Lügen

Warum (Not)Lügen am Arbeitsplatz erlaubt sein sollten

Im Alter zwischen drei und vier Jahren beginnen wir zum ersten Mal mit bewusstem Lügen. Im Erwachsenenalter spricht die Wissenschaft von bis zu 200 Lügen pro Tag. Eine ziemlich beeindruckende Zahl, hat man doch oft das Gefühl, dass manche Menschen nicht einmal 200 Wörter am Tag sprechen. Wir sagen dir, wann und warum (Not)Lügen am Arbeitsplatz durchaus erlaubt sein können.

„Natürlich kann ich mit Excel umgehen“

Im Bewerbungsgespräch wirst du gefragt, ob du dich eigentlich mit Excel auskennst. Ja, tust du. Aber nur dann, wenn das Programm zu öffnen und wieder zu schließen zur erwünschten Expertise gehört. Dass Excel in deinem Job gebraucht wird, wusstest du vorab auch nicht. Empfehlenswert ist es jetzt, dass du genauer nachfragst. Welche Fähigkeiten in Excel werden verlangt? Was solltest du können? Nach der Antwort musst du abwägen, ob du dir diese Skills in der Zeit bis zum Jobbeginn noch aneignen kannst. Sei ehrlich zu dir selbst, wenn du es schon nicht zum Personaler bist. Die Datenauswertung via Excel lernt man zum Beispiel nicht von einen Tag auf den nächsten. Achtung: All das, was essentiell zur Stellenbeschreibung gehört, solltest du auch wirklich vor dem Einstieg in den Job wie im Schlaf können. Du täuschst sonst deinen neuen Arbeitgeber und schadest ihm und – sofern er es merkt – dir selbst.

„Ich habe kein Problem mit dir“

Dein Kollege und du wisst es beide ganz genau: Ihr könnt euch absolut nicht ausstehen. Wenn der jeweils andere nur den Raum betritt, stellt es euch alle Nackenhaare auf und ihr befindet euch im Angriffsmodus. Wie wäre es denn einmal mit einem ruhigen Gespräch zwischen euch beiden? Du könntest den Kollegen zum Beispiel in der Mittagspause kurz anquatschen und zur Seite bitten. Wenn du jetzt sagst „Hey, ich habe kein Problem mit dir“, dann entspricht das vielleicht nicht der Wahrheit, kann aber den brodelnden Hass zwischen euch wenigstens auf stillschweigende Akzeptanz herunterkühlen. Der Vorteil daran ist nämlich, dass der Kollege nun quasi im Zugzwang ist. Du hast deine neutrale Einstellung bereits kundgetan, er kann seine Aggression dir gegenüber jetzt natürlich auch nicht mehr offen zeigen. Und wer weiß, vielleicht könnt ihr ja ab sofort normal miteinander reden und stellt fest, dass ihr beide dieselbe Musik hört oder gerne klettern geht. Vom Feind zum Kumpel durch eine Lüge – klingt doch eigentlich gar nicht schlecht.

„Den Chef kannte ich vorher natürlich nicht“

Vitamin B ist aus der heutigen Arbeitswelt fast schon nicht mehr wegzudenken. Die Cousine der Großmutter der Schwester der Bekannten deiner besten Freundin hat dich deinem jetzigen Chef auf einer Feier vorgestellt. Ihr kamt ins Gespräch und hattet sofort eine ziemlich gute Connection. Der Boss war schon lange auf der Suche nach einem neuen Mitarbeiter für deine Position und hat dich freudig eingestellt. Durch den omnipräsenten Buschfunk haben deine Kollegen davon Wind bekommen und dich darauf angesprochen. Um Konflikte und Missgunst zu vermeiden, kannst du jetzt auf eine klitzekleine Lüge zurückgreifen: „Den Chef kannte ich vorher natürlich nicht!“ Für dich – und eigentlich auch für die Kollegen – hat die Wahrheit nun wirklich keinen Mehrwert und könnte sogar zum Nachteil werden. Du bist niemandem Rechenschaft darüber schuldig, wie du deinen Job bekommen hast. Jedenfalls, wenn du ihn gut machst.

„Ich bin schon fast mit dem Projekt fertig“

Du bist der größte Prokrastinierer, den diese Welt je gesehen hat. Deine Arbeitsweise entspricht einfach nicht dem braven und emsigen Mitarbeiter, der seine Aufgabe gefühlt schon vollendet hat, bevor er überhaupt den Auftrag dazu bekommen hat. Das schaffst du nicht. Und willst du auch gar nicht schaffen. Es spricht demnach nichts dagegen, den Chef auf Nachfrage mit einem eiskalt gelogenen „Ich bin schon fast mit dem Projekt fertig“ abzuspeisen. Aber nur solange du zum Abgabetermin damit fertig wirst.

Kleine Lügen können den Arbeitsalltag manchmal deutlich erleichtern. Sei den anderen gegenüber nicht unfair, aber deeskaliere bestimmte Situationen ruhig mit einer kleinen Schwindelei.  Absichtliche Täuschung und Betrug sind natürlich nicht erlaubt und können sogar strafrechtlich verfolgt werden. Dasselbe gilt für Unwahrheiten, die du über Kollegen verbreitest.

 

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