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Bekannte Gehälter

Von der Polizei zur Radprofi: So viel verdient Antonia Niedermaier heute

Veröffentlicht:  10. August 2026, 07:43
2 min

Antonia Niedermaier fährt 2026 erstmals bei der Tour de France Femmes. Am Sonntag beendete sie die neuntägige Rundfahrt als erste deutsche Fahrerin seit Neustart der Tour im Weißen Trikot der besten Nachwuchsfahrerin und wurde Vierte der Gesamtwertung – nur knapp am Podium vorbei. Nach ihrem zweiten Gesamtrang beim Giro d’Italia zählt die 23-jährige Rosenheimerin damit zu den größten deutschen Rundfahrttalenten überhaupt. Ihre Karriere begann allerdings nicht auf dem Rennrad, denn ursprünglich hatte sie noch einen anderen Berufsplan.

Vom Skibergsteigen ins WorldTour-Peloton

Niedermaier betrieb zunächst Berglauf und wechselte nach einer Verletzung zum Skibergsteigen. Dort wurde sie unter anderem Doppel-Juniorenweltmeisterin. Das Rad nutzte sie anfangs vor allem als Trainingsgerät. 2022 schloss sie sich Canyon//SRAM Generation an, ein Jahr später stieg sie ins WorldTour-Team auf. Inzwischen ist sie Giro-Etappensiegerin, zweifache U23-Weltmeisterin im Einzelzeitfahren und eine der stärksten deutschen Rundfahrerinnen.

Beim Höhepunkt der Tour de France Femmes 2026, der Königsetappe zum Mont Ventoux, fuhr sie als Fünfte über die Ziellinie – und das auf ihrer Premiere-Rundfahrt in Frankreich. „Es dauert noch ein bisschen, bis man das realisiert“, sagte sie nach dem Zieleinlauf in Nizza in der ARD. „Es war eine supertolle Tour, ich freue mich, dass es so ein gutes Ergebnis geworden ist.“

38.000 Euro Mindestgehalt für eine WorldTour-Fahrerin

Niedermaiers tatsächliches Gehalt bei Canyon//SRAM ist nicht öffentlich bekannt. Als regulär angestellte Fahrerin eines Women’s WorldTeams müsste sie 2026 aber mindestens 38.000 Euro brutto im Jahr erhalten.

Bruttogehalt Vollzeit jährlich

Ø 38.000 €

Bei einem selbstständigen Dienstvertrag beträgt die Untergrenze 62.320 Euro. Der höhere Betrag ist nicht direkt vergleichbar, weil Selbstständige Sozialabgaben, Versicherungen und Altersvorsorge weitgehend selbst tragen.

Außerhalb der höchsten Rennklassen verdienen viele Fahrerinnen wesentlich weniger. Laut The Cyclists’ Alliance lagen 2025 rund 80 Prozent der Einkommen außerhalb von WorldTour und ProTeam unter 20.000 Euro jährlich. Einige Fahrerinnen erhielten überhaupt kein Gehalt.

Kein Startgeld fürs Mitrollen, 50.000 Euro für Gelb

Die Teilnahme an der Tour de France Femmes garantiert kein persönliches Preisgeld. Wer keine prämierte Etappenplatzierung erreicht und die Rundfahrt außerhalb der besten 20 beendet, kann trotz neun Renntagen mit null Euro individuellem Rennpreisgeld nach Hause fahren. Das reguläre Teamgehalt läuft aber währenddessen weiter.

  • Ein Etappensieg bringt 4.000 Euro,
  • Platz zwei 2.000 Euro und
  • Platz drei 1.000 Euro.
  • Die Gesamtsiegerin erhält laut offiziellem Reglement 50.000 Euro.
  • Für den zweiten Gesamtrang gibt es 25.000 Euro,
  • für den dritten 10.000 Euro.

Allerdings werden solche Prämien im Radsport häufig mit Helferinnen und dem Betreuungsstab geteilt.

Plan B Polizei: rund 39.500 Euro Grundgehalt

In einem Interview aus dem Jahr 2021 erklärte Niedermaier, nach dem Abitur zur Bayerischen Polizei und in deren Spitzensportförderung gehen zu wollen. Öffentlich belegt ist jedoch nur dieser damalige Plan – nicht, dass sie tatsächlich eine Polizeiausbildung begonnen hat.

Der Einstieg in den früher sogenannten gehobenen Polizeidienst erfolgt in Bayern über ein dreijähriges Studium. Die Bayerische Polizei nennt rund 1.495 Euro netto im ersten und etwa 2.520 Euro netto ab dem zweiten Studienjahr.

Nach dem Abschluss beginnt eine Polizeikommissarin grundsätzlich in der Besoldungsgruppe A9. Das Grundgehalt liegt derzeit bei 3.294,99 Euro brutto im Monat, also rund 39.540 Euro jährlich. Mit typischen Stellen- und Polizeizulagen sind rechnerisch rund 43.100 Euro brutto im Jahr möglich.

Bruttogehalt Vollzeit jährlich

Ø 43.100 €

Damit liegen das WorldTour-Mindestgehalt einer angestellten Radprofifahrerin und das Einstiegsgrundgehalt bei der Bayerischen Polizei erstaunlich nah beieinander. Die Polizeilaufbahn bietet mehr Planungssicherheit; im Radsport hängen Einkommen und Vertragsdauer stark von Leistung und Gesundheit ab.

Niedermaier hat sich vorerst für das größere Risiko entschieden und hat gerade auf ihrer ersten Tour de France Femmes gezeigt, dass sich dieses Risiko auszahlt: als erste Deutsche im Weißen Trikot, mit vier Etappen unter den ersten 15 und Rang vier in der Gesamtwertung.