Vier-Tage-Woche

Vier-Tage-Woche – ja, bitte?!

Du liegst in deinem wohlig warmen Bett, schläfst tief und fest und träumst von der perfekten Arbeitswelt. Auf einmal musst du nur noch vier Tage in der Woche arbeiten und bekommst dafür das volle Gehalt. Es ist Zeit für den seit Ewigkeiten geplanten Yoga-Kurs und du kannst endlich dein neues Buch in der gewonnenen Zeit auslesen. Und sogar deine Kinder freuen sich total, weil du sie an deinem freien Tag von der Schule abholen kannst. Du bist im Arbeitsparadies angekommen. Oh nein, der Wecker klingelt! Zeit, um die Vier-Tage-Woche und ihre Vor- und Nachteile einmal in der Realität unter die Lupe zu nehmen. Wir haben das für dich übernommen!

Was ist die Vier-Tage-Woche überhaupt?

Nur noch vier Tage pro Woche arbeiten, aber dafür das gleiche Gehalt kassieren? Das müsste doch für die Unternehmen den finanziellen Super-GAU bedeuten, oder? Nein. Bei einer Vier-Tage-Woche ist es im Gegensatz zur 30-Stunden-Woche nicht unbedingt der Fall, dass du insgesamt weniger Wochenarbeitsstunden ableisten musst. Zwar gibt es Unternehmen, die dir für weniger Wochenstunden dasselbe Gehalt zahlen wie zuvor, diese sind aber noch eher rar gesät. Die meisten Unternehmen, die die Vier-Tage-Woche bereits eingeführt haben, bieten dir stattdessen die Möglichkeit, dass du deine normale Wochenarbeitszeit auf vier Tage aufteilen kannst und dafür nicht auf einen Teil deines Gehalts verzichten musst. Das heißt aber nicht, dass du zum Beispiel am Montag 15 Stunden und am Dienstag dafür wieder nur sieben Stunden arbeiten kannst. Du und dein Unternehmen müssen sich nämlich trotz flexibler Arbeitszeiten und der Vier-Tage-Woche an arbeitsrechtliche Vorgaben halten.

Dazu lohnt ein Blick in den eigenen Arbeitsvertrag bzw. Kollektivvertrag. In Deutschland steht im Arbeitszeitgesetz beispielsweise schon am Anfang geschrieben, dass die tägliche Höchstarbeitszeit acht Stunden nicht überschreiten sollte. Was? Wie sollst du dann jemals auf die Vier-Tage-Woche kommen? Keine Angst. Das Gesetz erlaubt grundsätzlich, dass die tägliche Höchstarbeitszeit auf zehn Stunden ausgebaut werden darf. Damit du nicht bis in die Puppen an deinem Arbeitsplatz bist, muss dein Arbeitgeber aber dafür sorgen, dass du innerhalb von sechs Monaten durchschnittlich nicht mehr als acht Stunden pro Werktag (Montag bis Samstag) arbeitest.

In Österreich hat sich nach der Einführung des 12-Stunden-Tages bei der Höchstarbeitszeit einiges geändert. Egal, was man von dieser Neuerung nun halten mag: Pro Arbeitstag darfst du nun inklusive Überstunden zwölf Stunden arbeiten – in Ausnahmefällen sind es sogar 12,5 bis 13 Stunden. Sofern dein Arbeitgeber dir das Go für die Vier-Tage-Woche gegeben hat, kannst du deine Arbeitsstunden innerhalb dieser Limits frei einteilen und einen Tag einsparen.

Was Österreich kann, kann die Schweiz noch einmal übertreffen. In der Regel liegt die Höchstarbeitszeit hier pro Tag bei 14 Stunden. Es gibt aber bezüglich der Stundenzahl einige Ausnahmeregelungen, die du am besten bei deinem Arbeitgeber vor einem Wechsel in die Vier-Tage-Woche erfragst. Hat man in der Schweiz bei diesen Anforderungen überhaupt noch die Chance auf eine gute Work-Life-Balance? In unserem Work-Life-Balance-Ranking sagen wir dir, welche Schweizer Unternehmen trotzdem noch damit punkten können.

