Selbstreflexion: 5 Experten-Tipps für den Arbeitsalltag

Reflektieren bedeutet im Wesentlichen soviel wie Nachdenken, Überlegen, kurz innehalten und in sich gehen. Viele Menschen verbinden diese Begriffe mit ihrer Freizeit, in der sie sich ab und zu mal bewusst Zeit nehmen, um all dem Trubel, der für sie ganz normal geworden ist, zu entfliehen. Glücksministerin Gina Schöler erklärt in diesem Beitrag, warum Reflexion nicht nur im Privaten, sondern auch am Arbeitsplatz von Bedeutung ist und gibt Tipps zur Selbstreflexion für den Arbeitsalltag.

Reflexion als Basis von allem

Sich selbst zu reflektieren bedeutet vor allem, sich mit sich zu beschäftigen und auseinanderzusetzen, das eigene Leben unter die Lupe zu nehmen, sich und sein Verhalten zu hinterfragen und dann auch zu erkennen, welche (schlechten) Angewohnheiten sich eventuell eingeschlichen ha­ben oder was wir weiter herauskitzeln und fördern können. Es ist unglaublich wichtig, dass wir uns immer wieder aus dem Tohuwabohu im Außen rausnehmen, dass wir den Pause-Knopf drücken, um nach Innen zu schauen – vom Machen ins Sein zu kommen und uns somit Zeit und Raum für uns selbst nehmen.

Oft haben wir so viel zu tun, dass wir denken, wir hätten keine Zeit für Reflexion. Doch das ist ein Trugschluss: Gerade, wenn die Phasen stürmisch sind und wir nicht wissen, wo oben und unten ist, müssen wir uns mehr als sonst Zeit einräumen, um uns bewusst Gedanken zu machen, uns Fragen zu stellen und auch um uns besser kennenzulernen. Selbstreflexion ist daher der Ausgangspunkt für unsere persönliche Weiterentwicklung, für alles, was danach kommt, für alles, was neu entstehen kann. Sonst läuft man Gefahr, sich im Kreis zu drehen – und das kann einen schwindelig fühlen lassen. So, als ob man die Orientierung verlieren würde.


„Am Arbeitsplatz wird der Druck so hochgehalten, dass für eine Verschnaufpause keine Zeit ist.“ – Arbeitgeberbewertung bei innoscripta GmbH


Bewusst innehalten

Wann habt ihr euch das letzte Mal bewusst Zeit für wichtige Themen genommen? Wenn ihr nicht wisst, wo ihr dabei anfangen sollt, dann ist ein guter erster Schritt, für sich alleine zu sein und zwar im wahrsten Sinne: ALL ein, mit all unseren Gefühlen, die gerade dazu gehören. Und sich dann essentielle Fragen zu stellen: Wie fühle ich mich gerade? Was treibt mich um? Wovor habe ich Angst? Was macht mich glücklich? Welche Ziele habe ich und verfolge ich sie gerade?

Während diesem Roadtrip zu sich selbst kann mal Gas gegeben werden, ein anderes Mal brauchen wir vielleicht eher den Leerlaufgang oder gar einen Boxenstop; an Gabelungen kann in die eine oder die andere Richtung abgebogen werden und es ist sogar erlaubt und auch erwünscht, mal rückwärts zu fahren oder gar die Route neu zu berechnen. Gerade wenn wir merken, dass wir unser Leben aktuell nicht so gestalten, wie wir es uns wünschen würden, können wir überlegen, was wir aktiv dafür tun können, um es in eine andere Richtung zu lenken. Innerhalb des Reflexionsrahmens können wir herausfinden, was ein gutes und glückliches (Arbeits-)Leben für uns selbst bedeutet. Sich diese Fragen zu stellen und danach zu handeln ist enorm wichtig für unser individuelles Glück und Wohlbefinden. Dadurch können wir erkennen, wer wir sind.


„Ein Arbeitgeber, für den man morgens gern aufsteht.“ – Arbeitgeberbewertung bei regiocom SE


Selbstreflektierende Tipps für den Arbeitsalltag

Selbstreflexion hilft uns also dabei, uns selbst besser kennenzulernen. Damit bietet sie die optimale Möglichkeit für die eigene Weiterentwicklung – ob privat oder beruflich. Gerade in der heutigen Arbeitswelt, in der Begriffe wie Stress, Burnout oder Mobbing für viele leider zum Alltag gehören, braucht es Strategien dafür, wie jeder Einzelne seine Tätigkeit gerne und stärkenorientiert erfüllt und wie gesamte Unternehmen eine gesunde Kultur erschaffen können, die dies ermöglichen und fördern. Studien zeigen, dass jeder sechste Beschäftigte innerlich schon gekündigt hat.[1] Und, dass noch nie so viele Deutsche aufgrund von psychischen Krankheiten im Job gefehlt haben wie letztes Jahr.[2]


„Ich hatte bis vor knapp einem Jahr zeitweise innerlich gekündigt, da die Stimmung damals katastrophal war.“ – Arbeitgeberbewertung bei Ruhrpumpen GmbH


Tipp 1: Auf die Stifte, fertig, los!

