Wie viel ist die unbezahlte Arbeit von Frauen eigentlich wert?

Haushaltsaufgaben, sich um die Kinder kümmern, für ältere Familienangehörige sorgen, Vereins- oder Wohltätigkeitsaufgaben übernehmen: All das ist nur ein Ausschnitt des Tätigkeitsbereichs vieler Frauen. Jeden Tag verbringen sie zahlreiche Stunden mit den Bedürfnissen anderer, ohne dafür bezahlt zu werden – und diese Care-Arbeit hat während der Corona-Pandemie zugenommen.

Aber wie viel ist die unbezahlte Arbeit von Frauen in Deutschland eigentlich wert? Jana Jones, Mitarbeiterin des Berliner Finanzportal Joonko, hat sich mit dieser Frage auseinandergesetzt und erklärt in diesem Beitrag, was es mit der unbezahlten Arbeit von Frauen auf sich hat.

Care-Arbeit ist unsichtbare Frauenarbeit

Der Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern ist in Deutschland nach wie vor ein bekanntes Problem. Hinzu kommt, dass Frauen häufig nur in Teilzeit arbeiten und sich den restlichen Tag um die Bedürfnisse anderer kümmern. Gerade im Zuge der Corona-Pandemie ist die unbezahlte Arbeit von Frauen gestiegen und wieder in den öffentlichen Diskurs gerückt.

Es hat sich gezeigt, dass die traditionelle Rollenverteilung bei vielen Paaren noch immer besteht. Denn, wer kümmert sich um die Kinder, wenn Schulen und Kindergärten geschlossen bleiben? Wer kauft für Oma und Opa ein, weil diese besser zu Hause bleiben sollten? Wer pflegt kranke Familienmitglieder? Und wer kocht nebenbei das Essen und wäscht die Wäsche?

Die Antworten auf diese Fragen ergeben sich oft ganz selbstverständlich, weil Frauen sich automatisch verantwortlich fühlen und von der Gesellschaft auch verantwortlich gemacht werden. Auch wenn viele im Glauben sind, dass das klassische Hausfrauenbild längst Geschichte ist, haben Frauen auch vor Corona durchschnittlich doppelt so viel Zeit mit unbezahlter Arbeit verbracht wie Männer. Der Lockdown hat diese Rollenbilder abermals verstärkt und zeigt, dass die Care-Arbeit nach wie vor meist unsichtbare Frauenarbeit ist, die als selbstverständlich angesehen wird und unbezahlt bleibt.

Aber wie viel ist diese unbezahlte Arbeit von Frauen nun wert?

Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) verbringen Frauen in Deutschland jeden Tag durchschnittlich ganze 4,5 Stunden mit unbezahlter Arbeit.[1] Eine erhebliche Stundenanzahl, die nicht einfach nebenbei zu schaffen ist. Deshalb arbeiten Frauen oft in Teilzeit. Leben Kinder mit im Haushalt, arbeiten sogar 66 Prozent der Frauen in Teilzeit.[2] Bei den Männern dagegen beträgt der Anteil nur 5,8 Prozent.

Welchen finanziellen Wert diese unbezahlte Arbeit tatsächlich hat, zeigt eine Rechnung des digitalen Finanzportals Joonko: Mit dem aktuellen Netto-Stundenlohn von 17,94 Euro als Rechengrundlage wurde ermittelt, dass Frauen für ihre unbezahlte Arbeit jeden Tag 80,73 Euro verdienen würden. Über ein ganzes Jahr gerechnet wären das 29.466,35 Euro an zusätzlichem Nettoeinkommen.[3]

Geht man nun noch einen Schritt weiter und nimmt an, dass Frauen über die gesamte Lebensarbeitszeit für ihre unbezahlte Arbeit entlohnt würden, dann wären das nach 37 Arbeitsjahren unter Berücksichtigung des durchschnittlichen Netto-Lohn-Anstiegs von 2 Prozent pro Jahr und einer jährlichen Inflationsrate von 1,5 Prozent insgesamt sogar 2.178.283 Euro. Das ergibt über zwei Millionen Euro, die Frauen im Zuge ihres Lebens unbezahlt arbeiten.

 

Die finanziellen Konsequenzen für Frauen

Diese unbezahlte Arbeit von Frauen ist viel wert und zieht finanzielle Konsequenzen mit sich, die einen entscheidenden Einfluss auf die Zukunftssicherung haben: Frauen können dieses Geld nicht in ihre Zukunft investieren, sodass es ihnen im Alter oft fehlt.

Im Schnitt bekommen Frauen in Deutschland am Ende ihres Arbeitslebens 46 Prozent weniger Rente als Männer und schon jetzt lebt jede sechste Frau in Deutschland über 65 in Armut.[4,5]

Care-Arbeit darf Frauen nicht in die Armut treiben

Würden Frauen für die Care-Arbeit, die sie verrichten, bezahlt, müssten sie sich weniger Gedanken um ihre Rente machen. Deshalb ist es wichtig, dass langfristig ein Ausgleich für die unbezahlte Arbeit von Frauen geschaffen wird. Denn nur so können Frauen frühzeitig in die eigene Zukunft investieren und für finanzielle Rücklagen im Alter sorgen.

Care-Arbeit ist eine gesellschaftlich wichtige, sogar notwendige Arbeit und keine Frau sollte sich aufgrund dieser Arbeit später in finanziellen Nöten oder Altersarmut wiederfinden. Es besteht seitens Gesellschaft und Politik großer Handlungsbedarf: Beide müssen Wege finden, Frauen für ihre unsichtbare Care-Arbeit zu kompensieren.

Ein erster Schritt ist, dass sich erst langsam entwickelnde Bewusstsein dafür innerhalb der Gesellschaft stärker zu fördern. Gleichzeitig müssen aber auch staatliche Reformen auf den Weg gebracht werden, die Frauen einen echten finanziellen Ausgleich bieten.

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Jana Jones

Jana Jones arbeitet seit Anfang des Jahres für das Berliner Finanzportal Joonko. Die Deutsch-Amerikanerin schreibt am liebsten über Finanz- und Vorsorgethemen für Frauen und Familien. Sie hat Journalismus an der University of Westminster in London studiert und war unter anderem Online-Redakteurin beim Wirtschaftsmagazin Capital.


Quellen:

[1] International Labour Organization
[2] statista.com
[3] joonko.de
[4] OECD
[5] statista.com

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