Einkommenssteuerreform
Steuerreform 2027: Tabelle zeigt, wie stark Angestellte entlastet werden
Bis zu 669 Euro mehr im Jahr: So viel bringt die geplante Einkommensteuerreform Familien in Deutschland ab 2028. Bei Alleinstehenden sind es je nach Einkommen nur 157 bis 254 Euro. Wer am Ende wirklich entlastet wird, entscheidet sich nicht am Gehalt allein.
Fünf Stellschrauben auf einmal
Der Koalitionsausschuss hat sich auf eine Reform der Einkommensteuer geeinigt. Die Reform greift in zwei Schritten, 2027 und 2028, und dreht an mehreren Stellschrauben:
- Der Grundfreibetrag steigt von 12.348 auf 12.900 Euro.
- Das Kindergeld klettert von 259 auf 272 Euro pro Monat.
- Der Arbeitnehmerpauschbetrag wächst von 1.230 auf 1.430 Euro.
- Der Spitzensteuersatz greift erst ab 70.600 statt bisher 69.878 Euro.
- Ein neuer Reichensteuersatz von 47 Prozent gilt ab 280.000 Euro.
Für Minijobs steigt zudem die Pauschsteuer von zwei auf fünf Prozent.
Tabelle: Welche Entlastung Arbeitnehmende erfahren
Wer wie stark profitiert, zeigt eine FOCUS-Modellrechnung.
| Bruttoeinkommen | Entlastung | Steuern | Kindergeld | prozentual |
|---|---|---|---|---|
| Single | ||||
| 30.000 € | 157 € | 157 € | 6,80 % | |
| 50.000 € | 178 € | 178 € | 2,60 % | |
| 80.000 € | 235 € | 235 € | 1,50 % | |
| 150.000 € | 254 € | 254 € | 0,60 % | |
| Alleinerziehend (1 Kind) | ||||
| 30.000 € | 309 € | 153 € | 156 € | 7,10 % |
| 50.000 € | 327 € | 171 € | 156 € | 3,70 % |
| 80.000 € | 200 € | 44 € | 156 € | 1,20 % |
| 150.000 € | 254 € | 98 € | 156 € | 0,60 % |
| Paar (Alleinverdiener) | ||||
| 30.000 € | 0 € | 0 € | 0,00 % | |
| 50.000 € | 259 € | 259 € | 9,00 % | |
| 80.000 € | 277 € | 277 € | 2,90 % | |
| 150.000 € | 400 € | 400 € | 1,20 % | |
| Paar (Doppelverdiener, ähnlich hohe Einkommen) | ||||
| 60.000 € | 313 € | 313 € | 6,80 % | |
| 100.000 € | 355 € | 355 € | 2,60 % | |
| 160.000 € | 470 € | 470 € | 1,50 % | |
| 300.000 € | 508 € | 508 € | 0,60 % | |
| Familie (2 Kinder, Alleinverdiener) | ||||
| 30.000 € | 312 € | 0 € | 312 € | 5,00 % |
| 50.000 € | 571 € | 259 € | 312 € | 6,20 % |
| 80.000 € | 589 € | 277 € | 312 € | 3,70 % |
| 150.000 € | 355 € | 43 € | 312 € | 0,90 % |
| Familie (2 Kinder, Doppelverdiener, ähnlich hohe Einkommen) | ||||
| 60.000 € | 626 € | 314 € | 312 € | 5,70 % |
| 100.000 € | 669 € | 357 € | 312 € | 3,30 % |
| 160.000 € | 422 € | 110 € | 312 € | 1,10 % |
| 300.000 € | 508 € | 196 € | 312 € | 0,50 % |
Familien holen am meisten heraus
Am deutlichsten entlastet werden Familien mit zwei Kindern und zwei mittleren Einkommen: Bei je 50.000 Euro brutto bleiben ab 2028 rund 669 Euro mehr im Jahr. Ein großer Teil stammt gar nicht aus dem Tarif, sondern aus dem Kindergeld – 13 Euro mehr pro Kind und Monat summieren sich bei zwei Kindern auf 312 Euro. Auch Alleinerziehende profitieren spürbar: Für ein Kind fließen allein 156 Euro zusätzliches Kindergeld, dazu kommt eine fast ebenso hohe Steuerersparnis.
Der Haken zeigt sich bei den Singles
Ganz anders bei Alleinstehenden. Ihre Ersparnis liegt je nach Einkommen nur zwischen 157 und 254 Euro – und schrumpft prozentual, je mehr sie verdienen. Der Grund steckt im Ehegattensplitting: Verheiratete verteilen ihr gemeinsames Einkommen rechnerisch auf zwei Schultern und nutzen Freibeträge doppelt. Ein kinderloses Alleinverdiener-Paar mit 50.000 Euro spart so 259 Euro, neun Prozent seiner bisherigen Steuerlast. Ein Single mit demselben Gehalt kommt auf einen Bruchteil. Nicht das Gehalt entscheidet also, sondern die Lebensform.
Für Steuerzahler:innen ist die Reform trotzdem eine Entlastung – nur eine kleinere, als beide Parteien versprochen hatten. Union und SPD wollten die Grenze zum Spitzensteuersatz ursprünglich auf 83.600 beziehungsweise 85.000 Euro heben; geworden sind es 70.600. Und final ist noch nichts: Die genauen Beträge sollen erst feststehen, wenn der neue Existenzminimumbericht vorliegt. Bis dahin gilt die 669-Euro-Rechnung unter Vorbehalt.