LSD Microdosing

LSD am Arbeitsplatz. Was ist dran am Microdosing?

Löst mikrodosiertes LSD bald den Espressokick am Nachmittag ab? Und was ist Microdosing überhaupt? Wir haben uns zu diesem kontroversen Thema für euch schlau gemacht. Spoiler: Für uns wird es auch in Zukunft beim Espresso nach dem Mittagessen bleiben.

Das Silicon Valley macht’s vor

Von einem neuen Trend kann man beim LSD-Microdosing eigentlich gar nicht mehr sprechen. Schon seit einiger Zeit ist LSD, die einstige Droge der Hippies und des Antiestablishments, Teil des Selbstoptimierungslifestyles: Superfoods, Smartwatches zur Überwachung von Schlaf und Bewegung – oder eben LSD in ganz geringer Dosierung sollen uns leistungsfähiger, kreativer, fitter für den anstrengenden Alltag machen. Und wie so viele Trends hat auch dieser seinen Ursprung im leistungsorientierten Silicon Valley in Kalifornien. Immer mehr Computeringenieure, Designer, Manager der Techbranche und andere kreativ tätigen Menschen setzen auf Mikrodosen Lysergsäurediäthylamid, kurz LSD, um ihren Arbeitsalltag zu meistern. Und damit sind sie in guter Gesellschaft: Nach der Meinung einiger gäbe es ohne LSD kein iPhone. Steve Jobs hat kein Geheimnis daraus gemacht, dass er in den frühen Zeiten seiner Karriere LSD und andere Drogen konsumiert hat.

Was ist Microdosing?

Für eine Mikrodosis reichen etwa zehn Mikrogramm der psychoaktiven Droge, in etwa ein Zehntel einer normalen Dosis. Das ist nicht genug, um wirklich high zu sein, steigert jedoch die Produktivität, die Empathiefähigkeit und die Kreativität – Eigenschaften, über die jeder leistungswillige Mensch gerne in großem Maße verfügt. „Ich bin in Vorlesungen aufmerksamer und in Seminaren mache ich Verbindungen, die ich sonst nicht machen würde. Ich beteilige mich mehr und kann schneller denken“, so ein Student, der regelmäßig microdosed, im Interview mit zeit.de.

LSD ist ein halbsynthetisches chemisches Erzeugnis, sein natürlicher Bestandteil ist die Lysergsäure (Grundstoff der Mutterkorn-Alkaloide). LSD gehört zu den Halluzinogenen. Das sind Substanzen, die in das Seelenleben eingreifen und die Sinneswahrnehmungen verändern. Der Gebrauch von LSD ist seit 1971 in Deutschland verboten, weil schon der einmalige Konsum latente psychische Störungen auslösen kann. In den 90ern erlebte die Substanz aus der Hippiebewegung eine Renaissance in der Techniszene. LSD wird in flüssiger Form auf Löschpapier aufgetragen. Die Papierstücke heißen dann Pappen oder Tickets. Auch auf Zuckerwürfel geträufelt kann LSD konsumiert werden. Eine Mikrodosis enthält etwa 10 bis 20 Mikrogramm LSD, ab 50 Mikrogramm setzen psychische Effekte ein.

Was sagen die Experten?

Das Thema Microdosing polarisiert. Drogenkonsum für mehr Kreativität im Beruf? Für die einen hat der Selbstoptimierungswahn damit ein Stadium erreicht, das gefährlich und gesellschaftlich keinesfalls tolerierbar ist. Auf der anderen Seite sehen auch wissenschaftliche Forscher wie der US-Sachbuchautor Michael Pollan positive Aspekte in bewusstseinserweiternden Drogen: „Als Gesellschaft sind wir in keiner guten psychischen Verfassung. LSD oder Psilocybin lösen nachhaltig Verkrampfungen. Es bricht Denkmuster und Verhaltenskonventionen.“

Der amerikanische Psychologe James Fadiman, Autor von The Psychedelic Explorer’s Guide, hat Berichte von Leuten zusammengetragen, die regelmäßig Microdosing betreiben. Dazu entwarf Fadiman einen Fragebogen, auf dem die Konsumenten die Wirkung der Droge protokollieren konnten. Fadiman über das Ergebnis seiner Befragung in einem Interview mit Vice:„Gesunde Menschen sprechen über mehr Konzentration, Aufmerksamkeit und Kreativität.“

Was nun – müssen wir alle anfangen, Drogen zu nehmen, um endlich erfolgreich zu werden oder zu bleiben? Fakt ist: Es gibt bisher wenige repräsentative Studien zu dem Thema, weder zur Wirkung noch zu den Nebenwirkungen. Außerdem bleibt noch die Frage, ob beim Microdosing auf Grund der sehr geringen Dosierung nicht vor allem der Placebo-Effekt wirkt. Heißt: Weil man sich eine positive Wirkung erwartet, trifft sie auch ein. Im September 2018 hat das britische Beckley/Imperial Research Programme die erste weltweite Studie zu diesem Thema gestartet, Ergebnisse stehen noch aus.

Bis dahin geben wir uns mit dem Ergebnis einer Umfrage der Edith Cowan Universität in Perth zufrieden, in deren Rahmen 600 Microdoser befragt wurden. Studienleiter Dr. Stephen Bright über die Ergebnisse im Online-Nachrichtendienst ABC: „We found that microdosing had similar benefits to yoga – we saw similar levels of increased openness, decreased depression, stress, and anxiety and an ability to focus on the present moment so an ability to concentrate.“

Na dann – wir bleiben bei Yoga und Espresso.

 

LSD Microdosing

 

Quellen:

Zeit Campus: LSD statt Kaffee (22.12.2016)
Mindzone: LSD
SPIEGEL-Ausgabe 5/2019
VICE: Alles, was du schon immer über Microdosing wissen wolltest (12.04.2017)
Focus: LSD – Die Dosis macht das Glück (08.12.2017)
Beckley Foundation
ABC: Microdosing increases focus and reduces depression (01.11.2018)