ORF als Arbeitgeber
ORF unter Druck: Was Beschäftigte über den Sender sagen
Beim ORF kommt gerade vieles zusammen: Roland Weißmann trat zurück, Ingrid Thurnher übernahm, Pius Strobl wurde freigestellt, am 11. Juni wird die nächste Generaldirektion gewählt. Während an der Spitze über Macht, Kontrolle und Kultur entschieden wird, zeigen aktuelle kununu-Daten den Blick aus dem Inneren. 68,5 Prozent empfehlen den ORF weiter, trotz klarer Kritik an Führung, Kommunikation und Karriere.
Der ORF steckt in einer Führungskrise
Der ORF steht vor einer der heikelsten Personalentscheidungen der vergangenen Jahre. Am 11. Juni 2026 soll der Stiftungsrat die Generaldirektion für die kommenden fünf Jahre bestellen. Die Funktion wurde am 30. April ausgeschrieben, die Bewerbungsfrist endete am 28. Mai.
Doch diese Wahl findet nicht im Normalbetrieb statt. Im März trat Roland Weißmann nach Vorwürfen unangemessenen Verhaltens zurück; er weist die Vorwürfe zurück. Danach wurde Ingrid Thurnher bis Jahresende als Generaldirektorin bestätigt. Sie kündigte an, Altlasten aufzuarbeiten und eine neue Unternehmenskultur zu etablieren. Das könne „laut und vielleicht unangenehm“ werden, sagte sie im Ö1-Kontext.
Dann rückte Pius Strobl ins Zentrum. Thurnher erklärte bereits im April, das aktuelle Management erkenne Strobls Pensionsansprüche nicht an; darüber würden wohl Gerichte entscheiden. Kurz darauf folgte die nächste Eskalation: Strobl wurde freigestellt.
Die kununu-Daten zeigen keinen Absturz, sondern einen Riss
Der ORF ist mehr als ein Arbeitgeber. Er ist Bühne, Marke, Reichweite, öffentlich-rechtlicher Auftrag. Für viele, die in Österreich Medien machen wollen, ist der Sender ein naheliegendes Ziel. Genau darin liegt sein Vorteil im Arbeitsmarkt: Der Name zieht.
Die Bewertungen zeigen aber, dass Image nicht alles trägt. Der ORF kommt auf 3,35 von 5 Sternen bei 301 Online-Bewertungen. Der Mediendurchschnitt liegt bei 3,59 Sternen. Der Sender liegt also darunter. In den vergangenen 365 Tagen fällt der Wert mit 3,48 Sternen etwas besser aus.
Der auffälligste Wert ist die Weiterempfehlung: 68,5 Prozent empfehlen den ORF als Arbeitgeber weiter. Das passt nicht zu einer einfachen Krisenerzählung. Die Daten zeigen eher einen Arbeitgeber, bei dem viele die Arbeit schätzen, aber das System kritisieren.

„Inspirierendes Arbeitsumfeld“, aber wenig Perspektive
Die Bewertungen machen diesen Widerspruch greifbar. Eine aktuelle Bewertung vom März 2026 nennt den ORF einen „Cooler Ort mit wenig Weitblick“ und lobt ein „inspirierendes und interessantes Arbeitsumfeld“. Gleichzeitig kritisiert die Person: „Viel Leistung fordern, wenig Perspektive bieten“.
Genau dieses Muster zeigt sich auch in den Zahlen. Der beste Faktor ist Interessante Aufgaben mit 3,82 Sternen. Auch Kollegenzusammenhalt, Gleichberechtigung und der Umgang mit älteren Kolleg:innen schneiden vergleichsweise gut ab.
Schwächer sind die Werte dort, wo Orientierung entstehen müsste: Kommunikation erreicht 3,00 Sterne, Vorgesetztenverhalten 3,12 Sterne, Karriere/Weiterbildung nur 2,94 Sterne.
Die wichtigsten kununu-Daten im Überblick:
- Gesamtscore: 3,35 von 5 Sternen
- Weiterempfehlung: 68,5 Prozent
- Stärkster Faktor: Interessante Aufgaben mit 3,82 Sternen
- Schwächster Faktor: Karriere/Weiterbildung mit 2,94 Sternen
Der Takeaway für Arbeitnehmer:innen
Der ORF ist in den kununu-Daten kein Arbeitgeber im freien Fall. Dafür sind Aufgaben, Weiterempfehlung und aktuelle Bewertungen zu stabil. Aber der Sender ist auch kein ruhiger Arbeitsplatz ohne strukturelle Probleme. Wer dort arbeiten will, findet offenbar spannende Inhalte und ein starkes Medienumfeld.
Wer klare Karrierewege, moderne Führung und verlässliche Kommunikation erwartet, sollte genauer hinsehen.