Lost in paradise: Wenn unbegrenzter Urlaub zu viel wird

20 Tage oder 160 Stunden. So viel Urlaub steht jedem Arbeitnehmer bei einer Fünf-Tage-Woche gesetzlich zu. Natürlich muss das noch alles mit den Kollegen abgesprochen, der Urlaubsantrag gestellt und vom Abteilungsleiter genehmigt werden. Doch wie lässt sich das mit immer flexibler werdenden Arbeitszeiten, Home-Office und modernen Gleitzeitmodellen vereinbaren? Gar nicht! Deswegen führen immer mehr deutsche Unternehmen die Vertrauensarbeitszeit und damit verbunden auch unbegrenzten Urlaub ein. Klingt nach Paradies? Bei uns stand das Modell auf dem Prüfstand und wir verraten dir heute, warum es doch nicht ganz ein Ausflug ins Schlaraffenland ist!

Ready for take-off

Kurz bevor man in den Urlaub aufbricht, herrscht eine ganz besondere Stimmung. Auf was lasse ich mich ein? Was muss ich mitnehmen? Wird es meinen Reisebuddies auch gefallen? Diese Gedanken hat sich wohl auch der ein oder andere Geschäftsführer gemacht, bevor er die neue Urlaubsregelung aufgegeben hat und sich bereit für das neue Abenteuer, in den Flieger ins große Unbekannte gesetzt hat. So auch Netflix-CEO Reed Hastings. Als ein Mitarbeiter in sein Büro kam und fragte, warum sie eigentlich noch Urlaubstage erfassen müssen, obwohl sie das nicht einmal mit ihrer Arbeitszeit tun, wusste er keine Antwort. Tja, und das war auch schon der Beginn der Reise: Sämtliche Vorschriften zu Urlaub und Auszeit wurden abgeschafft, stattdessen heißt es seither „Nimm dir einfach Urlaub!“.[1]

Fasten your seatbelts

Bevor es ernst wird und du dich zum zehnten Mal in diesem Jahr in den Flieger setzten kannst, musst du allerdings meistens noch etwas Überzeugungsarbeit beim Kapitän leisten. Statt mit faden Argumenten wie „Urlaub liebt doch jeder“ heranzutänzeln, werfen wir dir beinharte Fakten ins Gepäck: Studien haben bewiesen, dass ein paar Tage Urlaub mehr dem Unternehmen in keinster Weise schaden. Denn 90% der Mitarbeiter kommen erholter aus den Ferien zurück und leisten nach ihrer Rückkehr deutlich mehr als zuvor. Außerdem erleichtert es vielen Eltern, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, wenn sie Urlaub nach den eigenen Bedürfnissen nehmen können.[2]

Über den Wolken

Mit der Aussicht auf unbegrenzten Urlaub, schwebst du gedanklich bereits auf Wolke sieben. Doch eine Frage taucht dennoch immer wieder in deinem Köpfchen auf: Warum kann ich mir denn nicht gleich 365 Tage Urlaub nehmen? Tja, mein Freund, leider geht das nicht. Denn sobald du der Herr über deinen Urlaub bist, koppelt sich deine Arbeitszeit automatisch an deine Leistung. Das bedeutet im Klartext: Solange du deine Ziele erfüllst und die Aktenberge auf deinem Schreibtisch nicht dem Mount Everest Konkurrenz machen, kannst du auch zehn Mal im Jahr auf die Malediven fliegen und mit den süßen Schweinchen schwimmen.[3]

Wir beginnen den Sinkflug

Klingt nicht mehr ganz so nach eitel Wonne? Stimmt, denn mit der Regelung trudelt ein Problemchen einher, dass niemand kommen sah. Dadurch, dass man sich nur Urlaub nehmen sollte, wenn die Arbeit getan ist, nahmen sich die meisten Arbeitnehmer entweder gleich viel oder sogar weniger freie Tage als bisher. Viele Mitarbeiter wussten nämlich nicht, wie sie mit der neuen Regelung umgehen sollten, verglichen sich ständig mit den Kollegen und wünschten sich schon bald wieder klare Vorgaben, auf die sie sich verlassen konnten.[4]

Landing completed

Um keine Bruchlandung hinzulegen, sondern wieder sicher am Boden zu landen, waren daher einige Unternehmen besonders innovativ. So bietet die Notizen-App Evernote seinen Mitarbeitern seither einen Bonus von 1000 Dollar, wenn sie mindestens fünf Tage im Jahr auf Urlaub fahren – die Grenze nach oben bleibt allerdings weiterhin offen. Festen Boden unter den Füßen haben auch wieder andere deutschsprachige Unternehmen erreicht. Bei myhotelshop loben die Angestellten in den kununu-Bewertungen ihren Arbeitgeber als den besten, weil es unbegrenzten, bezahlten Urlaub gibt. Die Mitarbeiter der K-iS Systemhaus GmbH sind dankbar für die gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf, dank kompletten Urlaubs-Freiheiten. Beim Pionier des unbegrenzten Urlaubs Netflix wird über die gute Work-Life-Balance geschwärmt, bei der Advanon AG meinen die Mitarbeiter hingegen, dass jene Regelung sie als Team unheimlich motiviert. Und wie schaut es bei dir aus?

 

 

Quellen:

[1]  goodjobs.eu

[2]  goodjobs.eu

[3]  arbeitgeber.monster.de

[4]  gruenderszene.de