Rente und Gehalt
Aktuelle Rentendaten: Wann man in Ost und West in Rente geht
Mehr als 30 Jahre nach der Wiedervereinigung gehen Menschen in Ost und West fast zeitgleich in Rente. Bei der Höhe der Rente klafft aber weiterhin eine Lücke, vor allem zwischen den Geschlechtern. Das zeigen aktuelle Daten der Bundeszentrale für politische Bildung.
Der Renteneintritt ist keine Ost-West-Frage mehr
Im Geburtsjahrgang 1941 gingen Menschen im Osten noch deutlich früher in Rente als im Westen: Frauen im Schnitt 23 Monate früher und Männer 6 Monate früher, wie die bpb zeigt. Grund war die Frühverrentung: Über 60 Prozent der ostdeutschen Männer dieses Jahrgangs nutzten die früheste mögliche Rente, trotz Abschlägen.
Die Abschläge stiegen, die Frühverrentung verlor an Reiz, Ost und West näherten sich an. Bundesweit stieg das Renteneintrittsalter derweil deutlich: von 62,3 Jahren im Jahr 2000 auf 64,7 Jahre im Jahr 2024, so die Deutsche Rentenversicherung.
Die Gründe der Entwicklung:
- Höhere Regelaltersgrenze
- Weniger vorgezogene Altersrenten
- Höhere Abschläge bei frühem Rentenbeginn
- Mehr ältere Menschen im Job
Der Unterschied liegt bei den Rentenpunkten
Seit 1. Juli 2024 ist ein Rentenpunkt in Ost und West gleich viel wert, bestätigt die Deutsche Rentenversicherung. Wie viele Punkte jemand sammelt, entscheiden aber andere Faktoren.
Die bpb zeigt: Die Renten stagnieren über Jahrgänge hinweg. Der Jahrgang 1955 bekommt im Schnitt nur 13 Prozent mehr als der Jahrgang 1941, und selbst das ungleich verteilt. Westdeutsche Männer und ostdeutsche Frauen erreichen etwa das alte Niveau. Ostdeutsche Männer dagegen verlieren: Ihre Renten sinken vergleichsweise weiter, obwohl frühere Jahrgänge im Osten einmal mehr bekamen als im Westen.
2024 lag die durchschnittliche Regelaltersrente ostdeutscher Frauen laut Deutscher Rentenversicherung rund 81 Prozent über der westdeutscher Frauen. Bei Männern kehrt sich das Bild um.
Was dahintersteckt
Wer wenig einzahlt, sammelt wenig Entgeltpunkte, egal wie hoch der Rentenwert ist. Die alten Arbeitsmarktentwicklungen wirken bis heute nach:
- Ost: Wirtschaftlicher Umbruch und Arbeitslosigkeit nach der Wende rissen Lücken in Erwerbsbiografien.
- West: Frauenrenten fallen oft niedriger aus, weil Teilzeit und Familienarbeit den Alltag prägten.
- Ost, Frauen: Historisch häufiger vollzeit- und durchgängig erwerbstätig, das zahlt sich heute aus.
- Ost, Männer: Häufige Frühverrentung schmälert die Rente bis heute.
Was das für künftige Rentnerjahrgänge heißt
Der Wohnort entscheidet heute kaum noch, wann jemand in Rente geht. Er entscheidet aber weiterhin mit, wie hoch die Rente ausfällt, denn das hängt von Erwerbsjahren, Einkommen und Unterbrechungen durch Arbeitslosigkeit, Teilzeit oder Pflege ab. Die Angleichung des Rentenwerts hat eine rechtliche Hürde beseitigt. Die über Jahrzehnte gewachsenen Unterschiede in den Erwerbsverläufen bleiben davon unberührt.