Von der Pflicht zu helfen – Interview mit einer Feuerwehrfrau

Während das Hochwasser tobt, der Sturm das Land verwüstet und Bürohäuser abbrennen, sind sie unermüdlich im Einsatz – manchmal tagelang. Während es vor allem in den Städten noch Berufsfeuerwehren gibt, dominieren in den ländlicheren Regionen die Freiwilligen Feuerwehren. Doch warum engagieren sich zahlreiche Männer und Frauen ehrenamtlich für die Sicherheit der anderen? Wir haben bei der Gruppenkommandantin Ines Ebner nachgefragt, warum sie sich seit Jahren freiwillig engagiert und was die Faszination Feuerwehr genau ausmacht.

kununu: Was genau ist deine Aufgabe bei der Feuerwehr?

Ines Ebner: In unserer Ortsfeuerwehr habe ich aktuell die Aufgabe des Gruppenkommandantes über, der die Verantwortung für die Gruppe im Einsatzfall hat. Angefangen habe ich allerdings 2008 als bei uns im Ort die Jugendfeuerwehr gegründet wurde, deren Leitung ich damals übernommen habe. Vor ein paar Jahren habe ich diese Position zurückgelegt und kurz darauf das Amt des Abschnittsfunkwartes übernommen. Das bedeutet, dass ich in unserem Bezirk für sechs Feuerwehren die Ansprechperson im Bereich Nachrichten- und Alarmwesen bin. Außerdem bin ich als Ausbilderin bei den unterschiedlichen Funkkursen im Bezirk tätig und bewerte dabei auch die Leistungen der Teilnehmer beim Funkleistungsabzeichen auf Landesebene.

Wie bist du überhaupt zur Feuerwehr gekommen?

Unser Feuerwehrkommandant hat mich einfach gefragt, ob ich nicht Interesse hätte zur Feuerwehr zu gehen. Ehrlich gesagt hatte ich mich damals nicht mit dem Gedanken beschäftigt, Feuerwehrmitglied zu werden, da es zu diesem Zeitpunkt auch noch keine Frauen in der Feuerwehr gab. Aber nach ein paar Gesprächen mit unserem Kommandanten sind zwei Freundinnen und ich als erste Frauen in der Geschichte unserer Feuerwehr beigetreten und bis zum heutigen Tag noch engagiert im Einsatz.

Wolltest du dich grundsätzlich einfach freiwillig engagieren oder war es dein Traum, bei der Feuerwehr zu arbeiten?

Der Grund, warum ich dazumals der Feuerwehr beigetreten bin, war, mich für die Sicherheit anderer zu engagieren und Menschen im Notfall helfen zu können. Natürlich gibt es auch sehr interessante Berufssparten bei der Feuerwehr wie zum Beispiel bei der Berufsfeuerwehr am Flughafen, allerdings war das für mich nie ein Thema.

Was ist das für ein Gefühl, wenn der Piepser geht und du weißt, dass gleich der nächste Einsatz auf dich wartet?

Aktuellen werden wir mit einer mobilen App und zusätzlich einer SMS alarmiert. Das bietet uns schon im Vorhinein die Möglichkeit zu sehen, ob es sich um einen Brand, einen technischen Einsatz oder Notfall mit gefährlichen Stoffen handelt und auch wo der Einsatz ist. Aber egal was es für ein Einsatz ist, der Adrenalinspiegel und der Puls schießen beim erstem Alarm hoch.

Du fragst dich wie es bei einem Einsatz zugeht? Dann schau doch mal vorbei bei dem Traktorbrand, den Ines‘ Feuerwehr zuletzt gelöscht hat.

 

Dein eigenes Leben riskieren, um andere Leben zu retten. Wie ist dein Zugang dazu?

„Unsere Freizeit für Ihre Sicherheit.“  Das ist unser Grundsatz und entweder man steht dafür oder eben nicht.

Früher war es selbstverständlich, dass man den Nachbarn und Freunden half, wie sieht das heute aus?

In der heutigen Zeit ist es immer häufiger der Fall, dass Leute für ihre Hilfe auch eine Gegenleistung verlangen und kaum mehr an freiwillige Hilfestellung denken. Darum finde ich es wichtig, dass Menschen Organisationen wie der Freiwilligen Feuerwehr beitreten. Sie sollten wieder lernen, was es bedeutet, Menschen in Notsituationen zu helfen und etwas Gutes zu tun – ohne dafür entlohnt zu werden.

Wie läuft eine Ausbildung zum Feuerwehrmann ab?

Jeder der sich bei der Feuerwehr meldet, muss gewisse Grundkurse machen oder sich dann je nach Funktion oder persönlichem Interesse, Fortbildungen unterziehen. Sofern jemand nicht die Grundausbildung abgeschlossen hat, darf er noch nicht mit uns mit auf Einsatz gehen. Dabei haben wir einen Grundsatz: „Der Einstieg und Ausstieg bei der Feuerwehr ist freiwillig – dazwischen liegt die Pflicht.“

Wie funktioniert eure Feuerwehr? Wie seid ihr organisiert?

Man kann nie genug Leute haben, aber für unsere Dorfbewohneranzahl haben wir genügend Mitglieder. Es gibt einen sogenannten „Stab“ in der Feuerwehr, in dem eine gewisse Anzahl an Feuerwehrmitgliedern eine bestimmte Aufgabe haben. Neben Kommandant und Kommandantstellvertreter, wären das zum Beispiel Kassier, Verwalter, Zugskommandanten, Gruppenkommandaten, Gerätemeister (wie Atemschutzwart, Funkwart, Gerätewart) und Jugendbetreuer. Diese Personen sind dann für Fortbildungen innerhalb der Feuerwehr zuständig und kümmern sich dann auch um die Übungen, die ganzjährig und in jeder Sparte stattfinden.

Ist deine Position in der Männerwelt der Feuerwehren hart erkämpft oder mittlerweile schon ganz normal?

Mittlerweile sind Frauen in der Feuerwehr keine Seltenheit mehr. Ich würde deswegen auch nicht sagen, dass es eine hart erkämpfte Position ist, sondern eher ein Umdenken in diesem damals stark männerdominierten Bereich stattfindet.

Ihr seid eine Freiwillige Feuerwehr und arbeitet alle ehrenamtlich. Bekommt man den Dank dafür zurück?

Definitv! Für uns ist dabei ein persönliches „Danke“ auch bei weitem mehr Wert als ein materielles „Danke“, um das geht es bei unserer Tätigkeit nämlich überhaupt nicht.

Sind deiner Meinung nach Institutionen wie die Rettung oder die Feuerwehr essentiell für Österreich? Würde es auch anders gehen?

Eindeutig ja – ohne die freiwilligen Institutionen würde es in vielen Katastrophenfällen, Unfällen, Brandeinsätzen und so weiter durchaus mehr Chaos gegeben. Die Berufsfeuerwehr und Berufsrettung könnten das Pensum an Hilfestellung alleine gar nicht abdecken können, weil sie dafür einfach zu wenig Arbeitskräfte hätten.

 


Ines Ebner ist Gruppenkommandantin bei der Freiwilligen Feuerwehr Tadten im schönen österreichischen Burgenland, nahe der ungarischen Grenze. Unter dem Motto „Unsere Freizeit für Ihre Sicherheit“ bekämpfen sie ehrenamtlich Traktorbrände, Sturmschäden und Verkehrsunfälle und sorgen so für die Sicherheit ihrer Mitbürger. Dabei darf für die Feuerwehrmänner und -frauen eines nicht fehlen: Kameradschaft, Spaß und Engagement.