Social Media im Job

„Mein Job ist doof“ – Was darfst du auf Social Media posten?

Wir sind die Generation Internet. Sagt uns jedenfalls jeder. Die Nutzung von sozialen Netzwerken ist uns quasi in die Wiege gelegt worden. Es begann mit ICQ oder MSN und hat bis heute nicht aufgehört – na gut, nach dem großen Vero-Hype kam bisher nichts Bahnbrechendes mehr. Trotzdem hat man immer noch das Gefühl, dass man gar nicht weiß, was man auf Social Media jetzt darf und was nicht. Gerade, was den Job angeht. Darfst du auf Facebook posten, dass du deinen Job doof findest? Oder auf Instagram ein Bild vom betrunkenen Chef hochladen? Spoiler Alert: Nö.

Pssst – Ruhe bitte!

Werfen wir doch einmal einen Blick in deinen Arbeitsvertrag: Steht da eine Geheimhaltungsklausel? Ja? Die Geheimhaltungsklausel findet sich gerne in Verträgen von Industrie-Jobs. Ganz klar. Die neueste Technologie bei BMW soll ja nicht auf einmal im VW-Werk nachgemacht werden. Aber auch in Jobs, bei denen du viel mit Menschen zu tun hast, mit viel Geld umgehen musst oder für die Sicherheit zuständig bist, wird auf die Verschwiegenheit ein großer Wert gelegt. Egal ob du deinen Followern mitteilst, dass du heute für die neue Lieferung  Betriebsinterna haben auf Facebook, XING & Co. einfach nichts zu suchen. Je nach Arbeitsvertrag drohen nämlich sogar hohe Vertragsstrafen und du könntest sogar strafrechtlich verfolgt werden.

Manche Arbeitgeber haben sich schon anders beholfen und – zum Teil ziemlich strenge – Social Media Guidelines für ihre Mitarbeiter entwickelt. Diese können entweder in den individuellen Verträgen oder für den ganzen Betrieb herausgegeben werden.

Das Internet vergisst nie

Du hast weder eine Geheimhaltungsklausel noch irgendwelche Social Media Richtlinien vorgegeben. Also los, gleich das Gesicht vom Hass-Kollegen auf einen Gorilla photoshoppen und sein – nun ziemlich naja, affiges – Bild öffentlich auf Facebook posten. Die Lacher wären auf deiner Seite. Geht trotzdem gar nicht.

Das Persönlichkeitsrecht deines Kollegen ist in diesem Fall wichtiger als deine Meinungsfreiheit. Selbst, wenn du deinen Account auf privat gestellt hast, darfst du nichts posten, was deinem Arbeitgeber irgendwie schaden könnte. „Mein Unternehmen steht kurz vor der Insolvenz“? Nichts da. Solch eine Aussage ist absolut rufschädigend für deinen Arbeitgeber und könnte für ihn (und dich) nicht nur finanzielle Folgen nach sich ziehen. Als Mitarbeiter des Unternehmens hast du die Pflicht, ihm nicht zu schaden. Genauer gesagt müssen die Interessen des Arbeitgebers, deiner Kollegen und die eigene Stellung im Betrieb dabei berücksichtigt werden. Das Bild vom betrunkenen Chef bei Snapchat könnte seine Kunden verärgern und wichtige Verträge platzen lassen. Denke also besser zweimal oder auch zehnmal darüber nach, was du über deinen Arbeitgeber im Internet veröffentlichst. Denn auch, wenn du es eigentlich gut meinst und zum Beispiel für die neueste Abnehmpille deines Arbeitgebers – ein Pharma-Unternehmen – auf Social Media wirbst, können Strafen drohen. Nicht unbedingt vom Chef, der dürfte sich ja über die Aufmerksamkeit auf sein Produkt freuen. Die gesetzlichen Werberegeln gelten trotzdem.

Fake-Accounts sowie Nicknames sind ebenfalls verboten, wenn du damit für dein Unternehmen oder deine Meinung darüber sprechen willst. Ob du privat jemanden catfishst, ist zwar nicht die feine englische Art, aber – wie schon gesagt – deine Privatsache.

Zehn verpasste Anrufe von „Chef“

Du hast ein Diensthandy bekommen? Voll super, dein eigenes Handy hat vor ein paar Tagen die Spider-App heruntergeladen und dein Display ist in tausend Teile zersprungen. Also gleich mal Whatsapp installieren und privat nutzen. Oder? Immer langsam. Auch bei der Nutzung eines Diensthandys musst du die Interessen deines Arbeitgebers wahren. Der Chef darf deshalb Vorsorge treffen und dir Anti-Spy-Software oder Virenprogramme installieren. Gerade nach Inkrafttreten der DSGVO birgt die private Nutzung des Diensthandys für die Unternehmen durchaus große Risiken. Es braucht vermutlich nur einen falschen Tipper aufs Display und wichtige Firmendaten sind veröffentlicht. Vielen Arbeitnehmern ist heute – aus diesem Grund – die private Nutzung des Smartphones von vorneherein nicht mehr erlaubt. Tust du es doch, dann wundere dich nicht, wenn zehn verpasste Anrufe und zwanzig wütende Nachrichten von „Chef“ aufploppen.

Die gute Nachricht

Sofern nichts anderes im Vertrag steht, darfst du während deiner Arbeitszeit „maßvoll“ auf Social Media surfen. Ein Bussi-GIF an die Freundin da, eine Instagram-Story dort – das ist alles okay, solange dein Job nicht darunter leidet. Wenn du vor lauter Chats das dringende Projekt vergisst, wird dein Chef aber sicher nicht in Juhu-Geschrei ausbrechen. Die „maßvolle“ Nutzung findet dann schneller sein Ende als du denkst. Private Telefonate auf Firmenkosten sind übrigens auch nicht erlaubt. Die bessere Lösung: Kurz rausgehen und mit dem eigenen Handy die Mama zurückrufen. Um dann zu hören, dass ihr im Sommerurlaub gerade einfach nur echt langweilig ist.

 

Social Media im Job