Ein Schloss vor einer grünen Tür

Phrasendrescherei: So entschlüsselst du Stellenanzeigen richtig

Für sieben von zehn Bewerbern ist die Stellenanzeige die erste Anlaufstelle auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber.[1] Für dich auch? Im Idealfall spiegelt sie, was für den Job und das Unternehmen spricht. Im Idealfall eben. Denn eine Analyse von 120.000 Jobannouncen im Internet ergab, dass Unternehmen in Stellenanzeigen vor allem mit Worthülsen werben.[2] Floskeln, Floskeln, Floskeln überall! Wir verraten dir, wie du die Phrasendrescherei richtig interpretierst.

Stellenanzeigen im Realitätscheck

Schwafelei ohne Ende

Willkommen am Stellenmarkt, dem Spielplatz für Fans einer gepflegten Runde Bullshit-Bingo. Denn eins ist klar: In Stellenanzeigen wird geschwafelt, was das Zeug hält. Die Hitliste der in Jobbeschreibungen immer wieder auftauchenden Schlüsselbegriffe hat es in sich. Der am häufigsten gebrauchte Begriff in Stellenbeschreibungen und somit Platz 1, ist „u.a. / unter anderem“. Pro Stellenanzeige kommt dieser Platzhalter im Durchschnitt zweimal vor. Gefolgt wird das Top Buzzword von Begriffen wie „Kunden“, „Team“ und „Verantwortung“. Sehr aussagekräftig, oder? Das heißt für dich: Mach dich unbedingt fit für „u.a.“ – was immer das auch heißen mag.

„Deutsche Unternehmen setzen in ihren Online-Stellenanzeigen auf Füllwörter, vorgestanzte Wortbausteine und Substantivierungen“, so das Fazit der Studieninitiatoren Manfred Böcker und Sascha Theisen. Auch das eigene Unternehmen wird in den Stellenanzeigen wenig kreativ beschrieben. „Weltweit“, „führend“, „international“ und „innovativ“ sind angeblich so gut wie alle Firmen. Kein Wunder, dass die meisten Stellenausschreibungen im Einheitsbrei versinken.

Deine Aufgabe? ung, ung, ung…

Mit Blick auf die Ansprüche an Arbeitnehmer ergibt sich folgendes Profil eines perfekten Bewerbers: Er ist „teamfähig“, „flexibel“ und hat einen guten „Abschluss“. Außerdem arbeitet er mit „Freude“ und „Engagement“ und zeichnet sich durch seine „Einsatzbereitschaft“ aus. So weit, so gut. Auch deine zukünftigen Aufgabenbereiche kann man leicht erraten. In den untersuchten Anzeigen wimmelt es nämlich nur so an Wörter, die auf – ung enden, darunter Begriffe wie Bereitstellung, Beratung, Identifizierung, Leitung, Koordinierung, Überprüfung. Du möchtest mehr darüber wissen? Zur kompletten Studie geht’s hier lang.

Die 7 schlimmsten Phrasen und was sie wirklich bedeuten

Den Phrasen-Code so mancher Stellenanzeigen zu entwirren ist oft nicht so einfach wie es scheint. Aus diesem Grund helfen wir dir und zeigen dir die schlimmsten Stellenanzeigen-Phrasen – und ihre wahre Bedeutung. Kommt’s dir bekannt vor?

Angenehmes Betriebsklima

Kann stimmen, muss es aber nicht. Verglichen mit einem Hagelsturm ist auch Schneeregen angenehm – genau so ist diese Aussage zu verstehen. Wer schreibt schon angespanntes Arbeitsklima in die Ausschreibung? Sich ins eigene Knie schießen, will ja keiner.

Attraktives Gehalt

Da sollten bei dir auf jeden Fall schon die Alarmglocken klingeln. Im Klartext: Die Höhe der Bezahlung ist mit großer Wahrscheinlichkeit alles andere als attraktiv. Höchstens für den Arbeitgeber selbst, weil es w-e-i-t unter dem Tarif liegt.

Belastbar, einsatzbereit & flexibel

Better watch out! Erstens: Es ist so viel zu tun, dass du an die Grenze deiner Leistungsfähigkeit kommen musst – und darüber hinaus. Zeitdruck und Stress sind deine neuen besten Freunde. Zweitens: Willkommen in der Überstunden-Falle. Drittens: Hier kann dir wirklich jede Arbeit übertragen werden: Kopieren von Papierstapeln, unbeliebte Projekte übernehmen & Co. Man muss ja „flexibel“ sein.

Entwicklungsmöglichkeiten

Weil in der Firma hohe Fluktuation herrscht, hast du schnell die Möglichkeit aufzusteigen. Warum? Alle anderen haben schon längst das Weite gesucht. Wir drücken die Daumen.

Jung und dynamisch

Das heißt so viel wie: Hier arbeitet keiner, der älter ist als um die 30 Jahre. In anderen Worten: Lange hält’s hier keiner durch. Das Unternehmen wächst so schnell, dass man mit dem Ausbau von Strukturen nicht hinterherkommt. Organisations-Chaos vorprogrammiert.

Reisebereitschaft

Klingt erstmal super spannend, bis du dann im angesagten Buxtehude landest, dem Hotspot in Deutschland … NOT. Sightseeing? Fehlanzeige. Hier gibt es absolut nichts zu sehen, außer deinem Hotelzimmer. Also darfst du darauf hoffen, dass die Firma wenigstens da nicht gespart hat.#fingerscrossed

Übliche Sozialleistungen

Herzlichen Glückwunsch! Das Unternehmen hat sich soeben selbst als 08/15 Laden geoutet. Die Devise lautet: Wir zahlen nicht mehr als wir müssen. Mehr solltest du also auch nicht erwarten. Aber hey, es gibt Urlaub – das ist doch schon was, oder?

 

Wie lief deine letzte Bewerbung?

 

Quellen:
[1] stepstone.de
[2] employer-telling.de