Streit um Präsenzpflicht
Vier Tage Büropflicht: Mercedes’ Pläne wackeln
Vier Bürotage pro Woche sollen bei Mercedes-Benz in Deutschland ab 2027 zum Standard werden. Der Konzern erhofft sich mehr Produktivität, der Betriebsrat trägt die Regel nur widerwillig mit. Ob sich das rechnet, ist offen – nicht nur bei Mercedes.
Führungskräfte legen die Bürotage fest
Laut neuer Konzernbetriebsvereinbarung dürfen Führungskräfte für Vollzeitbeschäftigte bis zu vier Präsenztage pro Woche ohne Begründung festlegen. Ausnahmen sind möglich. Die alte Regel von 2016 erlaubte bis zu fünf mobile Tage, Mercedes hat sie gekündigt.
Stimmen die Betriebsräte der Standorte zu, gilt die Regel ab 1. Januar 2027. Sonst droht laut Handelsblatt nach Ende März 2027 Präsenz an allen fünf Tagen.

Vorstand setzt auf Präsenz, Betriebsrat auf Spielräume
Die Regel gehört zur „Produktivitätsoffensive“ des Vorstands, zu der auch 38 statt 35 Wochenstunden ohne Lohnausgleich zählen sollen. Arbeitsdirektorin Britta Seeger sagte im Dezember 2025: „Ich glaube, dass wir Einzelne im Homeoffice verloren haben.“ Der Betriebsrat verhandelte mit, um eine regelungsfreie Lücke zu verhindern. Vier Tage als Standard lehnt er ab: „Die vorhandenen Spielräume müssen verantwortungsvoll genutzt werden.“
Mehr Büro, mehr Gewinn? Die Forschung zweifelt
Was Präsenzpflichten bringen, hat die University of Pittsburgh in einer Studie zu 137 US-Konzernen aus dem S&P 500 untersucht:
- Gewinn und Unternehmenswert veränderten sich nach der Büropflicht nicht signifikant.
- Die Zufriedenheit der Beschäftigten sank deutlich, gemessen an Arbeitgeberbewertungen.
- Büropflichten folgten gehäuft auf schwache Zahlen. Die Forschenden deuten das als Versuch, Kontrolle zurückzugewinnen.
Ein Recht auf Homeoffice gibt es nicht
Das kann auch anderswo passieren: Den Arbeitsort bestimmt der Arbeitgeber per Weisungsrecht nach billigem Ermessen, sofern Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung nichts regeln. Solche Zusagen sind nicht einseitig änderbar, Betriebsvereinbarungen aber kündbar.
Einen allgemeinen Trend zurück ins Büro zeigt der Fall trotzdem nicht. Laut Statistischem Bundesamt arbeiteten 2025 25 Prozent der Erwerbstätigen zumindest gelegentlich von zu Hause, etwas mehr als in den Vorjahren.
Die Stimmung ist gekippt
Auf dem kununu Profil des Autoherstellers wird in den Bewertungen deutlich: Die Arbeitnehmenden sind unzufrieden.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich: Keine Strategie, Kein gemeinsames Ziel, Keine Kommunikation zur Belegschaft (oft nur über Presse), Vorstand vergisst die Menschen abzuholen.
Auch der wöchentliche Stimmungsverlauf im Unternehmen sinkt seit Beginn des Monats in den Keller.
Ob Mercedes’ Rechnung des gekürzten Homeoffice aufgeht, wird sich erst im Arbeitsalltag zeigen.