Junger Mann vor Zaun

Mal ehrlich? Es ist verdammt hart, Millennial im Arbeitsleben zu sein

Das Bild über Millennials zeichnet sich immer wieder gleich: Die faule, undankbare Generation, die alles hat und nicht mehr hart arbeiten muss. In den Köpfen der anderen sind wir nur Traumtänzer, die von Laktose und Gluten Bauchweh bekommen und mit nichts zufrieden sind. Warum wir aber einen verdammt guten Grund haben, sinnsuchend durch den Arbeitsmarkt zu irren, erklärt Buchautor Paul Agone. Er glaubt: Die Millennial-Generation steht vor wahnsinnigen Herausforderungen und den meisten Menschen seien die Auswirkungen dieser realen Millennial-Probleme überhaupt nicht bewusst.

„Die Jobsuche ist zur Millennial-Version der Hunger Games geworden – ohne Kamera und ohne jegliche Interaktion mit Jennifer Lawrence“

In den USA sind die Millennials mit über 85-90 Millionen Menschen die größte und gleichzeitig die am besten ausgebildete Generation der Geschichte. Was sich auf den ersten Blick sehr positiv anhört, führt laut Buchautor Paul Agone aber zu einem wirklichen Problem: Das Angebot der ausgebildeten Arbeitnehmer wächst enorm, parallel dazu sinkt die Nachfrage. Hunderte Bewerber buhlen um eine Stelle. Arbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung und ein frustrierender Start ins Berufsleben sind die Folge. Agone stellt klar: Ausgezeichnete Noten sind längst kein Türöffner in die Arbeitswelt mehr – sie sind selbstverständliche Voraussetzungen.[1]

„Ein Hochschuldiplom ist jetzt genauso viel wert, wie Ihr Abitur, mit der neuen Anspannung, dass sie jetzt einen Master oder einen Doktortitel haben müssen, um überhaupt in das Spiel aufgenommen zu werden.“, so der Autor. Viele Millennials arbeiten daher trotz Elite-Abschluss in Teilzeitstellen und wohnen immer noch bei den Eltern, weil sie sich nichts anderes leisten können. Laut US-Volkszählungen machen Millennials nämlich 40% der Arbeitslosen aus.[1] In Deutschland ist die Arbeitslosigkeit der Millennials zwar nicht so enorm, jedoch werden so viele befristete Verträge abgeschlossen, wie nie zuvor.[2] Die Zukunftsangst bleibt also.

„Gerade als der Millennial an der Reihe war, den amerikanischen Traum zu ergreifen, explodierte er in unserem Gesicht.“ 

Aber nicht nur die Job-Krise ist schuld, dass die Finanzen der Millennials schlecht aussehen. Agones Fakt Nummer zwei: In den USA liegt die durchschnittliche College-Verschuldung für einen Millennial bei rund 33.000 US-Dollar. Gleichzeitig ist das mittlere Haushaltseinkommen seit 1999 nicht angestiegen. Zum Vergleich: Die College-Schulden der Vereinigten Staaten betragen zusammengefasst mehr als Kreditkarten- und Autokreditschulden.[1] Auch in Deutschland steigt die Zahl der Studienkredite: Ein Drittel der Studierenden ist nach dem Abschluss verschuldet – auch wenn es sich hierzulande hauptsachlich um Beträge in den Zehntausenden handelt und die Schulden nicht wie in den USA bis auf Hunderttausende ansteigen.[3]

Die Ursache für die Verschuldung liegt aber nicht nur bei den Studiengebühren: Die Beiträge für die Altersvorsorge steigen, das verfügbare Einkommen junger Erwachsener liegt heute um bis zu 19 Prozent unter dem Gesamtdurchschnitt von vor 30 Jahren und noch immer zeigen sich Auswirkungen der Finanzkrise in 2008.[4] Die Wahrheit über die aufstrebende, intelligente Generation, die es so gut hat: Millennials sind rund 40 Prozent ärmer als ihre Eltern[6], mit massiver Arbeitslosigkeit konfrontiert und blicken einer mickrigen Rente und Folgen enormer Umweltzerstörung entgegen.[7]

Wenn nicht für den Sinn, für was dann?

Um überhaupt über die Runden zu kommen, nehmen Millennials unterbezahlte Jobs an, arbeiten mit Masterabschluss als Kellner und Hilfskraft und müssen eigentlich zu jedem Jobangebot Ja sagen. Jetzt mal ganz ehrlich: Wieso wundert es die anderen Generationen überhaupt, dass wir einen Sinn in unserem Job suchen?

Klar, dass wir an Unternehmensvisionen glauben wollen, wenn wir keine eigenen haben. Klar, dass wir eine tolle Work-Life-Balance und flexible Arbeitszeiten beanspruchen und im Hier und Jetzt leben möchten, wenn wir keine sichere Rente bekommen. Klar, dass wir am liebsten von überall auf der Welt arbeiten, wenn sie doch in ein paar Jahren völlig zerstört ist. Und auch klar, dass uns der Job Spaß machen soll, wenn das winzige Gehalt nicht Motivation genug ist, um morgens aus dem Bett zu kommen. Laut Argone sind wir nämlich auch die Generation, die über das höchste Maß an klinischer Angst, Stress und Depressionen berichten als jede andere Generation davor – und das nicht, weil wir nichts aushalten können und verweichlicht sind. Sondern weil alles zusammen gerechnet echt nicht so easy ist, wie man sich das vorstellt.[1] 

 

Quellen:
[1] allgroanup.com
[2] moneyou.de
[3]welt.de
[4] jetzt.de
[5] stern.de
[6] berliner-zeitung.de
[7] zeit.de