Krebsrisiko langes Sitzen?
Schon 30 Minuten ohne Pause: Neue Studie zeigt unterschätztes Gesundheitsrisiko im Büro
Viele Beschäftigte in Deutschland verbringen ihren Arbeitstag fast ausschließlich im Sitzen. Dass dies nicht förderlich für die Gesundheit ist, ist den meisten bekannt. Eine neue Langzeitstudie mit mehr als 90.000 Teilnehmer:innen zeigt nun: Langes Sitzen kann schlimmere gesundheitliche Folgen haben, als bisher erahnt.
Lange Sitzphasen könnten Krebsrisiko erhöhen
Für die im Fachjournal PLOS Medicine veröffentlichte Untersuchung der Universität Glasgow werteten Forschende Daten von mehr als 90.000 Erwachsenen aus, deren Bewegungsverhalten über Aktivitätssensoren erfasst wurde. Das Ergebnis: Längere ununterbrochene Sitzphasen standen mit einem höheren Risiko für bestimmte Krebserkrankungen beziehungsweise eine höhere Krebssterblichkeit in Zusammenhang. Entscheidend ist also offenbar nicht nur, wie lange insgesamt gesessen wird, sondern auch, ob Sitzphasen regelmäßig unterbrochen werden. Die Studie zeigt eine statistische Verbindung, kann aber keinen ursächlichen Zusammenhang nachweisen.
Schon kleine Bewegungspausen machen einen Unterschied
Die Forschenden beobachteten, dass regelmäßige Unterbrechungen langer Sitzphasen mit Bewegung günstiger ausfielen als dauerhaftes Sitzen. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt in ihren aktuellen Leitlinien, sitzende Tätigkeiten möglichst häufig durch körperliche Aktivität zu ersetzen oder zumindest regelmäßig zu unterbrechen. Selbst kurze Wege oder wenige Minuten Bewegung können helfen, den Alltag aktiver zu gestalten.

Fünf einfache Tipps für den Arbeitsalltag
- Nach spätestens 30 bis 60 Minuten kurz aufstehen und ein paar Schritte gehen.
- Telefonate möglichst im Stehen oder Gehen führen.
- Für Wasser oder Kaffee bewusst den längeren Weg wählen.
- Wenn möglich Treppen statt Aufzug nehmen.
- Höhenverstellbare Schreibtische oder Steharbeitsplätze nutzen, wenn sie vorhanden sind.
Gesundes Arbeiten beginnt oft mit kleinen Veränderungen
Viele Beschäftigte verbringen den Großteil ihres Arbeitstages am Bildschirm. Projektarbeit, digitale Kommunikation und virtuelle Meetings führen häufig dazu, dass mehrere Sitzphasen hintereinander entstehen. Ob zwischendurch Bewegung möglich ist, hängt dabei oft nicht nur von der einzelnen Person ab, sondern auch davon, wie der Arbeitsalltag organisiert ist. Kurze Laufwege zwischen Besprechungen, bewegte Meetings oder bewusst eingeplante Pausen können dabei helfen, mehr Bewegung in den Arbeitstag zu bringen.
Wer sich über einen Arbeitgeber informiert, kann auch darauf achten, welche Rahmenbedingungen gesundes Arbeiten unterstützen. Dazu gehören beispielsweise ergonomische Arbeitsplätze, höhenverstellbare Schreibtische oder Möglichkeiten, den Arbeitsalltag bewegungsfreundlich zu gestalten. Solche Angebote ersetzen zwar keine Bewegung in der Freizeit, können aber dabei helfen, lange Sitzphasen im Job zu reduzieren.