Stellenabbau bei Audi: Kein Einzelfall in der Automobilbranche

Die Unternehmensführung des Autoherstellers Audi hat sich mit dem Betriebsrat auf ein Sparprogramm geeinigt: Bis 2025 sollen 9.500 Stellen gestrichen werden. Der massive Personalabbau ist dabei keine Ausnahmeerscheinung in der deutschen Automobilindustrie. Um zu sehen, wie die Mitarbeitenden die Stimmung  in der Branche wahrnehmen, haben wir einen Blick in unsere kununu Daten geworfen.

Abbau von fast 10.000 Stellen bis 2025

Audi steht unter Druck: Der Autohersteller will bis 2025 insgesamt 9.500 Stellen an deutschen Standorten streichen. Der Stellenabbau soll dabei sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen ablaufen, heißt es von Seiten des Unternehmens. In anderen Bereichen wie Elektromobilität und Digitalisierung sollen hingegen 2.000 Jobs geschaffen werden. Zu diesem Ergebnis kommt die Grundsatzvereinbarung zwischen dem Unternehmen und dem Betriebsrat nach monatelangen Verhandlungen.

Möglich soll dies dadurch sein, dass vor allem Ältere aus dem Betrieb ausscheiden. Audi teilte mit, dass es ein neues Vorruhestandsprogramm geben soll, außerdem werden Stellen nicht nachbesetzt, wenn Beschäftigte kündigen oder das Unternehmen verlassen. Zusätzlich ist auch im Management „ein prozentual gleichwertiger Abbau“ vorgesehen. Audi und der Betriebsrat hatten seit Längerem über den sogenannten Zukunftspakt verhandelt. Zuletzt war dabei auch über die Kürzung von Kapazitäten in den Werken Ingolstadt und Neckarsulm gesprochen worden. Für die rund 61.000 Beschäftigten an beiden Standorten galt bisher eine Beschäftigungsgarantie bis 2025. Die Beschäftigungsgarantie für die verbleibenden Audi-Beschäftigten in den Werken soll von 2025 bis 2029 verlängert werden.

Eine Branche unter Druck

Branchenkenner Stefan Bratzel nennt gegenüber der Berliner Morgenpost mehrere Herausforderungen in der deutschen Autobranche. Der Handelskrieg zwischen den USA und China, die unklare Situation um den Austritt Großbritanniens aus der EU sowie die Konjunkturschwäche ließen die Automobilproduktion in Deutschland bereits 2018 um neun Prozent schrumpfen. In diesem Jahr bis Ende September waren es weitere zehn Prozent. „Das trifft die Branche und ihre Zulieferer in erheblichem Maße“, sagt Bratzl, Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Hinzu kommen die hohen Kosten für den Einstieg in die Elektromobilität und speziell bei Audi die Folgen des Dieselskandals.

Mit dem massiven Stellenabbau ist Audi aber nicht allein, auch weitere Automobilhersteller und -zulieferer sind von Sparmaßnahmen betroffen. Gerade erst hatte Daimler einen Kahlschlag in der Führung verkündet, demnach müssen 1.100 Manager gehen. In der Sparte Trucks und Busse entfallen außerdem weitere 2.000 Jobs. Bei Ford sind es 5.400 Stellen und auch der Audi-Mutterkonzern VW baut Personal ab. Die Zulieferer sind ebenfalls betroffen: Continental spart in den nächsten zehn Jahren 7.000 Stellen ein und Bosch streicht 1.600 Stellen im Bereich Antriebstechnologie.

Auch der bayrische Automobilhersteller BMW muss sparen, gibt hingegen aber bekannt auf den Abbau von Stellen verzichten zu wollen. Dafür wird ab dem kommenden Jahr die Erfolgsprämie für die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen um knapp 20 Prozent gekürzt, wie das Unternehmen nach einer Betriebsversammlung mitteilte. „Auch in schlechteren Zeiten einer der Besten“, betitelt ein kununu User BMW als Arbeitgeber, wünscht sich aber dennoch „durchgängigere und ganzheitliche Kommunikation bis hin zum Werker“.

Gemischte Stimmung unter den Mitarbeitenden

Ein Mitarbeitender berichtet in einer Bewertung bei der Volkswagen AG bereits aus seiner Perspektive über die Stellenstreichungen und sieht diese – trotz insgesamt hoher Zufriedenheit mit seinem Arbeitgeber – sehr kritisch. Durch den massiven Stellenabbau würde es laut dem Erfahrungsbericht an Personal in der Produktion fehlen. Wie auch im Tochterkonzern Audi geplant, würden Stellen nicht nachbesetzt, wenn Kollegen in Rente gehen. Der User wünscht sich deshalb mehr Unterstützung und bessere Bezahlung für die Angestellten in der Produktion. Bei Audi AG werden die Folgen des Dieselskandals auf das Image des Arbeitgebers in einigen aktuellen Bewertungen thematisiert und sorgen für schlechte Stimmung.

Insgesamt liegen die genannten Automobilkonzerne und Zulieferer über dem Branchenschnitt von 3,16 und auch über dem allgemeinen Durchschnitt aller Arbeitgeber auf kununu von 3,37. In Hinblick auf die letzten drei Monate zeigt sich jedoch ein leichter Abwärtstrend. Aktuell haben alle Unternehmen im Vergleich zum Gesamtscore einen niedrigeren Wert zu verzeichnen. Von einem allgemeinen Stimmungseinbruch kann jedoch nicht gesprochen werden. Wie sich der Personalabbau auf die Arbeitsatmosphäre und -bedingungen auswirkt, wird sich wohl erst in Zukunft zeigen.

Quellen:

Handelsblatt, Zeit Online, Berliner Morgenpost