Der Chef der Herzen sein kann schließlich jeder: Mit unseren Tipps wirst du ruck, zuck zum schlimmsten Chef aller Zeiten.

So geht’s: In 12 Schritten zum Horror-Chef

Lästige Mitarbeiter, übertrieben viel Verantwortung und jede Menge Bares, aber keine Zeit es auszugeben: So richtig Lust hast du auf deine Rolle als Chef schon lange nicht mehr und eigentlich wärst du auch viel lieber Skilehrer oder Straßenkünstler geworden. Keine Sorge, denn mit unseren 12 einfachen Tricks wirst du ruck, zuck zum schlimmsten Vorgesetzten aller Zeiten und hast garantiert bald deine Ruhe.

Oh, und falls du lieber der Chef der Herzen bleiben möchtest: Please don’t try this at work. 😉

1. Nonverbale Kommunikation

Nonverbale Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg eines jeden schlechten Chefs. Du hast Kritik an der Arbeit des Mitarbeiters oder einfach schlecht geschlafen? Das kannst du wunderbar durch Räuspern oder hochgezogene Augenbrauen artikulieren. Bei schwerwiegenderen Problemen kannst du auch mal lautstark schnauben und mit den Augen rollen bis es weh tut. Du kannst deinen Mitarbeitern auch verschiedene Handzeichen für „Sitz“, „Platz“, „Bring Kaffee“ oder „Ich erwarte den Bericht spätestens vorgestern auf meinem Schreibtisch!!!“ beibringen. Bei besonderer Begabung kannst du sie auch im Gedankenlesen trainieren.

2. Alles ist Chefsache

Bestehe als Chef darauf, in jegliche Entscheidung involviert zu sein, egal wie nichtig sie scheinen mag. Wie soll mit der abgelaufenen Milch im Kühlschrank verfahren werden? Blaue Kugelschreiber oder schwarze fürs Büro? Gib niemals, nie und unter gar keinen Umständen die Entscheidungsgewalt aus der Hand und verhindere dadurch den Untergang der Firma. Nimm dir dabei ausreichend Zeit, um zu zeigen, wie wohl überlegt du deine Beschlüsse fasst. Möchte ein Mitarbeiter zum Beispiel über Weihnachten frei nehmen, so solltest du dein Urteil darüber frühestens an Heilig Abend verkünden. Ist dein Team erst mal ausreichend konditioniert, kannst du Entscheidungen immer mal wieder mit den Worten „Kannst du das nicht selbst entscheiden?“ abschmettern, um maximale Verwirrung zu stiften. Bleib stets mysteriös und unvorhersehbar.

3. Fahr die Datenkrallen aus

Gib dich öfter mal volksnah und überzeuge deine Mitarbeiter davon, dass du im Grunde doch auch nur einer von ihnen bist. Baue ein freundschaftliches Verhältnis auf, indem du nach und nach immer persönlichere Fragen stellst, wie: „Wie war dein Wochenende? Wo geht’s im Urlaub hin? Wie bist du eigentlich sexuell orientiert und was hast du bei der letzten Wahl angekreuzt?“ Besonders reservierte Kollegen lockst du mit etwas Wein und unangemessenen Details aus deinem eigenen Privatleben aus der Reserve. Überschreite dabei bewusst Grenzen und sammle fleißig pikante Details, um sie später als Druckmittel, zum Beispiel während einer Gehaltsverhandlung, einsetzen zu können. Top-Themen, die du mit deinen Mitarbeitern besprechen solltest: religiöse und politische Ansichten, Krankengeschichte, Schulden sowie Familienplanung und Liebesleben.

4. James Boss, Agent 007: Erkrank an einem anderen Tag

Besonders im Winter häufen sich die Fälle: Ein Mitarbeiter wird fahnenflüchtig und meldet sich krank. Zeit, deine Fähigkeiten als Geheimagent unter Beweis zu bestellen. Ist der Mitarbeiter wirklich krank oder hat er nur leichtes Fieber? Rufe den Abtrünnigen erst mal an und bestehe auf eine ausführliche Beschreibung sämtlicher Symptome. Hör genau hin und bitte ihn, ins Telefon zu husten. Lass zudem deine maßlose Enttäuschung über den Verrat nicht unerwähnt. Frag nach, ob er nicht einfach stärkere Schmerzmittel nehmen oder seine Krankheit am Wochenende auskurieren kann. Bei hartnäckigen Fällen kannst du auch direkt mit dem Hausarzt verhandeln. Um auszuschließen, dass du einem Simulanten aufsitzt, solltest du dem Mitarbeiter spätestens am zweiten Tag der Krankheit einen Hausbesuch abstatten. Achte dabei auf Details: Trägt der angeblich Kranke Jogginghose oder Jeans? Wirkt er wirklich kränklich genug? Lass dir Medikamente zeigen und inspiziere gegebenenfalls Zungenbelag und benutzte Taschentücher. Dein Scharfsinn ist gefragt!

