Mikrochip statt Schlüsselkarte: Werden wir bald zu Cyborgs?

Die Tür zum Büro öffnet sich automatisch, der Fahrstuhl kennt schon die richtige Etage und die Kaffeemaschine springt von alleine an. Alles was es dazu braucht? Ein Mikrochip-Implantat in der Hand. Was klingt wie ein Science-Fiction-Film, könnte in britischen Firmen bald Realität sein. Doch bedeutet das, dass wir in Zukunft alle zu Cyborgs für die Arbeit werden?

The future is now

Fliegende Autos, Roboter als Teamkollegen und Hologramme in Konferenzen: Obwohl viele Technologien für uns noch klingen wie aus einem Zukunftsfilm, sind sie nicht mehr weit entfernt. Firmen, die ihren Mitarbeitern Mikrochips implantieren, sind sogar vereinzelt schon Wirklichkeit. Die winzigen Chips werden in die Hautfalte zwischen Daumen und Zeigefinger eingesetzt und ähneln denen für Haustiere. Damit ausgestattete Personen können mit nur einer Handbewegung ihre Haustür öffnen, ihr Büro betreten oder ihr Auto starten. Aber auch medizinische Daten könnten auf den Chips gespeichert werden. [1]

Laut einem Bericht des „Sunday Telegraph“ planen gleich mehrere britische Firmen, in Zusammenarbeit mit dem schwedischen Unternehmen Biohax, ihren Angestellten Mikrochips unter die Haut implantieren zu lassen. Aktuell hat der Chip-Hersteller nach eigenen Angaben rund 4.000 Personen mit einem solchen Implantat versehen. Den Großteil davon in Schweden und bis lang vor allem an der Thematik interessierten Einzelpersonen. Gespräche führe man derzeit mit Firmen aus dem Finanz- und Rechtsbereich – darunter sogar ein Großunternehmen mit mehreren hunderttausend Angestellten.[1,2] Im Vorjahr machte Biohax bereits mit der ersten Unternehmenskooperation Schlagzeilen: Die im US-Bundesstaat Wisconsin angesiedelte Firma Three Square Market schloss einen Deal ab. Dabei ließen sich knapp 50 der 80 Angestellten einen Mikrochip einsetzen. [3]

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser?

Hersteller und Befürworter argumentieren, dass Mikrochip-Implantate unseren Arbeitsalltag erleichtern sollen, indem sie beispielsweise Zugangskontrollen vereinfachen. Kritiker sehen darin die Möglichkeit für Arbeitgeber Kontrolle und Macht über ihre Mitarbeiter auszuüben. Frances O’Grady, Generalsekräter der Gewerkschaft TUC, warnt vor solchen Entwicklungen: Auch wenn ein Chipimplantat theoretisch freiwillig wäre, würden die Mitarbeiter in der Realität unter Druck stehen, einer solchen Maßnahme zuzustimmen. Schon jetzt wären Arbeitnehmer durch neue Technologie einer wachsenden Kontrolle am Arbeitsplatz ausgesetzt, diese würde durch solche Chips nur noch verstärkt werden. Auch ein Sprecher des Firmenverband CBI (Confederation of British Industry) betonte: „Arbeitgeber sollten sich eher auf unmittelbare Prioritäten konzentrieren und sich darauf fokussieren, ihre Angestellten zu motivieren, als mit solchen beklemmenden Ideen zu spielen.“ [1]

Jowan Österlund, Gründer von Biohax und früherer Piercer, entgegnet hingegen, dass besonders Firmen und deren Angestellte, die mit sensiblen Daten arbeiten, davon profitieren würden – also vor allem Unternehmen im Finanzbereich. Doch sowohl KPMG, EY und PwC, drei der Big Four Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, sagten, ihre Angestellten würden keine Mikrochips implantiert bekommen. Deloitte gab kein Statement dazu ab. [1] Ob diese Technologie also wirklich Teil unserer Arbeitswelt – und wir dadurch zu Cyborgs – werden, ist eher fraglich.

 

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Quellen:

[1] theguardian.com

[2] telegraph.co.uk

[3] futurezone.at