So simpel und doch so wirksam: Sich aufzuschreiben, was einen umtreibt und beschäftigt, was man erlebt hat, welche Gefühle dabei hochkommen, und welche Erfolgserlebnisse man hatte, ist eine der effizientesten Methoden der Selbstreflexion. Studien belegen, dass das Aufschreiben positive Effekte hat: Mitarbeitende, die niederschreiben, was sie über den Tag beschäftigt und worin sie erfolgreich waren, erzielen bessere Arbeitsleistungen.[3]

Dabei geht es gar nicht darum, jeden Tag einen Roman zu schreiben. Man kann auch einfach den Gedanken des Tages oder seine wichtigsten Erkenntnisse kurz notieren – manche sind Fans von Bulletpoints ganz nach dem Prinzip des “Bullet Journals”, es können aber auch Zitate oder Kurzgeschichten sein.

Tipp 2: Raus in die Welt.

Das selbst Aufgeschriebene kann man natürlich für sich behalten – immerhin gibt man dort sein Inneres Preis – oder man macht das Gegenteil und veröffentlicht genau das, beispielsweise auf einem Blog oder in einer (internen) Kolumne. Wir alle können uns bewusst darüber werden, was uns wichtig ist im Leben und uns somit aktiv für das persönliche aber auch für das gesellschaftliche Glück einsetzen. Wenn wir mit unseren Gedanken einen Schritt weiter gehen und sie in die Welt raustragen , können wir wichtigen Themen die Chance geben, gesehen zu werden.

Durch einen Blog- oder Kolumnen-Beitrag, z.B. im Intranet, können wir unsere Gedanken sortieren, sie aufschreiben und somit andere Menschen damit erreichen und sie zum Nachdenken und Handeln inspirieren. Außerdem gilt: Was einmal geäußert wurde – mündlich oder schriftlich – hat mehr Kraft, man verfolgt es eher und ist sich so des Themas mehr bewusst.

Tipp 3: Verwendet kleine Haftnotizen.

Für kleine Reflexionen zwischendurch eignen sich auch kurze Infos auf Haftnotizen wunderbar. Handlich, praktisch und immer bereit passen sie in jede Tasche und auf jeden Tisch. Dafür braucht man kein Tagebuch oder muss sich extra eine Pause nehmen, sondern kann diese ganz einfach in den (Arbeits-)Alltag integrieren.

Man kann sich beispielsweise in Stichpunkten aufschreiben, wie man sich gerade fühlt, welchen Themen man nachgehen möchte oder worauf der Fokus liegen sollte. Oder man beschriftet Zettel mit seinen eigenen Zielen, Stärken oder Werten und klebt sie sich als Reminder an die Wand, den Computer oder den Spiegel. Einer der Vorteile dieser bunten Zettel ist es, dass man ganz agil damit umgehen kann. Umkleben, sortieren, ersetzen, erweitern, clustern – alles im Handumdrehen gemacht und das kann enorm für Klarheit sorgen!

Tipp 4: Sprecht euch aus!

Habt ihr auf eurem Handy schon mal die Sprachmemo-App geöffnet und einfach drauf los gequatscht? Oder euch mit einer Sprachnachricht bei einem engen Freund “ausgeheult” oder einfach ins Nirvana philosophiert? Das kann sehr befreiend sein und es ist ebenso spannend, sich selbst dabei zu beobachten, wie im Moment des Sprechens plötzlich Gedanken klar werden, Ideen entstehen oder der Groschen fällt.

Habt keine Scheu vor der eigenen Stimme (man gewöhnt sich tatsächlich daran!), vergesst den Anspruch, der nächste Top-Radiomoderator oder die nächste Top-Radiomoderatorin zu werden und schaut einfach mal, wohin euch eure Gedanken bzw. eure Stimme trägt. Und wer weiß – vielleicht entsteht ja sogar eine ganze Serie, ein Podcast, vielleicht sogar ein interner Kanal für euch und eure Kollegen daraus.

Tipp 5: Smalltalk ganz groß.

Auch ganz kleine Mittel können große Wirkung haben. So können Plakate in der Kaffeeküche auch zu Reflexion anregen. Warum? Zum einen ist die Kaffeeküche der Umschlagplatz von Unternehmen: Hier trifft man sich mit Kollegen, auch mit solchen aus anderen Abteilungen, man kommuniziert miteinander und tauscht sich über alles Mögliche aus, während man Koffein tankt.

Wenn man sowieso dabei ist, sich zu unterhalten, kann man doch auch einmal tiefere Gespräche führen, andere Themen ansprechen und ganz neue Seiten an sich und den Kollegen kennenlernen, oder? Ein Plakat in der Kaffeeküche oder im Flur mit Fragen wie “Was bedeutet Erfolg für dich?” oder “Wie stellst du dir Arbeit in Zukunft vor?” können beispielsweise die Tür öffnen, um ganz neue Ideen zu generieren.


Gina Schöler
Glücksministerin – Speakerin, Trainerin und Autorin im Bereich Zufriedenheit, Positive Psychologie und Lebensgestaltung

Gina ruft als Glücksministerin mit Aktionen und Angeboten dazu auf, das Bruttonationalglück zu steigern. Als Trainerin und Speakerin macht sie auf fröhliche und unkonventionelle Weise Werbung für Werte und begeistert für wichtige Themen wie Zufriedenheit, Positive Psychologie und Lebensgestaltung. Um weitere spannende Artikel von Gina zu lesen, gibt es die Möglichkeit ihr auf XING zu folgen.


Quellen:

[1] Leseprobe Gallup Engagement Index 2019
[2] Gesundheitsreport 2020 TK
[3] HEC Paris

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Gesamter Artikel auf zukunft-personal.com