Anzug läuft auf Laufbahn los

Sport im Berufsalltag: So überzeugst du deinen Chef!

WM-Zeit ist Sport-Zeit. Während wir uns in der Freizeit in der Meisterdisziplin „Fußball gucken“ beim Bierkrugheben messen, reicht die Joggingstrecke in der Arbeit gerade mal bis zur Kaffeemaschine. In manchen Unternehmen läuft das allerdings anders – Sport zählt hier zu den Benefits. Welche positiven Auswirkungen Sport im Berufsalltag hat und wie du auch deinen Chef davon überzeugst, hat uns Marcell Holländer verraten. Als Head of HR bei dem Berliner Testing-Unternehmen Applause, hat er mit seinem Team vor einigen Jahren sportliche Angebote als Benefit für Mitarbeiter eingeführt. Mit Erfolg, wie sich zeigt.

kununu: Wie seit ihr auf die Idee gekommen, Sport in den Berufsalltag eurer Mitarbeiter einzuführen?

Marcell Holländer: Begonnen hat es damit, dass wir uns Gedanken über die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter gemacht haben. Wir steckten irgendwo zwischen erwachsenem Start-Up und einem kleinen Softwareunternehmen fest und befürchteten, dass wir unseren tendenziell jüngeren Mitarbeitern nicht genug bieten können. Denn es war klar, dass diese Generation nicht nur gemeinsam arbeiten möchte, sondern auch miteinander, über die Arbeit hinaus, etwas unternehmen will.

Sport im Berufsalltag. Klingt abstrakt, bei euch ist es Realität. Was genau kann man sich darunter vorstellen?

Wir nehmen zwei Mal im Jahr an Läufen teil, die speziell für Unternehmen designed sind. Im Sommer schwitzen wir beim Berliner Unternehmenslauf, im Herbst beim B2Run. In der Zwischenzeit bereiten wir uns in Laufgruppen darauf vor und kombinieren das ganze mit regelmäßigen „After-Work“-Yogaeinheiten.

Glaubst du, ist es leicht, seinen Vorgesetzten dafür zu ködern, gratis Yogaeinheiten für die Mitarbeiter zu organisieren?

Wo ein Wille, da ein Weg. Aber ja, ein Ansatzpunkt für die Überzeugungsarbeit ist sicher die betriebliche Gesundheitsvorsorge. Wir sind beispielsweise eine Kooperation mit der Techniker-Krankenkasse Berlin eingegangen, die uns die Yogaeinheiten ermöglicht hat. Für viele Mitarbeiter war das der Einstieg in eine Sportart, die jetzt auch aus ihrem privaten Leben nicht mehr wegzudenken ist.

Viele stoßen bei derartigen Vorschlägen auf den Klassiker „Da macht doch eh niemand mit!“. Gibt es dafür, deiner Meinung nach, einen guten Konter?

Auf jeden Fall! Mit einem Projekt kann man es nie allen Mitarbeitern recht machen, schließlich sind Geschmäcker nun einmal verschieden. Wir planen zum Beispiel, nächstes Jahr bei einem Hindernislauf mitzumachen und uns zur Abwechslung gemeinsam im Schlamm auszutoben. Projekte die wir schon hatten, waren Beachvolleyballturniere, Bowling als Teamevent oder auch, für Sportmuffel, Spieleabende. Doch egal was es ist, es geht vor allem darum, den Mitarbeitern das Gefühl zu geben, dass man ihnen etwas bietet und dass dadurch die Zufriedenheit im Team wächst.

Apropos Team – zieht das schlagende Argument „Kollegenzusammenhalt“?

Ich würde glatt sagen, dass das der größte Vorteil ist, den derartige Benefits mit sich bringen. Gemeinsamer Sport hilft den neuen Mitarbeitern sich zu integrieren, die Vermischung unter den verschieden Abteilungen zu fördern und vor allem auch Freundschaften innerhalb der Arbeit zu schließen. Bei uns sind beispielsweise 34 unterschiedliche Nationalitäten im Unternehmen vertreten, wovon einige neu in Berlin waren, als sie zu uns kamen. Man sieht direkt, wie sich, durch die sportlichen Aktivitäten, die neuen Leute integrieren. Denn die Teilnahme an einem Lauf kann man mit einem Teamevent gleichsetzen. Man geht zusammen an seine Grenzen, hat auch noch Spaß dabei und setzt sich zum Schluss zusammen in den Biergarten. Das ist meiner Meinung nach das, was verbindet und das Team stärkt.

Sport mit dem Chef – No Go oder gut für die Beziehung?

Das kommt auf das Unternehmen und den Vorgesetzten an. Wenn der Anzugträger-Chef mit der Einstellung „Ich bin der Abteilungsleiter und misch mich mal unter die normalen Leute“ an die ganze Sache heran geht, könnte es eher nach hinten los gehen. Wenn die Hierarchien allerdings flach sind, kein großer Altersunterschied vorhanden ist und sich die Führungskräfte aus dem Team herausbilden, wie es bei uns der Fall ist, gibt es dabei wirklich keine Schwierigkeiten. In der Vergangenheit gingen daraus eher, unabhängig von der Position, „Sportlerfreundschaften“ hervor, die sich auch in der Freizeit privat zum Basketball verabredeten.

Vielen Dank für das Interview!


Über den Interviewpartner:

Marcell Holländer ist Head of Human Resources bei der Applause GmbH in Berlin. Neben einer offenen Kommunikation, erfolgreichem Teamwork und einer fairen Feedbackkultur, ist dem Berliner IT-Unternehmen vor allem wichtig, dass die Mitarbeiter über gute Weiterentwicklungsmöglichkeiten verfügen.