Schuss und Tor: Warum dein Job wie ein Fußballspiel ist

Du legst dir den Ball vor, Schuss und Tooooor! Da ist das Ding! Du bist Weltmeister! Oder? „Herr Meier!!!!! AUFWACHEN! Schlafen am Arbeitsplatz wird bei uns direkt abgemahnt“, schreit dein Chef neben deinem Bürosessel und weckt dich damit harsch aus deinem wunderschönen Traum auf.

Wie wäre es mal mit einem etwas spannenderen Arbeitstag ohne Langeweile? An diesem Morgen könntest du die Sache ja ganz anders angehen. Los, staub deine Sportklamotten ab! Heute bestreitest du nämlich dein erstes richtiges Fußballspiel. Der Gegner? Dein Job. Wir sagen dir, wie du das Spiel haushoch gewinnen kannst. Ganz ohne großartige Fußball-Skills.

Warmmachen

Vor dem eigentlichen Spiel geht es zum Warmmachen. Bei dir ist das der Weg in die Arbeit. Jeden Tag gehst du an denselben Bäumen vorbei, jeden Tag an demselben Kiosk. Richtig langweilig. Dabei kann dich dein Arbeitsweg eigentlich richtig motivieren und sowohl körperlich als auch psychisch auf die kommende Anstrengung vorbereiten. Für viele Aufwärmübungen aus dem Fußball brauchst du gar keinen Ball. Im Seitgalopp geht es also zur U-Bahn. Du brauchst dich gar nicht schämen! Schrei deinen Neidern einfach ein lautes „Ich bin der Bruder von Lionel Messi!“ entgegen und sie werden vor Ehrfurcht erstarren.

Einlaufen

Die Tür zum Spielfeld geht auf. Voller Stolz und mit pochendem Herz läufst du ein. Alle Blicke liegen auf dir. Wusstest du eigentlich, dass Cristiano Ronaldo immer mit dem rechten Fuß zuerst auf das Feld geht? Tja, bei der Weltmeisterschaft 2018 hat ihm das trotzdem kein Glück gebracht – oder er wurde beim Einlaufen von einem Uruguayer geschubst. Fakt ist jedenfalls, dass dir gewisse Routinen in deinem Arbeitsleben Sicherheit geben. Lebe deine kleinen Ticks also ruhigen Gewissens aus!

Hymne

Irgendwie muss man sich ja für einen 8-Stunden-Tag motivieren, nicht? Deshalb wird wie bei jedem Fußballspiel erstmal gesungen. Na gut, das willst du deinen Kollegen nicht antun. Vielleicht hilft ja eine Musik-Playlist gegen deine morgendliche Unlust. Wie wäre es mit Journeys Don’t Stop Believin‘, um dir den nötigen Antrieb zu geben? Während die Nationalhymne in den Fußballturnieren fest verankert ist, ist Musikhören im Arbeitsrecht nicht geregelt. Die meisten Arbeitgeber dulden deine Kopfhörer jedoch stillschweigend – jedenfalls, wenn deine Arbeitsleistung nicht darunter leidet. Der momentan umstrittene deutsche Nationalspieler Mesut Özil singt bei der Hymne übrigens grundsätzlich nicht mit. Nach eigenen Angaben nutzt der 29-Jährige diese Zeit zum Beten.

Seitenwahl

Auf welche Seite schlägst du dich heute? Bist du Faulenzer oder produktiv? Arbeitest du bis zur Mittagspause mit deinen Lieblingskollegen oder lieber gleich mit dem beängstigenden Chef am neuen Projekt? Beim Fußball entscheidet eine Münze. Der Gewinner darf die Seite wählen, der Verlierer bekommt den Anstoß.

Anstoß

Es ist Punkt 8 Uhr. Der Gegner hat die Seite gewählt und du hast Anstoß. Dein Schiedsrichter ist die Arbeitszeiterfassung. Los gehts! Pass auf, dass der Ball beim Anstoß nicht gleich ins Seitenaus rollt. Zu Arbeitsdeutsch: Auch wenn dein Tag gut anfängt, musst du darauf Acht geben, dass du deine kleinen Erfolge nicht gleich wieder zunichte machst.

Erste Halbzeit

Mach deinen Job fertig! Im wahrsten Sinne des Wortes. Der besondere Reiz beim Fußball genau wie im Job? Du weißt vorher absolut nicht, wie das Spiel bzw. der Tag ablaufen wird. Geht der Innenverteidiger Sergio Ramos hart mit dir ins Gericht und verpasst dir blaue Flecken? Oder sticht dich dein Erzfeind heute beim Rennen um den Managerposten aus?  Möglich. Es kann aber auch sein, dass der Innenverteidiger ganz sanft mit dir umgeht und sich beim Stolpern über einen Grashalm die Nase bricht. Und die Beförderung bekommst du, weil dein Kollege auf Social Media über deinen Chef gelästert hat. Trotzdem kannst und solltest du natürlich aktiv etwas für deinen Erfolg tun und auf ein torreiches Jobspiel hoffen.

