Brille liegt auf einer Zeitschrift

„Unsere Software checkt Bewerbungen im Sekundentakt“ – Prescreen-Gründer im Interview

Wer heute eine Bewerbung abschickt, kann sich nicht unbedingt sicher sein, dass die Bewerbung im ersten Schritt von einem Menschen gecheckt wird. Immer öfter kommen elektronische Bewerbermanagementsysteme wie Prescreen zum Einsatz. Doch wie funktioniert das Auswahlverfahren hinter dem Tool? Potentielle Kandidaten müssen jetzt besonders stark sein: Denn Online-Tools checken Bewerbungen in nur wenigen Sekunden. Warum das aber noch lange kein Grund ist, um in Panik zu verfallen und welche Vorteile Bewerber durch Online-Tools haben, erfährst du hier. Denn wir haben bei Prescreen Co-Gründer und Managing Director Constantin Wintoniak nachgefragt.

kununu: Was sagen eure Daten: In welchen Branchen sind Jobs besonders hart umkämpft und in welchen Bereichen haben Bewerber die höchsten Chancen eingestellt zu werden?

Constantin Wintoniak: Bei einer Erhebung unserer Kundendaten konnten wir feststellen, dass gerade im Bereich Marketing Jobs eher knapp sind, hier kämpft man durchschnittlich mit 24 anderen Bewerbern um eine freie Stelle. Mehr Freiraum hat man im Bereich IT, hier werden laufend neue Mitarbeiter gesucht. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, nach einer Bewerbung tatsächlich eingestellt zu werden, in dem Bereich Medizin und Pflege auch sehr hoch.

Wann werden die meisten Bewerbungen verschickt? Und wann ist ein guter Zeitpunkt um sich für eine neue Stelle zu bewerben?

Darüber haben wir uns selbst gewundert: dann, wenn die Leute eigentlich arbeiten sollten. Denn die meisten Bewerbungen werden montags und dienstags verschickt. Am Wochenende, sprich Samstag und Sonntag landen am wenigsten Bewerbungen auf dem Recruiter-Schreibtisch. Hat man also Angst, die Bewerbung könnte unter vielen anderen untergehen, so sollte man diese nicht am Wochenanfang zwischen 9 und 17 Uhr senden. Bei Unternehmen, die ein Bewerbermanagementsystem verwenden, ist die Wahrscheinlichkeit, „verloren“ zu gehen, jedoch sehr gering.

Studien zeigen, dass Personaler Bewerbungen oft in nur 5 Minuten checken.[1] Als Bewerber, der viel Zeit in die Erstellung der Unterlagen investiert hat, muss man da erstmal schlucken. Da stellt sich gleich die Frage: Wie lange braucht ein Online-Tool pro Bewerbung?

Bewerber müssen jetzt stark sein: Bewerbermanagementsysteme, wie zum Beispiel Prescreen, sind beim Checken einer Bewerbung sogar noch schneller. In wenigen Sekunden ist die Bewerbung ausgelesen im System. Jedoch können Kandidaten aufatmen, denn man sollte nicht vergessen, dass das Auslesen einer Bewerbung nicht die Arbeit eines Recruiters ersetzt, sondern diese vor allem vereinfacht.

Wie kann man sich als Bewerber die Matching-Technologie hinter einem Bewerbermanagementsystem vorstellen?

Für die freie Stelle werden im Vorhinein wichtige Faktoren wie Berufserfahrung, Studienrichtung oder Abschluss definiert, nach denen später gematched wird. Je nachdem, wie gut Bewerber für die Position geeignet sind, können sie in einer Rangliste angezeigt werden. Dies soll aber natürlich keine Handlungsempfehlung für den Recruiter sein, sondern eine strukturierte Aufbereitung um einen besseren Überblick über die Kandidaten zu verschaffen.

Bewerbungsfotos sind auch im Jahr 2018 immer noch ein fester Bestandteil von Bewerbungsunterlagen. Obwohl auch eine Abschaffung eben dieser immer wieder diskutiert wird. Erkennt das Tool Fotos und wenn ja, wie werden diese bewertet?

Man sollte den Matching-Mechanismus von Prescreen nicht mit dem von Tinder verwechseln. Prescreen erkennt zwar Fotos in Lebensläufen und fügt sie dem Bewerberprofil hinzu, diese werden allerdings nicht bewertet.

Welche Vor- und Nachteile haben Bewerber durch die erste Bewertung durch ein Onlinetool?

Der wesentliche Vorteil für Bewerber ist, dass eine ausgefallene Bewerbung, die sich abhebt, nicht im Widerspruch zur Übersichtlichkeit und der Transparenz für den Recruiter steht. Daten werden zwar automatisch aus dem Lebenslauf gelesen, dieser bleibt aber als Dokument behalten. Wir sind der festen Überzeugung, dass die „Aufmachung“ einer Bewerbung ebenfalls viel über die KandidatInnen aussagt, somit haben auch schön designte Bewerbungen ihren Platz bei Prescreen. Die ausgelesenen Datenkategorien sind bei jedem Kandidaten dieselben, was einen direkten Vergleich ermöglicht und eine Diskriminierung aufgrund von Alter, Geschlecht oder ähnlichem ausschließt. Ein weiterer Vorteil eines online Bewerbermanagementsystems ist, dass keine Bewerbung untergeht oder verloren wird. Hierbei ist auch wichtig zu erwähnen, dass die Daten der Kandidaten der neuen Datenschutzgrundverordnung entsprechend behandelt werden.

Ist es auch möglich, das Bewerbungstool auszutricksen?

Ganz ehrlich: Bei jeder Form der Bewerbung kann getrickst werden. Man kann sich in einem Lebenslauf immer besser und qualifizierter geben, als man wirklich ist. Hier gilt es wieder für den Personaler diese Lügen zu erkennen und die wahren Kompetenzen von Kandidaten abzuschätzen. Im Internet kursieren oft Gerüchte, dass das explizite Einfügen von vermeintlich passenden Schlagwörtern einen Vorteil verschafft – das stimmt so jedoch nicht und wirkt sich nicht auf das Matching in Prescreen aus.

Worauf müssen Bewerber achten um den Auswahlprozess eines Online-Tools bestmöglich zu bestehen?

Online Bewerbermanagement Systeme und die dahinterstehenden Algorithmen leben von den Informationen, die man ihnen zur Verfügung stellt. Es ist also vorteilhaft, so viel relevante Informationen wie möglich, von sich mitzuteilen. Die angegebenen Daten sollten korrekt eingetragen und der Wahrheit entsprechend sein, nur dann hat man die besten Chancen auf die Stelle. Es seid denn man bewirbt sich für einen Marketing-Job, dann muss man seine 24 Konkurrenten noch im Schwertduell besiegen.

Vielen Dank für das Interview!


Über den Interviewpartner:

Prescreen Constantin Wintoniak

Constantin Wintoniak ist der Managing Director und Co-Gründer von Prescreen.io. Sein Interesse an innovativen Technologien in unserer von stetigem Wandel geprägten Arbeitswelt hat er von Beginn an in die Weiterentwicklung von Prescreen miteingebracht. Prescreen ist eine Cloud-basierte Bewerbermanagementsoftware und seit Juli 2017 ein Tochterunternehmen von XING.

 

 

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Quellen:

[1] staufenbiel.de