Rentensystem der Zukunft
Klingbeils Frühstartrente: Aus 1.440 Euro werden nur rund 3.000 Euro Rente
Die Bundesregierung will Kindern mit der Frühstartrente den Einstieg in die private Altersvorsorge erleichtern. Zehn Euro im Monat sollen vom Staat in ein Wertpapierdepot fließen. Während Befürworter auf den Zinseszinseffekt setzen, sprechen Kritiker von Symbolpolitik. Am 22. Juli hat Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) den Referentenentwurf des Frühstartrentengesetzes vorgelegt, das Kabinett soll am 12. August darüber beschließen.
Die Idee: Früh sparen, langfristig profitieren
Mit der Frühstartrente soll jedes anspruchsberechtigte Kind vom sechsten bis zum 18. Lebensjahr monatlich zehn Euro vom Staat erhalten. Das Geld wird am Kapitalmarkt angelegt und soll bis zum Renteneintritt Erträge erwirtschaften. Eltern oder Großeltern können zusätzlich eigenes Geld einzahlen. Ziel ist es, den Vermögensaufbau möglichst früh zu starten und die private Altersvorsorge zu stärken.
Die wichtigsten Eckdaten zur Frühstartrente
Die Frühstartrente soll nach den Plänen der Bundesregierung rückwirkend zum 1. Januar 2026 starten. Zunächst profitieren Kinder des Geburtsjahrgangs 2020, die im Jahr 2026 sechs Jahre alt werden und eine Bildungseinrichtung in Deutschland besuchen. Für sie zahlt der Staat zehn Euro pro Monat in ein Altersvorsorgedepot bis zum 18. Geburtstag. Insgesamt summiert sich die staatliche Förderung damit auf 1.440 Euro, hinzu kommen mögliche Erträge am Kapitalmarkt und freiwillige Einzahlungen der Familie.
Klingbeil selbst sagte bei der Vorstellung des Entwurfs: „Wir arbeiten mit Hochdruck an der Umsetzung.“ Er will das Gesetzgebungsverfahren noch 2026 abschließen, damit die Frühstartrente zum 1. Januar 2027 in Kraft treten kann. Bis dahin muss der Entwurf durch Kabinett (12. August), Bundestag und Bundesrat.
Was am Ende dabei rauskommt: Die Modellrechnung
Wie viel aus den 1.440 Euro Staatsgeld tatsächlich wird, hängt fast ausschließlich von der Rendite ab. Bei einer angenommenen jährlichen Rendite von sechs Prozent – dem historischen Durchschnittswert für breit gestreute Aktienfonds, ergibt sich nach einer Modellrechnung von t-online folgende Größenordnung:
- Aus den 1.440 Euro Staatsgeld werden bis zum 18. Lebensjahr rund 2.145 Euro
- Bleibt das Geld dann bis zum 67. Lebensjahr angelegt, wächst es auf rund 30.000 Euro
- Auf die monatliche Rente umgerechnet macht das rund 3.000 Euro Zusatzrente über die Rentenzeit hinweg
Für eine spürbare Zusatzrente braucht es also regelmäßige Eigenbeiträge der Familie, die staatlichen zehn Euro allein tragen keine Altersvorsorge.

Diese fünf Argumente sprechen für die Frühstartrente
- Der Zinseszinseffekt arbeitet jahrzehntelang. Schon kleine Beträge sollen über mehrere Jahrzehnte deutlich wachsen.
- Jedes Kind soll ein staatliches Startkapital erhalten. Die Förderung ist unabhängig vom Einkommen der Eltern vorgesehen.
- Mehr Menschen lernen den Kapitalmarkt kennen. Die Bundesregierung will langfristig die Aktien- und Vorsorgekultur stärken.
- Freiwillige Einzahlungen erhöhen die Rendite. Familien können zusätzliche Geldbeträge zuzahlen.
- Private Altersvorsorge könnte früher beginnen. Befürworter sehen darin einen wichtigen Baustein neben der gesetzlichen Rente.
Diese Kritik gibt es an dem Modell
Kritiker bezweifeln, dass zehn Euro im Monat einen spürbaren Beitrag zur Altersvorsorge leisten können. Die Fördersumme sei zu niedrig, um das eigentliche Rentenproblem zu lösen. Außerdem könnten wohlhabende Familien deutlich stärker profitieren, weil sie zusätzliche Beträge einzahlen können, während einkommensschwächere Haushalte oft nur die staatliche Förderung erhalten.
Auch die gestaffelte Einführung stößt auf Kritik. Zunächst soll nur der Geburtsjahrgang 2020 profitieren, während viele ältere Kinder und Jugendliche leer ausgehen. Verbraucherschützer warnen zudem davor, dass Gebühren oder ungeeignete Anlageprodukte einen Teil der Rendite aufzehren könnten. Es gibt keine Gewinngarantie. Gewerkschaften betonen außerdem, dass eine private Kapitalanlage keine Reform der gesetzlichen Rentenversicherung ersetzen könne.
Eltern müssen aktiv werden – aber nicht zwingend
Damit die staatlichen Einzahlungen direkt auf einem persönlichen Altersvorsorgedepot landen, müssen Eltern selbst ein entsprechendes Depot bei einem zugelassenen Anbieter eröffnen. Wer zusätzlich eigenes Geld einzahlen oder den Anbieter auswählen möchte, muss sich ebenfalls aktiv kümmern. Die Förderung verfällt jedoch nicht, wenn zunächst kein Depot eröffnet wird. Nach den Plänen der Bundesregierung fließen die staatlichen Beiträge in diesem Fall in eine staatliche Auffanglösung und werden dort am Kapitalmarkt angelegt. Das angesparte Guthaben kann später in ein persönliches Depot übertragen werden. Dadurch soll sichergestellt werden, dass kein anspruchsberechtigtes Kind die Förderung verliert, auch wenn die Eltern zunächst nichts unternehmen.
Ein Hinweis für Eltern, die schon jetzt starten wollen: Nach Angaben des BMF gibt es bislang keine zertifizierten Anbieter, kein Antragsverfahren und keinen Vertrag, den Familien heute abschließen könnten. Bis das Gesetz durch alle Instanzen ist, dauert es voraussichtlich noch Monate.