5. Ein bisschen Spaß muss sein

…aber nur für dich. Du bist ein Garant für Schenkelklopfer und ein Maestro der spitzen Pointen? Lass deine treue Gefolgschaft an deinem herausragenden Sinn für Humor teilhaben. Das Beste daran? Mitarbeiter sind sozusagen vertraglich dazu verpflichtet, über die Scherze des Chefs zu lachen. Als Thema deines Kabaretts eignet sich vor allem deine Belegschaft selbst. Ist eine Mitarbeiterin mit 30 immer noch Single? Oder hat der Praktikant einen exotischen Nachnamen? Toll, denn Persönliches und Äußerlichkeiten solltest du in deine Standup-Show unbedingt einbauen. Scherze auch häufig darüber, Mitarbeiter zu entlassen. Haha, immer wieder einen Lacher wert.

6. Ene mene muh, Liebling der Woche bist… nicht du.

Picke wahllos einen deiner Untergebenen heraus und ernenne ihn zu deinem Liebling. Lass diesem Mitarbeiter deine ungeteilte Aufmerksamkeit und Zuneigung zukommen. Lobpreise ihn vor versammelter Mannschaft, fördere seine Talente und lass alle wissen, wie dankbar du den Göttern der Arbeitswelt für seine Anwesenheit bist. Küre im Gegenzug dazu einen Mitarbeiter zu deinem persönlichen Blitzableiter. An ihm lässt du die kommenden Tage all deinen Unmut aus, beruflicher sowie privater Natur. Hat der Mitarbeiter trotz deiner Rundmail vergessen, dass du seit gestern Paleo-Diät machst und deinen Kaffee mit Kokosöl[1]  statt Milch trinkst? Oder verbringt er täglich satte fünf Minuten auf der Toilette? Führe ihm konstant seine Fehler vor Augen und weise ihn an, sich eine Scheibe von deinem Abteilungsliebling abzuschneiden. Spiele dieses Spiel genau so lange, bis sich dein Liebling in absoluter Sicherheit währt, und dein Sündenbock sich sicher ist, gar nichts richtig machen zu können. Dann vertausche die Rollen und amüsiere dich über absolute Verunsicherung und Verwirrung.

7. Alles musst du selber machen

Zeig dich kollegial indem du deinen Mitarbeitern häufig bedeutungslose Aufgaben abnimmst, die ihre Kompetenz ohnehin überschreiten. Du benötigst ein neues Logo? Anstatt dich an deinen Grafiker zu wenden, kannst du mit WordArts erste Entwürfe gestalten. Das finale Logo zeichnest du am besten in Microsoft Paint. Leite dein Werk schließlich an deinen Grafiker weiter und betone, dass du, als Chef, ihm nicht ständig seine Arbeit abnehmen kannst. Was aber, wenn ein Mitarbeiter dauerhaft einen echt guten Job macht? Auch dann solltest du seine Arbeiten öfters mal grundlos als unbrauchbar betiteln und anschließend nochmal selbst erledigen. „Alles muss man selber machen!“ und „Verlass dich auf andere, dann bist du verlassen!“ sollten zu deinen Standardsprüchen gehören.

Der Standardspruch eines jeden, miesen Chefs: Alles muss man selber machen!

8. Urlaubsreif? Niemals!

Egal ob du für vierzehn Tage in die Südsee fährst oder einen halben Tag auf Schulung bist: Die letzten drei Wochen vor deiner Abwesenheit sollten immer von Panik und Nervosität geprägt sein. Schließlich bist du die tragende Säule der Abteilung, wenn nicht gar des gesamten Branchenkosmos. Wie soll dein Gefolge ohne deine leitende Hand den Alltag bewältigen? Sprich laut über dein Misstrauen und deine Befürchtung, das Büro bei deiner Rückkehr in apokalyptischen Zuständen vorzufinden. Plane minutiös was während deiner Abwesenheit zu tun und zu lassen ist. Erstelle zusätzliche einen Notfallplan A und einen Notfallplan B, falls Notfallplan A versagt. Der Technik sei Dank kannst du dich mittlerweile per Webcam zuschalten und die Lage live überwachen, egal ob du dich gerade am Strand sonnst oder im Flugzeug festsitzt. Unterweise auch einen Mitarbeiter darin, dein virtuelles Abbild stündlich durch das Office zu hofieren, sodass du alles gut im Blick behalten kannst.

