie gezielt fördern. Sowohl auf medialer Ebene, als auch bei Projekten oder in Unternehmen. Darüber hinaus können wir Frauen aber auch selbst etwas tun: Wir müssen uns mehr zutrauen! Ich erlebe das leider immer noch viel zu oft, dass Frauen sich viel zu kritisch sehen und sich weniger zutrauen als Männer.