Versaut dir eine Tätowierung deine Karriere?

Einfarbige Krawatten, Haarnetze oder Sicherheitsschuhe: In manchen Branchen dürfen uns unsere Arbeitgeber vorschreiben, welche Kleidung für den jeweiligen Job angemessen ist. Aber dürfen sie auch entscheiden, ob wir uns Tinte in die Haut jagen dürfen? Professor French von der University of Miami ist sich sicher: Tätowierungen werden unserer Karriere nicht schaden. Und das, obwohl das Klischee von negativen Personalermeinungen zu Körperbemalung immer noch Thema ist.

 

„Ich empfinde es als Diskriminierung, dass man keine Tattoos und Piercings haben darf, denn man kann auch mit Körperschmuck gepflegt sein.“

 

Gemeinsam mit Kollegen befragte Universitätsprofessor M. T. French mehr als 2.000 Personen in den Vereinigten Staaten und fand heraus: Menschen mit Tätowierungen wurden nicht weniger wahrscheinlich eingestellt als ihre tintenfreien Kollegen, das durchschnittliche Einkommen für beide Gruppen war ebenfalls gleich. Dabei hatten French und sein Forscherteam einen negativen Zusammenhang zwischen Tattoos und dem Erfolg am Arbeitsmarkt erwartet, da frühere Studien eine Diskriminierung gegenüber tätowierten Angestellten vermuten ließen. [1]

Bei ihrer Analyse zeigten sich – nachdem Beschäftigungsaussichten beeinflussbare Faktoren, wie zum Beispiel Alkoholkonsum und Gefängnisstrafen herausgefiltert wurden – keine signifikanten Zusammenhänge zwischen Körperkunst und Beschäftigung oder Einkommen. Unabhängig von Größe, Anzahl, Sichtbarkeit oder Offensivität scheinen Tätowierungen die Menschen nicht daran zu hindern, einen Job zu finden oder so viel Geld zu verdienen, wie alle anderen. [1]

 

Ist man Raucher oder tätowiert, wird man von vornherein negativ betrachtet.“

 

Zwar gibt es Studien, die immer wieder auf negative Einstellungen der Personaler hinsichtlich der sichtbaren Tinte von potenziellen Mitarbeitern verweisen, doch laut French sind einige dieser Erkenntnisse mehr als ein Jahrzehnt alt. Seiner Ansicht nach hat sich die Körperkunst weiterentwickelt und wird immer mehr als persönlicher Ausdruck der eigenen Person akzeptiert – genauso wie Kleidung, Schmuck oder Frisur. [1]

Kritisch zu sehen ist hier allerdings, dass es sich bei dieser Studie um eine Befragung, also hypothetische Situationen handelt. Hinzu kommt, dass die Uhren in Miami (Vice) vielleicht auch etwas anders ticken. Immerhin geht man hier auch mit weißem Leinenhemd auf Verbrecherjagd und nicht in klassischer Uniform. In Deutschland zeigte ein aktueller Fall eines Polizisten, dass es für Tätowierungen im Job keine Allgemeinlösung gibt.

 

„Bei der Auswahl der Jungpolizei wird immer noch auf Fehlsichtigkeit und Tätowierungen geschaut.“

 

Ein Oberkommissar hat gestern seinen Fall vorm Bayrischen Verwaltungsgerichtshof verloren. Weil die gewünschte Tätowierung beim Tragen der Sommeruniform sichtbar wäre, darf sich der Polizist keinen Schriftzug auf die Haut tätowieren. Grundlage für die gerichtliche Entscheidung ist Artikel 75 des bayrischen Beamtengesetztes: Denn danach darf die oberste Dienstbehörde nähere Bestimmungen über die Dienstkleidung und das äußere Erscheinungsbild der Beamten und Beamtinnen treffen. Die Polizeidienststelle befürchtete, dass dieser Körperschmuck zu einer Minderung des Ansehens führen könnte. [2] Demnach ist ein Verbot immer abhängig von der Aufmachung und Botschaft des jeweiligen Tattoos. Auch in Österreich gibt es ähnliche Regelungen: Hier sind „jene Tätowierungen zulässig, die bei aufrechter Körperhaltung und angelegten Armen von der Sommeruniform (kurzes Hemd und lange Hose) verdeckt werden oder die rein kosmetischen Zwecken dienen (Permanent-Make-up)“. [3]

 

Quellen:
[1] hbr.org
[2] spiegel.de
[3] standard.at