Handstand auf Panoramastraße

Warum du als Neinsager ruhig mal aus der Reihe tanzen darfst

Wer nicht immer „Ja“ sagt, der ist unhöflich, langweilig und sowieso der totale Eigenbrötler. Schließlich verpasst er – genau wie der berühmte Blitz in How I met Your Mother – immer den ganzen Spaß und sitzt am Ende ganz alleine da. Wenn also ein Kollege mit einem charmanten Lächeln und einer kleinen Bitte oder Feierabendplänen an deinem Schreibtisch auftaucht, kannst du gar nicht „Nein“ sagen. Oder? Von wegen. Als Neinsager darfst du ruhig mal aus der Reihe tanzen.

#Nein, Chef. Ich habe eine andere Meinung.

Dein Chef ist cool. Und charismatisch, hilfsbereit, hat wirklich etwas auf dem Kasten. Aber mal ehrlich: Manchmal erzählt er schlichtweg Unsinn. Du könntest jetzt über seine schlechten Witze lachen, bei seinen Präsentationen nicken und deinen Kollegen erzählen „Er hat ja so recht“. Aber willst du das wirklich? Auch wenn es schwer fällt, einem Vorgesetzten zu widersprechen: Wenn du deine Meinung auf eine sachliche und argumentative Weise vertrittst, kannst du damit eigentlich nur Punkten. Als jemand, der für seine Ansichten einsteht, wirst du auch von deinen Chefs als ein verantwortungsbewusster und selbstständiger Mitarbeiter gesehen. Deswegen trau‘ dich, dem Vorgesetzten die Wahrheit zu sagen. Aber aufgepasst. Auch hier gilt: Die Verpackung zählt.

#Nein, ich finde das Meeting unnötig.

„Dafür setzte ich am besten ein Meeting an.“, grinst dein Kollege. Und spricht damit den Satz aus, vor dem es dich insgeheim wirklich graut. Denn du weißt: Meetings bedeuten eine ewig lange Terminsucherei und unzählige Outlook-Umfragen im Spamordner. Das ganze Team zeitgleich in einen Raum zu beordern ist – bei den ganzen anderen Meetings in den vollgepackten Terminkalendern – wirklich nicht so leicht. Wenn es dann irgendwie doch geklappt hat, stellst du fest: Das Thema hätte man auch locker auf dem Weg zwischen Kaffeeautomaten und Drucker klären können. Jetzt sitzt hier die gesamte Meute versammelt, nur um sich Dinge anzuhören, die sie entweder schon wissen sollte oder nicht zu wissen braucht. Und während deine Kollegen ihren Rekord in CandyCrush brechen, schreien die ungeduldigen To-Dos von deinem Schreibtisch zu dir herüber.

Im Normalfall würdest du einfach deine Zeit absitzen und dich danach wieder total gestresst deinen Aufgaben zuwenden, doch diesmal nicht. Du sagst „Nein“, stehst auf und gehst. Okay, Okay – wie du deine Meinung über ineffektive Meetings verpackst und ob du mit deiner Meinung mit der Tür ins Haus fällst oder Empathie und Ausstrahlung benutzt, bleibt ganz dir überlassen. Schaden wird deine Meinung in jedem Fall niemandem. Im Gegenteil: Laut einer Studie US-amerikanischer Wirtschaftspsychologen entstehen durch überflüssige Meetings jährliche Kosten von 37 Millionen US-Dollar.[2] Bei uns bei kununu gilt daher übrigens die Regel: Empfindest du ein Meeting als wenig effektiv oder hast das Gefühl, nichts zu einem bestimmten Themengebiet beitragen zu können, darfst du einfach aufstehen und gehen.

#Nein, das muss dich nicht deinen Job kosten.

Wenn du regelmäßig unseren Blog liest, kommt es dir sicher schon zu den Ohren raus – doch es muss immer wieder gesagt werden: Kenne deinen Arbeitsvertrag genau! Nur dann kannst du deine Rechte geltend machen und dafür einstehen. In vielen Abmachungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ist beispielsweise die Regelung zu Überstunden und Zeitausgleich geregelt – beziehungsweise gelten die allgemein gültigen Regeln der jeweiligen Länder. Und auch dein Chef muss sich daran halten. [2]

Auch können dich deine Vorgesetzten nicht zu Tätigkeiten zwingen, die in deinem Arbeitsvertrag nicht festgehalten sind. Aber Vorsicht: Wenn du diese Aufgaben schon über längere Zeit erledigt hast, musst du das im Zweifel auch weiterhin tun. An welcher Stelle dein „Nein“ also noch freie Meinung ist und ab wann du mit einer Arbeitsverweigerung deinen Job aufs Spiel setzt, muss dir in jedem Fall klar sein. Daher sollte deine Ansicht immer gut begründet, nachvollziehbar und höflich formuliert sein!

#Nein, ich mache heute keine Überstunden.

Draußen scheint die Sonne, die Kollegen sind längst ausgeflogen, doch du klebst noch am Bildschirm. Denn obwohl dein Überstundenkonto aus allen Nähten platzt, lässt dich das schlechte Gewissen einfach nicht von deinem Arbeitsplatz aufstehen. Und damit bist du nicht allein: 43,5 Stunden – so viel arbeiten laut einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Vollzeitbeschäftigte pro Woche. Zeit also, sich vor der Leistungsgesellschaft zu behaupten und auch mal zu akzeptieren, dass so viel wie nötig an manchen Tagen einfach genug ist.

Eine Studie im Journal of Consumer Research hat dafür auch einen passenden Tipp parat. Denn häufig scheitert unser Neinsagen schon am inneren Monolog. Ein Experiment mit 120 Studierenden ergab: Schon das kleine Wörtchen „kann“ macht den Unterschied bei der letztendlichen Umsetzung. Wenn du dir selbst also das nächste Mal lieber „Ich mache heute keine Überstunden.“ sagst, anstatt: „Ich kann keine Überstunden mehr machen.“, stehen die Chancen für deinen frühen Feierabend deutlich besser! [3]

 

Quellen:

[1] wirtschaftswoche.de

[2] arbeiterkammer.at

[3] t3n.at