Die Vorteile

Nicht umsonst ist die Vier-Tage-Woche für viele Arbeitnehmer die Traumvorstellung schlechthin. Immerhin gibt es so einige Vorteile, von denen du profitieren könntest. Ganz offensichtlich: Du hast einen weiteren arbeitsfreien Tag dazugewonnen. An diesem Tag hast du Zeit für Dinge, die mit einer Fünf-Tage-Woche einfach nicht möglich gewesen wären. Gerade für Familien kann das eine bessere und für alle Beteiligten angenehmere Aufteilung der Kinderbetreuung zur Folge haben.

Nur, weil du jetzt an weniger Tagen in deinem Unternehmen bist, heißt das nicht, dass du weniger leisten kannst. In deiner Anwesenheit legst du den Fokus auf deine Tages-, Wochen- oder Monatsziele und leistest vermutlich mehr als in einer weniger komprimierten Arbeitszeit. Du bist glücklicher, weil du deine Freizeit genießen und Abstand von der Arbeit gewinnen kannst. Bist du dann wieder zurück, legst du eine ganz neue Motivation an den Tag. Das hat auch mit Dankbarkeit zu tun. Du kannst deinem Unternehmen mit deiner Leistung zeigen, dass du die Entscheidung für die Vier-Tage-Woche schätzt. Und dein Arbeitgeber kann dich mit seinem Zugeständnis außerdem noch langfristig an sich binden.

Die Nachteile

Was? Die Vier-Tage-Woche hat nicht nur Vorteile? Nein, leider nicht. Die Nachteile halten sich jedoch in Grenzen und sind in gewissem Maße von dir selbst beeinflussbar. Nachteil Nummer 1 ist, dass du an vier Tagen voraussichtlich deutlich länger arbeiten musst und dir weniger Zeit für sonstige Aktivitäten bleibt. Sollten dein Arbeitgeber und du vereinbart haben, dass du mit der Vier-Tage-Woche deine Wochenarbeitszeit allgemein kürzt, dürfte sich das außerdem auf deinen Kontostand auswirken. Ein weiterer Nachteil könnte sein, dass du die gewonnene Freizeit nicht aktiv nutzt. Mach dir deshalb bewusst: Ich habe an vier Tagen deutlich mehr gearbeitet als ich es bei einer Fünf-Tage-Woche müsste. Deshalb sollte ich den Tag für meine optimale Work-Life-Balance voll auskosten oder wirklich einmal entspannen. Aber hättest du das nicht vielleicht auch mit einer Fünf-Tage-Woche und einer anderen Einstellung zum Wochenende gekonnt?

Wo gibt es die Vier-Tage-Woche?

Na, hast du die Vor- und Nachteile gegeneinander abgewägt und bist zu dem Schluss gekommen, dass die Vier-Tage-Woche für dich perfekt wäre? Dann dürfte dir jetzt vermutlich noch das passende Unternehmen fehlen, das deinen neuen Bedürfnissen am Arbeitsplatz gerecht wird. Wir stellen dir ein paar davon vor.

Frische Fische

Seit vier Jahren gibt es bei Frische Fische das Modell der Vier-Tage-Woche. Scheinbar hat das Unternehmen damit viele Dinge richtig gemacht, denn auf kununu gibt es für die Agentur einen Durchschnittsscore von 4,62. Und was sagt der Geschäftsführer und Gründer von Frische Fische, Jan Eppers, zur Vier-Tage-Woche? Wir haben ihn gefragt, welche Veränderungen er bei seinen Mitarbeitern und in seiner Firma seit der Einführung festgestellt hat:

