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Steuerpolitik

Steuerreform 2027 vereinbart: Bis zu 750 Euro mehr für die Mittelschicht

Veröffentlicht:  10. August 2026, 10:49
3 min
Drei Männer sprechen in einer Parlamentsdebatte miteinander.
Fotograf: Thomas Imo

Der Koalitionsausschuss aus Union und SPD hat sich Anfang Juli auf die Steuerreform zum 1. Januar 2027 geeinigt: Der Spitzensteuersatz soll erst ab rund 100.000 Euro greifen statt bislang bei knapp 70.000 Euro, kleine und mittlere Einkommen sollen entlastet werden – bis zu 750 Euro pro Jahr sind drin. Doch die Finanzierung steht noch nicht: SPD-Chef Lars Klingbeil sieht eine 30-Milliarden-Euro-Lücke im Etat 2027 und will Spitzenverdiener und Vermögende stärker belasten. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) lehnt das ab und verweist auf den Koalitionsvertrag.

Kleinere und mittlere Einkommen sollen profitieren

Die schwarz-rote Koalition plant die Reform ab Januar 2027. Profitieren sollen vor allem Menschen, die zwischen 2.500 und 3.000 Euro brutto im Monat verdienen – also rund 30.000 bis 36.000 Euro im Jahr. In dieser Spanne liegen viele klassische Berufe. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat als Ziel ausgegeben, 95 Prozent der Beschäftigten zu entlasten.

Diese Berufe liegen beispielsweise mitten in der Zielgruppe:

Die Beträge bleiben überschaubar: Volkswirt Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung nennt laut Tagesschau 100 bis 200 Euro pro Jahr für Geringverdiener, bei mittleren Einkommen bis zu 400 Euro. Wer 50.000 Euro brutto im Jahr verdient, könnte nach dem aktuellen Reformkonzept rund 750 Euro mehr pro Jahr behalten. Wer wenig verdient, zahlt prozentual ohnehin weniger Steuern und wird entsprechend weniger entlastet.

Mehrere hohe Stapel ungeordneter Papierdokumente mit farbigen Markierungen auf einem Bürotisch.
Beschlossen ist noch nichts: Die Reform soll zum 1. Januar 2027 wirksam werden.

Was im Koalitionsausschuss beschlossen wurde

Zentrales Ergebnis des Koalitionsausschusses vom 2. Juli: Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent soll künftig erst ab rund 100.000 Euro zu versteuerndem Einkommen greifen, bislang liegt die Grenze bei 69.879 Euro. Damit rutschen Facharbeiter:innen und Mittelstands-Beschäftigte deutlich später in die höchste Steuerklasse.

Bundeskanzler Friedrich Merz sprach von einem „großen Sprung“ angesichts der angespannten Staatsfinanzen.

Zur Gegenfinanzierung wurden mehrere Maßnahmen verabredet:

  • Die Pauschalsteuer auf Minijobs steigt von 2 auf 5 Prozent
  • Die staatliche Förderbank KfW soll 2027 und 2028 jeweils 500 Millionen Euro an den Bund abführen
  • Kürzungen beim Wohngeld sind vorgesehen
  • Auch die Spirituosensteuer soll erhöht werden

Die Grünen kritisieren das Paket. Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge nannte es eine „Mogelpackung“. Da die Reform der Einkommensteuer im Bundesrat zustimmungspflichtig ist, ist die Regierung im weiteren Verfahren auch auf Länder mit grüner Regierungsbeteiligung angewiesen.

Merz gegen Klingbeil: Der offene Streit um 30 Milliarden Euro

Trotz der Einigung Anfang Juli ist die Reform nicht durchfinanziert. Finanzminister Lars Klingbeil verweist auf eine absehbare Lücke von mehr als 30 Milliarden Euro im Etat 2027. Um sie zu schließen, will er eine Belastung von Spitzenverdienern und Vermögenden nicht ausschließen: „Da wird keine Option vom Tisch genommen.“

Merz erteilte dem Anfang August im ZDF-Sommerinterview eine Absage: „Union und SPD haben sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, dass die Steuern nicht erhöht werden. Dieser Koalitionsvertrag gilt.“ Auch CSU-Chef Markus Söder lehnt Steuererhöhungen strikt ab. Damit ist auch eine Erhöhung der Reichensteuer, die derzeit ab 277.826 Euro greift und 45 Prozent beträgt, vorerst vom Tisch, obwohl Merz und Söder Ende Juni noch signalisiert hatten, sich einer Anhebung nicht mehr zu verschließen. Steuerzahlerbund-Präsident Reiner Holznagel hatte davor gewarnt: Ein Prozentpunkt mehr Reichensteuer bringe dem Fiskus nur rund eine Milliarde Euro – bei der Spitzensteuer wären es fünf.

Damit hängt ausgerechnet die Gegenfinanzierung des größten Reformpakets seit Jahren in der Schwebe und mit ihr die Frage, wie viel von den 750 Euro am Ende auf den Konten der Mittelschicht landet.

Was jetzt zählt

Der Koalitionsausschuss hat die Richtung vorgegeben, das Gesetz muss aber noch durch Kabinett, Bundestag und Bundesrat. Bis zur ersten Auszahlung 2027 kann sich also einiges verschieben, vor allem an der Finanzierung, an der die konkrete Höhe der Entlastung hängt. Wer in der Zielgruppe zwischen 2.500 und 3.000 Euro brutto liegt, hat gute Chancen zu profitieren. Wie viel es am Ende wird, entscheidet sich im Streit zwischen Union und SPD in den kommenden Monaten.