aufgemaltes Flugzeug am Boden

Ready for Takeoff, oder doch nicht? – Das Problemkind Ryanair

600 gestrichene, umgeleitete oder verspätete Flüge alleine im August. Soziale Medien, die sich regelmäßig mit neuen Beschwerden der Passagiere füllen, die am Flughafen sitzen gelassen wurden, statt über Wolken zu gleiten. Die verlorenen Gepäckstücke oder ähnliche nervige Kleinigkeiten, lassen wir einmal außen vor.  Ryanair. Eine Fluglinie, die aus den Turbulenzen nicht mehr herauszukommen scheint und dafür sorgt, dass durch Flugausfälle viele Schreibtische am Montag unbesetzt bleiben. Was dahinter steckt und warum die Mitarbeiter des irischen Billigfluganbieters ständig streiken, verraten wir euch heute.

Feuer im Triebwerk

Du kannst dir das Problem wie tausend kleine Funken vorstellen, die schlussendlich ein Feuer entfachen. Funke Nummer eins war die Gründung einer Billigfluglinie namens Ryanair, die mit ihren Kampfpreisen die Branche umgekrempelt hat und so zu einer der profitabelsten Fluglinien Europas aufstieg. Funke Nummer zwei war, dass es seit dem Erstflug keine Gewerkschaft gab, da Konzernchef O’Leary meinte, dass er sich lieber die Hand abhacken würde, als jemals Gewerkschaften anzuerkennen. Funke Nummer drei kam anders als geplant, denn nach massivem Druck war er dennoch gezwungen, im Dezember 2017 erstmals eine offizielle Gewerkschaft für den irischen Flugverkehrsriesen zu bewilligen. Funke Nummer vier war, dass die Preise für Flugtickets immer weiter sanken, bis sie schließlich einen Durchschnittspreis von 39 Euro erreicht haben. Beinahe linear gingen auch die Gehälter der Piloten, Flugbegleiter und Fluglotsen bergab. Funke Nummer fünf sorgte laut O’Leary schließlich für die Entzündung: Nachdem die Fluglotsen in Streit traten, taten es die Ryanair-Mitarbeiter ihnen gleich. Die Folgen des Brandes? 55.000 Passagiere blieben am Boden und die Rauchschwaden provozierten Kopfschmerzen bei den Vorständen.

Mitarbeiter sind das Kerosin

Dabei wäre der Brand einfach zu löschen, die Flugzeuge könnten wieder starten und mit zufriedenen Mitarbeitern als Treibstoff hoch und höher steigen. Denn mit ein bisschen Entgegenkommen, wäre die Bereitschaft der Mitarbeiter da. „Ob die Mitarbeiter die sogenannte Extrameile gehen und weitaus mehr machen, als nur die notwendigsten Pflichten zu erfüllen, hat mit der Zufriedenheit mit dem Arbeitgeber zu tun“, meint die ehemalige Flugbegleiterin Rita Kulicki. Tja, da hängt die Frage in der Luft wie das passieren soll? Mit fixen Gehaltsanteilen und mehr Jobsicherheit für Piloten. Außerdem fordern die Mitarbeiter ein fixes Gehalts-Schemata, die unabhängig von konkreten Flughäfen sind und einer Gehaltserhöhung nach mehreren Dienstjahren. Abgesehen davon fordern Flugbegleiter, dass ihr Gehalt nicht mehr zum Teil von den an Board verkauften Getränken und Speisen abhängig gemacht wird. Klingt nach viel Gejammer? Geflogen wird noch mehr! Deswegen sind die Forderungen in Zeiten eines immensen Wachstums jener Branche, eines enormen Pilotenmangel und eines immer größer werdenden Wettbewerbes unter den Billigfluglinien, nur gerechtfertigt.

Ryanair, wo fliegst du hin?

Wie der Flugplan in die Zukunft für die Mitarbeiter von Ryanair aussieht, weiß nur das Unternehmen selbst. Doch eines sei gewiss, Veränderungen wird es mit Sicherheit geben. Erst gestern sorgte das irische Flugunternehmen für Schlagzeilen, da die Streiks der Piloten zumindest in Irland Wirkung zeigten und sich die Gewerkschaft Forsa mit Ryanair auf eine Tarifvereinbarung einigen konnte. Heute spüren die Fluggäste erste Konsequenzen: Ab Herbst muss man größere Handgepäcksstücke, wie einen Handgepäckskoffer, aufgeben – gegen einen Aufpreis von bis zu zehn Euro. Ob das die erste Maßnahme ist, die höheren Gehälter der Angestellten auf Kosten der Passagiere wieder einzuspielen?

 

 

Quellen:

kontrast.at

derstandard.at

austrianaviation.net

austrianaviation.net