Aktuelle Gesundheitspolitik
Krankenkasse 2027: Diese Berufe zahlen mehr
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat ihr Reformpaket für die gesetzlichen Krankenkassen durchgesetzt: Am 10. Juli 2026 beschlossen Bundestag und Bundesrat das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Ab 2027 zahlen vor allem Gutverdienende einen größeren Anteil ihres Einkommens in die Krankenkasse. Was das für Beschäftigte konkret bedeutet und welche Berufe die neue Beitragsgrundlage erreichen.
Was der Bundestag am 10. Juli 2026 verabschiedet hat
Die gesetzlichen Krankenkassen stehen unter massivem finanziellen Druck. Ohne Reform wäre die Deckungslücke laut Bundesgesundheitsministerium (BMG) 2027 auf rund 15 Milliarden Euro angewachsen, bis 2030 auf 40 Milliarden. Der Zusatzbeitragssatz hätte sich von aktuell 2,9 auf 4,7 Prozent erhöht, der Gesamtbeitragssatz auf bis zu 19,3 Prozent.
Um diesen Anstieg zu verhindern, hat der Bundestag am 10. Juli 2026 das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz verabschiedet. Kernpunkt für Beschäftigte mit hohen Einkommen: Die Beitragsbemessungsgrenze wird 2027 einmalig um rund 300 Euro zusätzlich zur regulären jährlichen Anpassung angehoben.
Was die Anhebung konkret kostet
Aktuell liegt die Beitragsbemessungsgrenze bei rund 5.812 Euro brutto im Monat. Alles, was darüber liegt, ist beitragsfrei. Durch die einmalige Anhebung ab 2027 werden Beiträge auf einen 300 Euro höheren Anteil des Einkommens fällig.
Was das konkret bedeutet:
- Rund 26 Euro Mehrbelastung pro Monat für Beschäftigte mit hohem Einkommen (laut BMG-eigener Rechnung)
- Rund 312 Euro pro Jahr
- Die Anhebung wird paritätisch getragen: Arbeitgeber:innen zahlen den gleichen Anteil zusätzlich
- Bis 2030 kommen laut BMG durch diese Maßnahme insgesamt 4,9 Milliarden Euro zusammen
Wichtig: Für Einkommen unter 5.800 Euro brutto ändert sich durch diese Anhebung nichts, die Beiträge werden dort weiterhin auf das gesamte Einkommen berechnet.
Ab diesem Gehalt greift die Anhebung
Die Anhebung klingt nach einer Nische, trifft aber mehr Menschen als man denkt. Wer dauerhaft mehr als rund 5.800 Euro brutto im Monat, also etwa 70.000 Euro im Jahr, verdient, liegt im betroffenen Bereich. Laut kununu Gehaltscheck 2026 sind das zum Beispiel:
Nicht nur Gutverdiener: Was das Gesetz sonst noch bringt
Die Beitragsbemessungsgrenze ist nur ein Baustein des Sparpakets. Für alle Versicherten ändern sich weitere Punkte:
- Zuzahlungen in der GKV werden um 50 Prozent angehoben (etwa bei Medikamenten oder Krankenhausaufenthalten)
- Beitragszuschlag für Ehepartner-Familienversicherung: Ab 2028 sollen mitversicherte Ehepartner ohne Betreuungsaufgaben einen Zuschlag von 3,5 Prozent zahlen
- Zuckersteuer auf Getränke ab 2027 zur Prävention
- Hautkrebs-Screening wird risikobasiert eingeschränkt
- Vergütungsanstiege in Krankenhäusern und Praxen werden auf das Niveau der Grundlohnrate begrenzt
- Höhere Zuschüsse des Bundes an die Krankenkassen (rund 2 Milliarden Euro ab 2027)
Die im Referentenentwurf noch geplante Kürzung des Krankengeldes wurde bereits im Kabinettsentwurf gestrichen.
Das Sparvolumen im Überblick
Insgesamt soll das Gesetz 2027 rund 19,6 Milliarden Euro Entlastung für die Krankenkassen bringen, davon rund 1,2 Milliarden Euro durch die einmalige Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze allein.
Ziel ist es, den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz zu stabilisieren, für Beschäftigte wäre der Sprung von 2,9 auf 4,7 Prozent (ohne Reform) sonst deutlich spürbarer gewesen als die jetzt beschlossenen 26 Euro Mehrbelastung pro Monat für Gutverdienende.