„Hauptberuflich bloggen ist schwierig“ – Interview zu Bloggen & Berufstätigkeit

Neben einem Vollzeit-Job noch einmal mehrere Stunden Arbeit in den eigenen Blog stecken: Das macht Jana Nörenberg. Sie ist Food-Bloggerin auf www.nom-noms.de und Blogger- und Influencer-Relations Manager bei Tchibo GmbH. Was sie motiviert an ihrem Projekt zu arbeiten und wie zukunftsfähig persönliche Blogs sind, wir haben nachgefragt.

kununu: Wie bist du zum Bloggen gekommen?

Jana Nörenberg: Ich habe im November 2012 mit meinem Blog begonnen, also vor mehr als sechs Jahren. Ich habe damals eine Challenge gemacht, bei der ich mich 30 Tage lang vegan ernährt habe. Zu diesem Zeitpunkt habe ich schon ein Jahr vegetarisch gelebt und dann ist mir die Idee gekommen, alle tollen Rezepte, die ich ausprobiert habe, irgendwo zu sammeln. Ich war immer schon viel Online unterwegs und dann war es für mich naheliegend meinen eigenen Blog zu starten.

Was macht dir am Blogger-Dasein am meisten Spaß?

Bloggen bedeutet für mich vor allem viele Liebe in ein Projekt zu stecken – aber auch viel Zeit, Energie und Geld. Aber es macht mir so viel Spaß und ich habe dadurch auch so viele tolle Menschen kennengelernt. Ich arbeite 40 Stunden die Woche und das Bloggen kommt dann direkt an zweiter Stelle. In meinem Job als Blogger- und Influencer-Relations Manager bei Tchibo arbeite ich vor allem im Kopf. Der Job ist natürlich auch sehr kreativ, aber was mir hierbei fehlt, ist es etwas mit meinen Händen zu erschaffen. Zudem ist Kochen und Backen super entspannend für mich und genau deswegen mache ich das auch so gerne für meinen Blog.

Was motiviert dich, in der Freizeit nochmal Arbeit in dein Projekt zu stecken?

Als Blogger vereint man mehrere Tätigkeiten in einer Person – von Content Creator über Foodstylist bis hin zu Social Media Manager. Für mich ist es ein tolles Hobby, das aber auch sehr zeit- und kostenintensiv ist. Was mich am meisten motiviert, ist das Ergebnis, also das Rezept und die Fotos, aber auch das Feedback, dass ich von meinen Lesern bekomme. Über positive Rückmeldungen, zum Beispiel, wenn jemand ein Rezept nachgekocht hat und es super geklappt hat, freue ich mich natürlich besonders. Das ist der größte Dank für mich und meine Arbeit. Aber auch der Austausch mit anderen Bloggern ist mir sehr wichtig.

Welche Vorteile bringt das Bloggen in deinem beruflichen Alltag? Und umgekehrt: Was nimmst du aus deinem Beruf ins Bloggen mit?

In meinem Beruf ist es natürlich ein großer Vorteil, die Community aus Bloggern und Influencern zu kennen – und durch mein privates Bloggen habe ich viele Kontakte. Ich achte aber sehr darauf, Berufliches und Privates nicht zu vermischen und trenne das ganz klar. Außerdem habe ich einen guten Einblick in die Arbeitsabläufe meiner Partner, weil ich sie aus erster Hand kenne. Die Zusammenarbeit gestaltet sich dadurch viel partnerschaftlicher und in meinem Beruf geht es vor allem um Beziehungen und Partnerschaften und die Pflege von eben diesen. Ich glaube, es bedingt sich einfach beides gegenseitig.

Könntest du dir vorstellen hauptberuflich als Bloggerin tätig zu sein – oder anders gefragt, könntest du vom Bloggen leben?

Ich habe über diese Frage auch schon nachgedacht, und die Antwort für mich lautet: Nein. Einerseits weil ich nur einen kleinen Blog betreibe und ich deshalb wahrscheinlich nicht davon leben könnte. Andererseits möchte ich das auch gar nicht. Bloggen ist für mich ein Hobby, wäre es mein Job, würde mir vielleicht der Spaß daran verloren gehen. Wenn ich hauptberuflich Bloggerin wäre, würde ich vielleicht auch an den Punkt kommen, an dem ich nur mehr Sachen machen würde, um Geld zu verdienen. Natürlich verdiene ich jetzt auch Geld mit meinem Blog, auf der anderen Seite habe ich auch Ausgaben und das deckt sich dann sehr gut.

Auch wenn für dich Bloggen hauptberuflich nicht in Frage kommt, wie stehst du zu der Kritik, Blogger wäre kein richtiger Beruf?

Ich glaube, viele Leute wissen gar nicht wie viel Arbeit hinter einem Blog steckt. Es ist doch bei vielen neuen Berufsgruppen der Fall, dass sie anfangs belächelt werden. Ich glaube da muss man als Blogger einfach drüber stehen. Gerade weil man selbst weiß, wie viel Arbeit wirklich dahintersteckt. Deswegen glaube ich auch nicht, dass es an dieser Stelle sinnvoll ist mit Kritikern zu diskutieren. Einfach weil es auf dieser Grundlage schwierig ist und ich auch nicht denke, dass man sich rechtfertigen muss.

Wie sieht es in Zukunft aus: Wie zukunftsfähig ist das Konzept Blog eigentlich noch?

Ich glaube, es ist schwierig als hauptberuflicher Blogger nur ein Standbein zu haben. Deswegen bin ich der Meinung, man sollte sich nicht nur darauf fokussieren. Der Blog sollte eher wie ein Schaufenster fungieren. Sonst kann es schnell passieren, dass dieser zu einer Werbeplattform wird und das wirkt weder auf Leser, noch auf mögliche Kunden ansprechend. Ich kenne viele Blogger, die zum Beispiel auch als Freelancer tätig sind, ich denke zusätzliche Standbeine nehmen der ganzen Sache auch den Druck.

Muss man aus der Masse herausstechen, um erfolgreich zu sein?

Ich glaube, dass man sich nicht mit anderen vergleichen sollte. Es gibt so viele Blogs und jeder hat etwas Spezielles an sich. Ich versuche auch gar nicht zwanghaft aus der Masse herauszustechen. Ich mache einfach mein Ding. Mir ist ein guten Austausch wichtig und dazu gehört auch, dass man nicht neidisch ist. Wie besagt nicht bereits ein Sprichwort: „Es ist für jeden ein Stück vom Kuchen da.“

Und zum Abschluss: Welchen Tipp würdest du Anfängern mit auf den Weg geben?

Das wichtigste am Bloggen für mich ist und bleibt die Freude an der Sache. Daher mein Tipp: Habt einfach Spaß! Und falls ihr merkt, dass es doch nichts für euch ist, dann lasst es und es ist auch okay. Was auf jeden Fall hilft, ist der Austausch mit anderen. Es gibt viele coole Events und eine nette Communities, auf und mit denen ihr euch super vernetzten könnt. Also sucht den Kontakt zu anderen und holt euch Austausch, Anregungen und Inspiration.

Vielen Dank für das Interview!


Jana Nörenberg teilt auf www.nom-noms.de vegane und vegetarische Rezepte. Hauptberuflich ist sie als Senior Managerin Blogger & Influencer Relations/Marketing bei Tchibo GmbH tätig.