„Die Donnerstage sind unsere absoluten Hochleistungstage geworden! Während früher der Freitagnachmittag eher lockerer Wochenausklang war, so wuppen wir jetzt alle am Donnerstagnachmittag unsere Schreibtische leer, grinsen uns auch nach vier Jahren fröhlich an und gehen ins lange Wochenende. Und am Montag geht’s motiviert weiter. Das ist natürlich keine knallharte Evaluation, aber im Grunde ist ja die freie Wahl pro oder contra Vier-Tage-Woche die Abstimmung über diesen Teil der Lebensgestaltung und da sind es bei uns dauerhaft Dreiviertel der Frischen Fische, die die vier Tage wählen.“

Comdirect Bank AG

Die Comdirect Bank AG hat mit 3,82 Sternen einen für die Banken-Branche überdurchschnittlichen kununu Score. Das liegt vermutlich auch daran, dass hier viele verschiedene Arbeitszeitmodelle – wie die Vier-Tage-Woche – möglich sind und immer wieder von den Vorgesetzten betont wird, dass man nicht länger in der Arbeit bleiben muss.

Bike Citizens

Bike Citizens, ein Unternehmen mit Sitz in Graz und Berlin, hat eine Navigationsapp für Fahrradfahrer entwickelt. Ähnlich innovativ waren die beiden Gründer Andreas Stückl und Daniel Kofler bei der Einführung der Vier-Tage-Woche in ihrem Unternehmen. Wie sie überhaupt auf das neue Arbeitszeitenmodell gestoßen sind, erklärten sie uns gerne:

„Die Idee einer Vier-Tage-Woche hatte ein ehemaliger Kollege. Er hatte von einem US-Startup gelesen, das nur an 4 Tagen arbeitete und behauptete, dadurch kreativer zu sein. Die Umstellung auf 4-Tage war zu einem Zeitpunkt, als das Team vor allem an Freitagen noch oft sehr lange im Büro saß, um Dinge fertig zu machen. Für die Vier-Tage-Woche sprachen bessere Strukturen und mehr Freizeit und damit eine bessere Work-Life-Balance. Dagegen sprach natürlich die Befürchtung, die Arbeit in der kurzen Zeit nicht zu schaffen.“

Die meisten Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterinnen waren gleich zu Beginn begeistert von der Neuerung. Ein ehemaliger Kollege, der in Berlin gearbeitet hatte, fand die Vorstellung, Freitags „allein zuhause zu sitzen“ nicht so attraktiv – aber das hat sich in der Praxis schnell widerlegt und auch er fand es schlussendlich toll, schon donnerstags Party machen zu können.

Mindsquare GmbH

Die Mindsquare GmbH, eine IT-Beratung und -Entwicklung mit Sitz in Bielefeld, zwingt seine Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterinnen nicht zu vorgegebenen Arbeitszeiten. Sitzt man doch einmal länger im Büro, liegt das daran, dass der Job bzw. die Branche einfach dazu verleiten. Ein Mitarbeiter berichtet in seiner kununu Bewertung, dass er von Montag bis Donnerstag so intensiv gearbeitet hat, dass er die Freitage für seine Freizeit oder persönliche Weiterbildung nutzen konnte. Nimmt man alle kununu Bewertungen zusammen, ergibt das übrigens einen Durchschnittsscore von 3,99 für die Mindsquare GmbH.

DocCheck Gruppe

Rund 260 Mitarbeiter kommen bei der DocCheck Gruppe in den Genuss der Vier-Tage-Woche. Das spiegelt sich im kununu Score, der bei für die Branche Internet / Multimedia überdurchschnittlichen 4,22 Sternen liegt, mit Sicherheit wider. Auf persönliche Belange wird hier Rücksicht genommen, damit du als Mitarbeiter einen angenehmen Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit bekommst. Zur DocCheck Gruppe gehört übrigens auch antwerpes, eine Agentur für Healthcarekommunikation. Auch hier dürfte die Vier-Tage-Woche möglich sein.

 

30-Stunden-Woche