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Care-Arbeit in Österreich

Für Stocker ist Kinderbetreuung keine Arbeit – dabei ist sie 98.000 Euro wert

Veröffentlicht:  18. August 2026, 05:12
2 min
Am 11. August 2026 lud Bundeskanzler Christian Stocker (l.) zur Veranstaltung "Österreich im Gespräch" in Villach. Im Bild mit Moderatorin Vera Russwurm (r.).
Foto: BKA/Christopher Dunker

Rund 98.000 Euro im Jahr wäre die unbezahlte Arbeit einer Mutter wert, bezahlt zu österreichischen Marktgehältern. Bundeskanzler Christian Stocker wollte Kinderbetreuung zunächst nicht als Arbeit sehen, die Arbeiterkammer nennt sie „Hundsarbeit“. Acht Berufe stecken in einem Familientag.

Ein Satz des Kanzlers, eine Woche Debatte

Bei seiner Sommertour fragte eine Frau, warum unbezahlte Arbeit von Frauen nicht gesehen werde. Stockers Antwort: „Ich würde das nicht als Arbeit sehen.“ Nach breiter Kritik entschuldigte er sich, Kinderbetreuung sei Arbeit. Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl blieb dabei: anstrengend, unbezahlt, ohne Arbeitszeitgrenze.

Acht Berufe, 14 Stunden, kein Gehalt

Was dieser Alltag am Arbeitsmarkt kosten würde, zeigt eine Auswertung von rund 9.200 österreichischen Gehaltsangaben von kununu. Acht Tätigkeiten, acht Vergleichsberufe, 14 Stunden täglich:

  • Kinder betreuen und erziehen: 4 Stunden, Kleinkinderzieherin (36.857 Euro)
  • Hausübungen begleiten: 2 Stunden, Lehrerin (52.140 Euro)
  • Kochen und Essen planen: 2 Stunden, Köchin (36.081 Euro)
  • Trösten und zuhören: 1 Stunde, Psychologin (58.861 Euro)
  • Termine koordinieren: 1 Stunde, Officemanagerin (44.662 Euro)

Unterm Strich stehen 97.722 Euro im Jahr, also 6.980 Euro brutto im Monat bei 14 Gehältern. Die 14 Stunden bilden Belastung und Verfügbarkeit ab, keine sauber getrennten Schichten: Vieles davon läuft im Alltag parallel.

Was zu Hause geleistet wird, fehlt später am Konto

„Was oft als selbstverständlich gilt, hätte einen hohen finanziellen Wert“, sagt Sandra Bascha, Senior Corporate Communications Manager von kununu. Unbezahlt heißt allerdings nicht folgenlos. Wer den Großteil der Betreuung trägt, reduziert Stunden und verliert Gehalt, das nie überwiesen wird.

Eine kununu Auswertung von 394.500 Gehaltsangaben aus Österreich beziffert das: Frauen verdienen im ersten Berufsjahr rund elf Prozent weniger als Männer, nach zehn Jahren Erfahrung 22 Prozent – 4.347 Euro Rückstand am Anfang, 14.680 Euro später. Ausgerechnet in der Familiengründungsphase wächst der Abstand am stärksten.

Die Entschuldigung des Kanzlers ist ausgesprochen, die Rechnung dahinter bleibt offen. Sie entscheidet sich nicht am Küchentisch, sondern an Arbeitszeitregeln und Pensionsanrechnungen. Was Anderl „Hundsarbeit“ nennt, steht auf keiner Gehaltsabrechnung, schlägt sich aber später am Pensionskonto nieder.