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Mercedes und die 38-Stunden-Woche

3 Stunden unbezahlt mehr arbeiten: Darf ein Arbeitgeber das verlangen?

Letztes Update:  24. September 2026, 11:33
2 min
Beschäftigte montieren ein Auto an einer Fertigungslinie im Werk.

Drei Stunden pro Woche mehr arbeiten, ohne einen Euro mehr: Das fordert Mercedes-Benz laut Handelsblatt von seinen rund 108.000 Beschäftigten in Deutschland. Per Anweisung darf der Konzern das nicht. Ausgeschlossen ist es trotzdem nicht.

Der Arbeitsvertrag zieht die Grenze

Für Mercedes ist Mehrarbeit ohne Lohnausgleich „der direkteste und fairste Weg, Arbeitskosten schnell zu senken“, erklärte ein Sprecher laut Reuters. Arbeitsrechtlich gilt: Die vereinbarte Wochenarbeitszeit ist Teil des Vertrags. Das Weisungsrecht regelt Schichtbeginn oder Aufgaben, macht aus 35 Stunden aber keine 38. Der Stundenlohn fiele dabei um rund 7,9 Prozent.

Wer länger arbeiten müsste, hängt vom Einzelfall ab:

  • Einzelvertrag: Ohne Zustimmung bleibt es bei der vereinbarten Stundenzahl.
  • Änderungskündigung: Einseitig geht es nur per Änderungskündigung mit hohen Hürden.
  • Tarifvertrag: Einigen sich IG Metall und Arbeitgeberverband auf 38 Stunden, gilt das für tarifgebundene Beschäftigte, sofern ihr Vertrag nichts Günstigeres vorsieht (§ 4 TVG).
  • Nicht-Mitglieder: Verweist der Arbeitsvertrag auf den jeweils geltenden Tarifvertrag, greift die neue Regel auch für sie.
  • Betriebsvereinbarung: Tariflich geregelte Arbeitszeiten darf sie nicht verschlechtern (§ 77 BetrVG).
Mitarbeiter bedient konzentriert eine Maschine in einer Werkhalle.
Eine längere Arbeitszeit bei unverändertem Gehalt wirft auch Fragen zu Tarifvertrag und Mitbestimmung auf

Aufsichtsratschef Martin Brudermüller hatte im Juni sogar eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche gefordert.

Betriebsrat verhandelt, IG Metall entscheidet

Das Management verhandelt laut Handelsblatt derzeit mit den Betriebsräten, unabhängig von der anstehenden Metall-Tarifrunde. Wegen des Tarifvorbehalts führt an der IG Metall aber kein Weg vorbei, wie auch der SWR einordnet. IG-Metall-Chefin Christiane Benner kündigte an, entsprechende Forderungen der Arbeitgeberverbände entschieden zurückzuweisen. Das Management droht laut Handelsblatt mit weiteren Verlagerungen ins Ausland. Wie Beschäftigte den Autobauer erleben, zeigen ihre Bewertungen auf dem kununu Profil von Mercedes.

Arbeitszeit wirkt in beide Richtungen

Die 35-Stunden-Woche ist selbst ein Streikergebnis: 1984 erkämpfte die IG Metall nach sieben Wochen Arbeitskampf den Einstieg, seit 1995 gilt sie in der westdeutschen Metall- und Elektroindustrie. Volkswagen ging den umgekehrten Weg: Ende 1993 vereinbarte der Konzern mit der IG Metall die 28,8-Stunden-Woche. Damals sank die Arbeitszeit, um Jobs zu sichern. Heute soll sie steigen, um Kosten zu senken.