Pause

Endlich steht die wohlverdiente Mittagspause an. Die Fußballer gehen nach den ersten 45 Minuten in die Kabine und besprechen mit dem Trainer die Strategie für die zweite Halbzeit.  Schlechte Nachricht gleich vorweg: Du wirst nicht ausgewechselt und musst bis zum Schluss durchhalten. Das hat der Trainer – dein Chef – schon vorab beschlossen. Beim Mittagessen mit deinen Lieblingskollegen kannst du dich gedanklich von den letzten Stunden lösen und deinen Kopf freibekommen. Ein kurzer Spaziergang durch einen nahegelegenen Park oder das Werksgelände kann Wunder wirken. Die letzten Minuten deiner Pause kannst du für etwas Selbstreflexion nutzen: Was musst du heute noch erledigen? Wofür machst du das hier eigentlich? Welcher Weg führt dich zum Tor und damit zum Sieg?

Zweite Halbzeit

Frisch gestärkt geht es aus der Pause zurück an den Arbeitsplatz. Der Spielstand? Null zu null. Du liegst mit dem Abschluss deines Projektes zurück, noch ist kein Sieg in Sicht und du bist müde. Trotzdem ist jetzt die letzte Chance, um noch etwas zu ändern. Es ist wirklich an der Zeit – dreh endlich den Swag richtig auf! Halte dich an Pierre-Emerick Aubameyang, Jerome Boateng oder Franck Ribéry, sie sind deine (Style-)Vorbilder.

Wenn alles nichts hilft, dann lass dich einfach hinfallen wie Neymar. Schau ein bisschen theatralisch und dein Chef wird dich sicher bemitleiden und nach Hause schicken. Du wolltest ja ganz sicher noch viel beitragen, aber es ging körperlich eben nicht mehr. Keine Sorge, die Lorbeeren für die Arbeit, die jetzt deine Teammitglieder erledigen, kannst du natürlich trotzdem einstecken. Ehrensache!

Verlängerung

Überstunden. Mag die eigentlich irgendjemand? Tja, auch Manuel Neuer kann nach 90 Minuten nicht einfach heimgehen, wenn seine Mannschaft um das Weiterkommen kämpft. Wobei es in diesem Fall gegen Südkorea vermutlich keinen Unterschied gemacht hätte. Es soll möglichst schnell ein Tor fallen, damit die Mannschaft nicht ins – durchaus beängstigende – Elfmeterschießen muss. Manche Leute sagen sogar, dass in der Verlängerung erst richtig um den Sieg gekämpft wird. Die Älteren unter uns erinnern sich: Der legendäre Kopfstoß von Zinedine Zidane an Marco Materazzi im Finale der WM 2006 bei einem Spielstand von 1:1 in der 110. Minute. Das klingt doch eigentlich ganz gut. Du hättest da sogar schon ein paar Ideen. Dem verhassten Chef Salz in die Zuckerdose geben, der Kollegin das Bein stellen oder dem Bürohund das Spielzeug wegnehmen – NEIN. Von Fouls siehst du besser ab, schließlich bist du ja doch kein richtiger Fußballer. Durchhalten ist angesagt!

Elfmeterschießen

Langsam zieht sich der Arbeitstag. Wir dürfen dich aber entwarnen. Das Ende ist in Sicht. Aber irgendjemand muss heute ja gewinnen und als Sieger vom Platz (oder aus dem Büro) gehen, nicht? Du Glücklicher! Du musst nicht allein ran. Vier Kollegen begleiten dich gegen die Konkurrenz. Und gemeinsam überzeugt ihr euren Chef heute ganz sicher von der Budgetplanung 2019. Kollege 1 trifft mit seiner kreativen Bildschirmpräsentation in die rechte Ecke. Kollege 2 überlistet den Chef mit spannend aufbereiteten Bilanzen aus dem letzten Jahr. Voll ins Schwarze geht die Auswertung des Controllings von Kollege 3. Wohin das ganze Geld fließen soll, weiß dann Kollege 4 und locht das Ding ein. Und du? Schießt zuerst mal gegen die Latte. Der Torwart berührt den Ball und verhilft ihm so noch unglücklich ins Tor. Sieg! Du hast deinen Job heute fertiggemacht! Schon gewusst? Die Kroaten mussten bei der WM 2018 bisher in allen KO-Spielen beim Elferschießen ran und haben Dänemark und Russland rausgekickt.

Dein Team hat in der letzten Minute verloren? Mach dir nichts daraus. Die Handball-WM findet erst 2019 statt, du kannst also noch umschulen.