9. Das Meeting des Grauens

Hast du deine Mitarbeiter erst mal durch Angst, Druck und Frustration zu einem arbeitsamen Trüppchen geformt, kann es schon mal vorkommen, dass dir langweilig wird. Irgendwann kennst du den Zalando-Katalog auswendig und dir mangelt es akut an Inspiration für Mitarbeiterkritik. Um dein Stimmungstief zu unterbrechen, kannst du ein Meeting oder gar eine Krisensitzung einberufen. Ein bewährtes Thema hierfür ist z. B. die Steigerung der Produktivität. Dazu hast du letzte Woche schon drei Treffen abgehalten? Dann eröffne die Runde doch zur Abwechslung mal in trockenem bis bedrohlichen Tonfall so: „Was denkt ihr denn, warum wir heute in dieser Konstellation zusammensitzen?“ Nun darfst du dich über ängstliches Gestammel und verzweifelte Blicke freuen. Bleib auf jeden Fall so lange mit ernster Miene und starrem Gesichtsausdruck sitzen, bis jemand ein gutes Thema vorschlägt.

10. Ehre wem Ehre gebührt = Dir

Als unangefochtene Arbeitskraft des Jahrzehnts solltest du regelmäßig von deinen Heldentaten berichten und eine angemessene Runde Beifall einfordern. Deine Mitarbeiter hingegen solltest du nur sparsam mit Lob bedenken. Zu viel Anerkennung kann schließlich rasch zu Übermut führen. Erst glauben sie ihren Job richtig zu erledigen und im nächsten Moment rütteln sie womöglich schon an deinem Thron. Um das zu vermeiden, solltest du es mit Anerkennung also halten wie mit gutem Wein. Heißt: Nur zu besonderen Anlässen und die ersten fünf Gläser gebühren dir. Musst du unbedingt ein Lob aussprechen, so hebe stets hervor, dass der Erfolg auf deinen glanzvollen Chef-Qualitäten beruht.

11. E-Mail für dich

Ständig blinkt und piept es in deinem Mailfach. Deine Mitarbeiter wollen permanent geführt werden und dürsten nach Entscheidungen und Unterschriften. Daneben bleibt kaum noch Zeit für deine Onlineshopping-Aktivitäten und das Verfassen deiner Memoiren: In 12 Schritten zum miesesten Chef: Ich habe es geschafft, und Du kannst es auch! Um den Aufwand zu minimieren kannst du 80% der Nachrichten erst mal ungelesen in den Papierkorb schieben. Du wirst sehen, oft regeln sich Probleme dadurch ganz von selbst. Ein Mitarbeiter besitzt die Dreistigkeit, nachzuhaken? Beschuldige ihn auf jeden Fall damit, dir eine solche E-Mail niemals gesendet zu haben. Besonders lange Nachrichten kannst du übrigens anderen Mitarbeiter mit der Anmerkung „pls check“ weiterleiten. Auf E-Mails mit mehreren Fragen solltest du maximal mit einem „ok“ in der Betreffzeile reagieren. Beziehe dich damit aber niemals auf eine konkrete Frage. Deine Mitarbeiter sollen schließlich nicht gierig werden oder gar das Denken verlernen.

12. Vertrau auf dein Bauchgefühl

Für Entscheidungen über Kopierpapier oder Heftklammern solltest du dir mitunter einige Wochen an Bedenkzeit nehmen. Steht hingegen ein schwerwiegender Entschluss an, so fälle diesen kurzerhand mit Hilfe eines Pendels oder aus dem Bauch heraus. Dein Bauchgefühl lässt dich ja auch bei der Wahl des Mittagessens selten im Stich. Hast du entschieden, wohin die Reise geht? Dann verkünde dies niemals in großer Runde. Lass stets nur einen erlesenen Personenkreis daran teilhaben und vertraue auf das Prinzip der stillen Post. Hast du am nächsten Morgen beim Zähneputzen eine gegenteilige Eingebung? Dann ist Schnelligkeit gefragt: Verliere keine Zeit mit Erklärungen und schrecke nicht davor zurück, auch mehrmals täglich eine 180-Grad-Wende hinzulegen. Das zeugt von deiner Dynamik.

 

Konnten wir dir in unserem Guide noch etwas beibringen oder bist du ohnehin schon der schlimmste Chef aller Zeiten? Die kununu Bewertungen deiner Mitarbeiter geben Aufschluss. 😉

 

Quellen:

[1] Den sogenannten #Bulletproof Coffee, den man mit Butter oder Kokosöl trinkt, haben wir uns übrigens nicht extra ausgedacht. Fanden wir genauso verwirrend wie du gerade.