Scheine und Münzen liegen auf einem Tisch herum.

Statistik der Woche: Equal Pay

Ladies, höchste Zeit für kollektives Naserümpfen: Wir schreiben das Jahr 2016 – und noch immer bekommen Frauen und Männer unterschiedlich viel Gehalt für die gleiche Arbeitsleistung. Unsere Statistik der Woche zeigt die Auswüchse der Ungerechtigkeit.

Hand aufs Herz: Wir brauchen die Amerikaner in vielerlei Hinsicht. Apple, Donuts und Big Mac, NBA, Hip Hop, Jeans, Google und Co. – made in USA begeistert auf allen Ebenen. Weitaus weniger populär, aber umso wichtiger, ist dieser US-Import: der Equal Pay Day. Übersetzt heißt das soviel wie „Tag der Entgeltgleichheit“.

Und das steckt hinter dem Equal Pay Day: Ziel des Aktionstages ist es, die Ursachen der unterschiedlichen Bezahlung aufmerksam aufzuzeigen. Er markiert den Zeitpunkt, bis zu dem Frauen rein rechnerisch über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssten, um den gleichen durchschnittlichen Vorjahresverdienst wie ihre männlichen Kollegen zu bekommen. Und weil das Lohngefälle nicht nur in den Vereinigten Staaten ein brisantes Thema ist, wurde der Aktionstag im Jahr 2008 nach Deutschland geholt.

Gender Pay Gap: 22 Prozent*

Das Statistische Bundesamt gibt an, dass der durchschnittliche geschlechtsspezifische Entgeltunterschied in Deutschland bei rund 22 Prozent liegt. Daran ändert sich von Jahr zu Jahr: eher wenig. Die Zahl ist relativ stabil.

Equal Pay Day am 19. März 2016

Männer haben zwar ein X-Chromosom weniger als Frauen, dafür aber sehr viel mehr Zeit. Schon seit dem 1. Januar könnten die Herren der Schöpfung Däumchen drehen, während ihre Kolleginnen noch bis zum 19. März umsonst schuften: 79 Tage arbeiten Frauen in diesem Jahr umsonst.

Transparenz ist wichtig

In Deutschland ist bis heute das Reden über Geld ein gesellschaftliches Tabu. Laut einer aktuellen Erhebung auf kununu fühlen sich rund 51 Prozent der Frauen unfair behandelt, wenn es um Gehaltsauszahlungen geht. Die Unzufriedenheit ist groß und beweist: Handlungsbedarf hoch Zehn.

* Als Gender Pay Gap wird die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen bezeichnet. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verdienen vollzeitbeschäftigte Frauen in Deutschland durchschnittlich 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Diese Zahl drückt den unbereinigten Gender Pay Gap aus: Dabei werden die Einkommen der Frauen in Vollzeit mit denen der Männer in Vollzeit verglichen. Weil Frauen aber häufiger in schlecht bezahlten und tarifgebundenen Branchen und Berufen arbeiten, weniger oft in Führungspositionen vertreten sind und zudem häufiger als Männer im Niedriglohnsektor tätig sind, können gute zwei Drittel der Lohnunterschiede auf diese Weise erklärt werden. Es bleibt jedoch ein nicht zu erklärender Rest.

Um diesen zu untersuchen, schaut man sich die bereinigte Lücke an. Hier werden Männer und Frauen im gleichen Alter, vergleichbarer Ausbildung und Erfahrung, gleicher Tätigkeit und gleicher Arbeitszeit sowie – in der Regel – beim gleichen Arbeitgeber miteinander verglichen: Und trotzdem beträgt der Gehaltsunterschied  nach Angaben des Statistischen Bundesamts in Deutschland fast 8 Prozent. Es ist davon auszugehen, dass dieser Unterschied aufgrund von bewusster oder unbewusster Diskriminierung zustande kommt.

Quellen: Europäische Kommission – Justiz und Verbraucher, European Commission 2015