Warum eine Kündigung gut für die Karriere sein kann

Ganz tief in uns drinnen, haben wir alle Angst vor Niederlagen und dem Gefühl, versagt zu haben. Im beruflichen Kontext kommt deshalb für viele eine Kündigung durch den Arbeitgeber einem Horrorszenario gleich. Zu einer gänzlich anderen Einschätzung dieser Situation gelangt jedoch eine Umfrage, deren Kernaussage: Das Berufsleben geht nicht nur weiter, eine Kündigung kann sogar richtig gut für die Karriere sein.

Fehltritte sind kein Karriere-Killer

Für die Studie hat die Management-Beratungsfirma ghSMART über einen Zeitraum von zehn Jahren mehr als 2.600 Manager der „C-Suite“, also CEOs,CFOs, COOs – allesamt Personen im Top-Management – nach ihren Karrierewegen befragt. Davon wurden außerdem 360 Führungskräfte eingehender interviewt. Das Ergebnis: Mit 45 Prozent haben fast die Hälfte der Befragten einen großen Fehltritt – wie eine Kündigung, einen verpatzten Deal oder ähnliches – in ihrer beruflichen Laufbahn zu verzeichnen. Dennoch schaffte die große Mehrheit mit 78 Prozent der Führungskräfte sogar den Sprung in die Geschäftsführung.

Mit 18 Prozent wurde fast jede fünfte Führungskraft schon einmal entlassen. Nur 17 Prozent konnten die Kündigung als Anfängerschicksal verbuchen, weil sie in den ersten zehn Jahren der Berufstätigkeit gefeuert wurden. Die meisten Befragten ereilte die Entlassung demnach an einem weiter fortgeschrittenen Punkt ihrer Karriere. Der Rauswurf hinterließ aber nicht mehr als eine Delle im Lebenslauf: 68 Prozent der Betroffenen fanden binnen eines halben Jahres wieder einen Job. Weitere 24 Prozent hatten ein Jahr nach der Kündigung eine neue Stelle. Die neue Position war in neun von zehn Fällen gleich gut oder sogar besser als die zuvor.

„Mein Umfeld hat mir dazu gratuliert, als ich endlich gekündigt habe.“ – Arbeitgeberbewertung bei Veovita gtm

Wie wird die Kündigung zum Karriere-Booster?

Doch wie wird die Kündigung vom Hindernis zum Vorteil? Elena Lytkina Botelho, BJ Wright und Kim Rosenkoetter Powell schildern in der Harvard Business Review außerdem, wie die Befragten erfolgreich mit dem Rückschlag umgegangen sind. Führungskräfte, deren Karriere weiter bergauf ging, setzten auf diese drei Dinge:

Ein gutes Netzwerk aufbauen

Die Wahrscheinlichkeit über Personen aus dem beruflichen Netzwerk einen Job zu finden, war für die Befragten mit 59 Prozent gegenüber 28 Prozent doppelt so hoch, als über Recruiter oder private Bekanntschaften. Der simple Grund: Auch wenn uns Freunde und gute Bekannte gerne helfen wollen, die viel aussagekräftigere Empfehlung für eine Neubesetzung kommt von Personen, die bereits mit uns gearbeitet haben und uns im beruflichen Kontext kennen. Die Devise lautet daher: Networking lohnt sich.

Auf Erfahrung zurückgreifen

94 Prozent der Studienteilnehmenden, die innerhalb eines halben Jahres einen neuen Job fanden, hatten bereits Erfahrung in der jeweiligen Branche gesammelt. Dabei kann es ratsam sein, sich von Anfang an nicht nur auf eine Branche zu fokussieren, gerade zu Beginn der Karriere empfiehlt es sich Erfahrungen in unterschiedlichen Bereichen zu sammeln. Denn wenn es zu einer Entlassung oder einem Fehltritt kommt, haben Bewerbende nicht nur die eine Chance, sondern mehrere Möglichkeiten – und im Falle des Falles können sie auch in einer anderen Branche durchstarten. Aus der Umfrage geht auch hervor, dass für manche genau aus dieser Situation eine neue Perspektive für einen erfolgreichen Karriereweg entstanden ist.

Zu eignen Fehlern stehen

Ganz nach dem Motto: Nobody’s perfect. Denn Kandidatinnen und Kandidaten, die im Vorstellungsgespräch Anderen die Schuld geben, mindern ihre Chancen auf den neuen Job um ein Drittel. Wer sich ganz offen zu früheren Fehltritten bekennt, hat laut der Studie in Vorstellungsgesprächen die Nase vorn. Sehr selbstbewusste Bewerbende hätten demnach sogar eine zweieinhalbmal höhere Chance, den begehrten neuen Job zu ergattern und ihrer Karriere neuen Schub zu verleihen.

Warum? Wer sich Fehler eingestehen kann, wirkt sympathisch und selbstbewusst auf andere. Außerdem bietet jeder Fehltritt auch das Potential daraus zu lernen, das eigene Verhalten anzupassen und minimiert die Chancen, denselben Fehler nochmal zu machen. Doch nicht nur eine Kündigung kann die Karriere boosten, auch eine Beförderung kann der beruflichen Laufbahn unter Umständen schaden. Warum das so ist, erfährst du in diesem Beitrag.

„Ich kam, sah und ging freiwillig“ – Arbeitgeberbewertung bei DATEV eG

Quellen:

Studie: Harvard Business Review